Mittelalterliche Kostbarkeiten
In einem aufwendigen Forschungsprojekt werden regionale Schätze des Mittelalters katalogisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Ausschnitt des Flügelaltars aus der Kirche Steinberg (Kreis Schleswig-Flensburg) stellt die Kreuzigung Jesu dar. Er wird datiert um 1490–1500. Foto: Kathrin Ulrich
Berücksichtigt werden Objekte aus der Zeit von 1200 bis 1535. »Es sind hauptsächlich sakrale Stücke aus den Kirchen und Museen Schleswig-Holsteins«, erklärt Albrecht. »Kunsthistorisch besonders interessant sind die großen Flügelaltäre, Retabel genannt, an denen Holzskulpturen und Gemälde gemeinsam auftreten.« Aber auch verzierte Gestühle, Wandschränke, Triumphkreuze oder hölzerne Leuchter werden aufwendig fotografiert und beschrieben. »Die Gemäldeseiten der großen Retabel ließen sich nur nach Einbruch der Dunkelheit reflexfrei aufnehmen«, berichtet Annette Henning vom Ludwig-Verlag Kiel. Sie fotografierte die Objekte für den ersten Band aus unterschiedlichen Perspektiven und Winkeln. Besonders groß sei der Aufwand bei sperrigen und schweren Kunstwerken.
Mitunter stoßen die Denkmalforscherinnen und -forscher bei der genauen Untersuchung sogar auf weitere, bislang unentdeckte Schätze. So wurden in der Kirche von Enge in Nordfriesland 1779 die Gemäldeflügel des Retabels vernagelt. Albrecht: »Erst unsere präzisen Beobachtungen lenkten den Blick auf diesen Umstand und ermöglichten die Freilegung der unberührten Malereien durch Restauratoren. « In Lübeck fand nach über 150 Jahren eine verloren geglaubte Skulptur an ihren Originalplatz im St. Annen-Museum zurück. Allen Kunstobjekten gemein ist der Werkstoff Holz, der laut Albrecht hierzulande meist aus Eichenstämmen gewonnen wurde.
Das Forschungsprojekt läuft zunächst noch bis 2014. Die Ergebnisse der Arbeiten sollen in fünf Bänden veröffentlicht werden.
Der erste Band des »Corpuswerkes« erschien 2009 bereits in zweiter Auflage, der zweite folgt im Laufe dieses Jahres. »Das Werk richtet sich an alle, die an älterer Kunst, ihrer Schönheit und historischen Bedeutung interessiert sind«, erklärt Albrecht. Es soll als Nachschlagewerk für Kunstliebhaber und Wissenschaftler dienen. Gleichzeitig würdigt es regionale Kostbarkeiten und archiviert somit kulturelles Erbe für kommende Generationen.
Anne Spaller
*Als Tafelmalerei bezeichnet man die, im Unterschied zur Wandmalerei, transportierbare bildliche Darstellung auf flachem, festem Material oder auf gespannter Leinwand.
Zum Weiterlesen: Uwe Albrecht (Hrsg.): Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein. Band 1: Hansestadt Lübeck. St. Annen-Museum. Kiel 2009; Band 2: Hansestadt Lübeck. Die Kirchen der Stadt (In Druck)
Zuständig für die Pflege dieser Seite:
Pressestelle der Universität
► presse@uv.uni-kiel.de






