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Nr. 65, 09.04.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Vom Wal zum Winzling

Als Kind schwärmte sie für Orcas. Als Wissenschaftlerin widmet sich Dr. Victoria Bertics mit mindestens ebenso großer Begeisterung wesentlich kleineren Lebewesen.


Dr. Victoria Berics mag das Labor und noch mehr das Meer. Foto: Martin Geist

Für zweieinhalb Jahre hält sich die Meeresbiologin aus den USA dank eines Alexander-von-Humboldt-Stipendiums am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften auf. In der Arbeitsgruppe von Professorin Tina Treude widmet sie sich während dieser Zeit einem Projekt, das auch im Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft« verankert ist: Sie untersucht, was passiert, wenn Mikroorganismen am Grund des Meeres Stickstoff fixieren. Dabei wandelt sich Stickstoff in biologisch nutzbare Formen um. Die Stickstofffixierung ist die Voraussetzung dafür, dass Proteine, Enzyme und genetisches Material gebildet werden können und überhaupt Leben heranwächst.

»Das ist ein ziemlich wichtiger Vorgang«, erläutert die 28-Jährige, die 2009 an der University of Southern California promoviert hat und sich bei der Bewerbung für das Humboldt- Stipendium einem strengen Auswahlverfahren stellen musste.

Meereswissenschaftlich gut untersucht ist dieser Prozess laut Professorin Treude bei den Blaualgen, die im Wasser leben. Dass Stickstofffixierung auch in den Sedimenten der Meeresböden geschieht, ist hingegen zwar bekannt, aber kaum erforscht. Genau das will Victoria Bertics während ihres Aufenthalts in Kiel ein Stück weit ändern. Etwa alle vier Wochen fährt sie hinaus in die Eckernförder Bucht, die vergleichsweise flach ist und deshalb viel organisches Material enthält. Interessant für die Expertin ist zudem, dass sich der Sauerstoffgehalt der Ostsee in dieser Gegend je nach Jahreszeit verändert und beispielsweise im Herbst sehr gering ist. Ob sich das positiv oder negativ auf die Stickstofffixierung auswirkt, will die Nachwuchswissenschaftlerin aus Kalifornien jetzt herausfinden.

Eine willkommene Abwechslung stellen dabei die regelmäßigen Ausflüge dar, bei denen sie knapp 30 Meter unter der Wasser- oberfläche ihre aus organischen Substanzen bestehenden Sedimentproben in Behälter füllt, die ins Wasser gelassen werden. »Die meiste Zeit arbeite ich aber im Labor«, sagt Victoria Bertics und mag sich darüber nicht im Ansatz beklagen. Neben zahlreichen Messungen analysiert sie auch die DNA, um herauszufinden, welche Lebewesen Stickstoff fixieren können. Und das, so betont sie, ist mindestens so spannend wie die immer wiederkehrenden Aquariumsbesuche, mit denen ihr Vater schon im Kindergartenalter die Ozeanforscherin in der kleinen Victoria weckte: »Ich liebe einfach alles am Meer.«

Martin Geist
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