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Nr. 66, 28.05.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Schulschluss

Die ersten Doktorandinnen und Doktoranden der Graduiertenschule beenden derzeit ihre Promotion. Vielfalt ist dabei Programm.


Die Abfälle einer Jäger- und Sammler­siedlung in Ostholstein sind Gegenstand einer Promotion. In der Ostsee blieben die rund 6000 Jahre alten Fundstücke gut erhalten. Foto: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen

Martin Hinz, Aikaterini Glykou und Ben Krause-Kyora haben vieles gemeinsam: Alle drei haben Abitur und ein abgeschlossenes Studium. Und sie haben anschließend noch einmal drei Jahre lang die Schulbank gedrückt. Allerdings nur im übertragenen Sinne – sie haben ihre Doktorarbeit an der Graduiertenschule »Menschliche Entwicklung in Landschaften« an der CAU verfasst. Damit gehören sie zur ersten Generation von etwa 30 Doktoranden, die kurz nach Gründung der Graduiertenschule 2008 in die Promotionsphase gestartet sind. Seit einem Jahr ist die zweite Generation dabei. »Durch die Überschneidung haben wir zwar mehr Betreuungs- und Verwaltungsaufwand, aber dafür erhalten alte und neue Promovierende die Gelegenheit, sich untereinander zu vernetzen«, erklärt Professor Johannes Müller, Koordinator der Graduiertenschule.

In der Realität hatte die Promotionsphase für Glykou, Hinz und Krause-Kyora wenig mit dem Drücken von Schulbänken zu tun. Zwar trafen sich die Doktorandinnen und Doktoranden der Graduiertenschule regelmäßig zu Seminaren und anderen Veranstaltungen, doch die meiste Zeit investierten sie in ihre Forschungsprojekte. Und bei denen waren die Gemeinsamkeiten erst mal zu Ende, denn von Geschichte über Geografie bis hin zu Philologie sind zahlreiche Fächer an der Graduiertenschule vertreten.

Die Archäologin Aikaterini Glykou untersuchte für ihre Promotion die steinzeitliche Fundstelle Neustadt an der Ostseeküste und die Wirtschaftsweise der Menschen, die einst dort lebten. Ben Krause-Kyora analysierte die DNA jahrtausendealter Schweineknochen, um den Weg des Hausschweins vom vorderen Orient bis in unsere Breitengrade nachzuzeichnen. Martin Hinz schließlich verband in seiner Doktorarbeit Archäologie und Informatik. Er modellierte aus verstreuten Oberflächenfunden, die in den letzten 150 Jahren zusammengetragen wurden, die jungsteinzeitlichen Siedlungsräume im südlichen Schleswig-Holstein. Das Modell ermöglicht einen Überblick darüber, wie viele Menschen hier vor etwa 6.100 bis 4.200 Jahren wie und wo lebten. Hinz` Arbeit lässt außerdem Schlüsse darauf zu, welche Landschaften sie bevorzugt für welche Aktivitäten nutzten.

Obwohl die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler völlig verschiedene Themen bearbeiten, profitieren sie nicht nur von monatlichen Stipendien und der finanziellen Unterstützung etwa bei Forschungsreisen von ihrer Mitgliedschaft in der Graduiertenschule. »Der häufige Kontakt mit anderen Promovierenden brachte immer wieder spannende Blicke über den Tellerrand des eigenen Fachs«, berichtet Genetiker Krause-Kyora. Martin Hinz ergänzt: »Erst durch die enge Zusammenarbeit mit anderen Forschern konnte ich die Daten zusammentragen, die ich für mein Projekt benötigte«.

Aikaterini Glykou ist zwar noch nicht sicher, wo sie nach Abschluss ihrer Doktorarbeit forschen wird – in der Wissenschaft möchte die junge Griechin aber auf jeden Fall bleiben: »Ich habe eigene Projektideen, die ich in Zusammenarbeit mit Institutionen entwickeln und verwirklichen möchte.« Auch ihre Noch»Mitschüler« Hinz und Krause-Kyora wollen weiter forschen: Beide bleiben der Graduiertenschule als Post-Doktoranden erhalten.

Jirka Niklas Menke
Graduiertenschule und Exzellenzinitiative
Die Graduiertenschule »Menschliche Entwicklung in Landschaften« wurde Ende 2007 im Zuge der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern eingerichtet. Die erste Förderperiode läuft bis 2012. Derzeit arbeiten die Mitglieder der Graduiertenschule am Fortsetzungsantrag, mit dem der Fortbestand der Einrichtung bis 2017 gesichert werden soll. Bis zu 60 Doktorandinnen und Doktoranden gleichzeitig werden über einen Zeitraum von drei Jahren mit Stipendien unterstützt und jeweils durch mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betreut. (jnm)
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