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Nr. 65, 09.04.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Einfach mal abschalten

Das Projekt »Modellcampus Nachhaltige Universität Kiel« wird das Profil der CAU stärken. Studierende der Geographie haben dafür eine Stromspar­kampagne entwickelt.


An der Aufzugtür im Geographischen Institut klebt ein schwarz-gelbes Plakat. Es fordert dazu auf, die Treppe zu nehmen: »Spare Strom und bleibe fit!«

Das Plakat gehört zu einer Stromsparkampagne, die Studierende in einem Projekt unter Leitung von Professor Christoph Corves und dem Lehrbeauftragten Dr. Jörn Radtke als Modell für die CAU entwickelt haben. Damit weisen sie den Weg zu einer umwelt­bewussten Universität: Bis Ende 2012 baut die CAU ein EMAS-zertifiziertes Umweltmanagement auf siehe Kasten). Im Projekt »Modellcampus« arbeitet sie mit Stadt, Land und weiteren Partnern daran, Nachhaltigkeit an der Kieler Uni sowohl in der Lehre als auch im betrieblichen Energie- und Umweltmanagement zu verankern.

»Die Universität ist ein Großverbraucher von Energie«, sagt Christoph Corves. Um die rund 200 Gebäude zu versorgen, wurden im Jahr 2009 fast 30 Millionen Kilowattstunden Strom und 38 Millionen Kilowattstunden Wärme verbraucht. »Die Kosten dafür explodieren«, so Corves weiter. Allein für den Strom zahlte die Uni 2009 drei Millionen Euro. Das seien 125 Prozent mehr als vor zehn Jahren – die Folge von gestiegenem Verbrauch und Preiserhöhungen. Bei der Fernwärme seien die Kosten im selben Zeitraum um 70 Prozent auf 2,7 Millionen Euro gestiegen, obwohl der Verbrauch konstant blieb. Da der Etat der Universität gedeckelt ist, gehen die steigenden Energiekosten zu Lasten von Forschung und Lehre.

Im Kleinen wollten Christoph Corves und Jörn Radtke versuchen, das zu ändern. »An der Uni gibt es ja alle Kompetenzen, um Neues zu denken und wirklich nachhaltig etwas zu verändern – und die Studierenden sind total motiviert, etwas Sinnvolles und zugleich Praxisnahes zu machen«, sagt Radtke. Zu den Studieninhalten in der AG Geomedien gehört die Umweltkommunikation. 20 Studierende nutzten die Chance, für das Geographische Institut eine Stromsparkampagne zu konzipieren und durchzuführen.

So haben die Studierenden zum Beispiel alle Geräte im Institut erfasst und den durchschnittlichen Stromverbrauch ermittelt. »Da habe ich einiges dazugelernt – etwa, dass ein PC deutlich mehr Strom verbraucht als ein Laptop«, sagt der Student Arne List. Der 23-Jährige war mit seiner Gruppe zuständig für die auffällige schwarz-gelbe Optik der Kampagne. »Wir wollten keine langen Texte, sondern Symbole, die man sofort versteht«, sagt List. Stilisierte Fußabdrücke und Hände senden im Institut Botschaften aus wie »Bye, Bye, Stand-By«.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekamen eine Geschenktüte mit konkreten Tipps – zum Beispiel, Computer und Licht auch für kurze Pausen komplett auszuschalten. Neben jeder Tür hängt jetzt eine Checkliste für Stromsparer als Erinnerung. Plakate und Flyer gibt es auf der Website der Next-Step-Kiel-Kampagne zum Download: »Wir freuen uns, wenn andere Institute die Materialien nutzen. Wer Fragen hat, kann sich gerne an den Modellcampus wenden«, so Corves und Radtke.

Mit ihrer Initiative haben sie auch das Präsidium der Universität überzeugt. Seit diesem Jahr gibt es an der Uni einen Koordinator für Umweltmanagement, Dr. Norbert Kopytziok. Ihn unterstützt ein Arbeitskreis mit Vertretern aller Fakultäten und Einrichtungen, die gemeinsam über Leitlinien und Ziele entscheiden. »Spätestens ab 2012 sollen konkrete Maßnahmen beginnen«, sagt Kopytziok. Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn sich alle Uni-Angehörigen engagieren. Ihre Ideen und Projekte werden deshalb auf der Website des Modellcampus vorgestellt – Nachmachen erlaubt.

Eva-Maria Karpf

www.modellcampus.de
www.next-step-kiel.de
www.umweltmanagement.uni-kiel.de
Stichwort EMAS
Die Abkürzung EMAS steht für »Eco-Management and Audit Scheme«, das heißt Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystem. Die Europäische Gemeinschaft hat EMAS 1993 als Instrument für Unternehmen entwickelt, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Die letzte Novelle dazu ist zum Jahresbeginn 2010 in Kraft getreten. EMAS-Unternehmen verpflichten sich, im Umweltschutz freiwillig mehr zu leisten, als das Gesetz vorschreibt, ihre Umweltdaten offenzulegen und die Beschäftigten zu beteiligen. Sie werden mindestens alle drei Jahre von einem unabhängigen, staatlich zugelassenen Umweltgutachter beurteilt. Die Kieler Universität ist die zwölfte deutsche Hochschule, die das EMAS-System einführt. (emk)
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