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Nr. 66, 28.05.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Gern gesehener Einwanderer

Der Fischotter kehrt nach Schleswig-Holstein zurück. Ob er Chancen hat, sich dauerhaft anzusiedeln, untersucht ein Kieler Projekt.


Unauffällig gleitet der Fischotter durchs Gewässer. Fische sind sein Leibgericht. Aber auch Frösche, Flusskrebse, Ratten, Mäuse und Wasservögel stehen auf seinem Speiseplan. Foto: iStockphoto

Ein niedlicher Gesichtsausdruck, dichtes Fell und ein stromlinienförmiger Körperbau – mit diesen Äußerlichkeiten gewinnt der Fischotter (Lutra lutra) schnell Sympathien. »In manchen Bundesländern gibt es mehr Fischotterfans als Fischotter«, schätzt Dr. Robert Sommer vom Institut für Natur- und Ressourcenschutz. In Schleswig-Holstein setzt sich vor allem der Verein »Wasser Otter Mensch e.V.« dafür ein, das Überleben der vom Aussterben bedrohten Tierart zu sichern. »Der Fischotter ist eines der wenigen Tiere, die landesweit in einer großen Aktion erfasst werden«, berichtet der Kieler Ökologe. Daher weiß man, dass die am Wasser lebende Marderart in Schleswig-Holstein langsam wieder Fuß fasst. Das ist ein gutes Zeichen. Denn sein Vorkommen ist ein Hinweis darauf, dass im Naturschutz einiges richtig gemacht wurde, dass bestimmte Lebensraumbedingungen mittlerweile wieder vorhanden sind. Dies kommt nicht nur dem Sympathieträger Fischotter zugute, sondern vielen Tier- und Pflanzenarten mit hohen Ansprüchen an den Lebensraum.

Wer den geschmeidigen Schwimmer beobachten möchte, muss viel Glück haben und sich dort auf die Lauer legen, wo das Kot hinterlassen hat. »Der Kot des Fischotters lässt sich gut von dem anderer Säugetiere, die am Wasser leben, unterscheiden«, erklärt Sommer. »Er hat eine ganz bestimmte Größe und Form, einen typischen Geruch und enthält viele Fischgräten und Fischschuppen. Da der Fischotter ein großes Revier hat, setzt er seinen Kot an markanten Stellen ab. Leute, die sich mit der Tierart auskennen, wissen, wo sie suchen müssen.« Ein anderer Hinweis auf die Wiederausbreitung des Fischotters in Schleswig-Holstein sind tote Tiere, die an Straßenrändern gefunden werden.

Diese Totfunde nimmt sich Robert Sommer vor. »Wir sezieren die Otter und gewinnen dabei populationsbiologische und genetische Daten. Dabei interessieren uns unter anderem der körperliche Zustand der Tiere, das Alter und ob sie potenziell fortpflanzungsfähig sind.« Daraus lässt sich abschätzen, ob die Besiedlung weiterhin erfolgreich sein wird und was noch zu tun ist, damit der Ausbreitungstrend erhalten bleibt. Die genetischen Analysen dienen unter anderem dazu, herauszufinden, woher die in Schleswig-Holstein eingewanderten Tiere stammen. Beim Fischotter lässt sich, genau wie beim Menschen, ein genetischer Fingerabdruck nehmen. Durch Vergleich mit den genetischen Signaturen von Tieren aus Mecklenburg-Vorpommern, Dänemark und Schweden kann man so die Herkunft in Schleswig-Holstein aufgefundener Tiere ermitteln. Sommer: »Es gibt Fischotter in Dänemark, in Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen. Ziel ist, dass diese Populationen sich verbinden und in einem genetischen Austausch stehen. Jede Paarung von Fischottern aus verschiedenen Populationen bereichert die genetische Vielfalt.«

Bisher hat der Fischotterexperte knapp 20 Fischotter seziert. Die Tiere waren meist in guter bis sehr guter Verfassung und potenziell fortpflanzungsfähig. Der genetische Fingerabdruck weist den überwiegenden Anteil als Einwanderer aus Mecklenburg-Vorpommern aus. Ein Tier hatte aber auch eine genetische Signatur der dänischen Population. Robert Sommer schließt daraus, dass auch eine Auswanderung aus Dänemark möglich und ein genetischer Austausch wahrscheinlich ist. Für die zukünftige Bestandsentwicklung stellt er eine positive Prognose.

Wichtig sei allerdings, dass man Stellen in der Landschaft entschärft, die eine Gefahr für den Fischotter sind. »Fischotter werden meist an Brücken überfahren, da sie ihnen unbekannte und nicht einsehbare Bereiche im Wasser meiden und stattdessen über Land gehen«, so Sommer. Durch einen Uferstreifen oder eine kleine Holzbrücke, eine sogenannte Otterberme, lassen sich solche Stellen otterfreundlich gestalten. »Für eine Population, die sich im Aufbau befindet, ist jeder Tod eines Tieres ein großer Verlust. Und es sterben gerade die Tiere, die im fortpflanzungsfähigen Alter sind. Das muss verhindert werden.«

Kerstin Nees
Fischotter in Schleswig-Holstein
Nach wie vor ist der Fischotter in Schleswig-Holstein ausgesprochen selten. Heute taucht er vor allem in einem Gebiet um Lübeck, das an den weitaus größeren Bestand in Mecklenburg-Vorpommern anschließt, auf Fehmarn, an der dänischen Grenze und der Eider-Treene-Sorge-Niederung auf. Otter leben an fließenden und stehenden Binnengewässern in unzerschnittenen, störungsarmen Landschaften. Die Gewässer sollten fischreich sein und Verstecke am Ufer bieten. (ne)
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