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Nr. 66, 28.05.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Die Freiheit der Wissenschaft

Die Politikwissenschaft an der Kieler Universität hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 2011 feiert sie ihren 60. Geburtstag.


Als Gründungsvater der Politikwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gilt Professor Michael Freund. Dabei schwankte der Gründer lange Zeit zwischen Freiburg und Kiel. Erst zu Beginn der 1950er Jahre erhielt der gebürtige Oberbayer als außerordentlicher Professor einen Lehrstuhl für Wissenschaft und Geschichte der Politik an der CAU. Es war die offizielle Geburtsstunde der Politikwissenschaft in Kiel.

Freund prägte das Fach über fast zwei Jahrzehnte. Dazu gehörte auch die Zeit der Stu­dierendenproteste. So stand der Lehrstuhl um Michael Freund beispielsweise im Jahr 1969 im Fokus der »Revolutionäre«. Es gelang ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen, heimlich weiter zu lehren. Sogar eine erste Übernahme konnten sie abwehren, indem sie sich verbarrikadierten. Im zweiten Anlauf gelang es den Studierenden, das Institut vorübergehend zu besetzen. Sie benannten es in Karl-Marx-Institut um.

Catharina Johanna Nies hat dieses Ereignis in einem Forschungsprojekt für den 60. Jahrestag aufgearbeitet. »Der Konflikt zwischen Freund war eine Auseinandersetzung um ein Wissen­schaftsverständnis, um die Freiheit der Wissenschaft und um die begriffliche Deutungshoheit. Für den Leiter stand fest, dass das Ziel von Politikwissenschaft nicht im Sinne einer durchgehenden Politisierung der Studenten und in der Popularisierung der Politik liegen konnte«, erläutert die Studentin. Sie gehört zu einer Gruppe von 20 Studierenden und Mentoren, die den Jahrestag zum Anlass genommen haben, das Thema »Die Geschichte der Politikwissenschaft in Kiel« zu erforschen. Geleitet wird das Projekt von Professorin Tine Stein und Dr. Wilhelm Knelangen. Zum Jubiläum am 8. und 9. Juni präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse in einer Ausstellung. Zudem gibt es im Herbst eine Festschrift mit allen Arbeiten der Studierenden. Darin geht es auch um die Ursprünge der Politikwissenschaft seit der Gründung der Kieler Universität.

Zu den Meilensteinen des Faches in Kiel gehört auch die Berufung von Freunds Nachfolger Professor Werner Kaltefleiter. Durch ihn gewann die empirisch-analytische Schule der Politikwissenschaft in Kiel an Bedeutung. Er gehörte zu den Persönlichkeiten, die in den siebziger Jahren die empirische Wahlforschung in Deutschland etablierten. Gleichzeitig machte er sich als Parteienforscher einen Namen. In den 1980er Jahren konzentrierte er sich dann in erster Linie auf Sicherheitspolitik. Als zweiter Professor verstand Wilfried Röhrich das Fach unter anderem als eine emanzipatorische Disziplin. Das sorgte für großes Konfliktpotenzial zwischen den beiden Professoren.

Nach dem Tod Kaltefleiters und dem Ausscheiden von Professor Röhrich schien die Zukunft des Faches an der Landesuniversität unsicher. Erst mit der Berufung von Professor Joachim Krause im September 2001 gewann die Politikwissenschaft wieder Konturen. Inzwischen hat sich das Fach fest etabliert, und es gibt viereinhalb Professuren, so viele wie nie zuvor, im Fach Politikwissenschaft.

Ralf Johanning

Offizieller Festakt im Ratssaal des Rathauses, 8. Juni, ab 18 Uhr. Präsentation der studentischen Forschungsergebnisse zur Geschichte des Faches, 9. Juni, 9:15 bis 11:30 Uhr, Wissenschaftszentrum, Fraunhoferstr. 13.Podiumsdiskussion »Politikwissenschaft und ihre Perspektiven für Universität, Öffentlichkeit und politische Praxis«, 9. Juni, ab 12 Uhr, Wissenschaftszentrum, Fraunhoferstr. 13.
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