Der entscheidende Kontakt
Mit Lasern und leuchtenden Kügelchen untersucht die jüngste Professorin der Technischen Fakultät die Wechselwirkung von Zellen mit ihrer Umgebung. Ihre interdisziplinäre Forschung unterstützt den beantragten Exzellenzcluster »Materialien für das Leben«.

Doktorandin Julia Reverey und ihr Kollege Emre Kizilkan untersuchen unter dem Mikroskop die Struktur von fluoreszierenden Kügelchen. Foto: CAU
Christine Selhuber-Unkel, Professorin für biokompatible Nanomaterialien an der Technischen Fakultät, erforscht mit ihrem Team solche kontaktabhängigen Prozesse. »Dass Amöben Zellen durch bloßen Kontakt töten, ist medizinisch bedeutsam. Dadurch können ernste, manchmal sogar tödliche Erkrankungen wie die Amöbenruhr entstehen«, erklärt Selhuber-Unkel. Sie forscht daran mit neuesten Techniken und Methoden, die Materialwissenschaft und Biophysik zusammenbringen. Unterstützt wird sie auch durch das biologische Knowhow der Arbeitsgruppe Zoophysiologie am Zoologischen Institut. »Für uns ist beispielsweise interessant, welche Kräfte die Amöbe auf die Zelle ausübt, die sie tötet«, sagt die promovierte Physikerin. Um diese Kräfte zu messen, produziert ein Mitarbeiter aus ihrem Team winzige, fluoreszierende Kügelchen. Wird eine Amöbe auf solch ein Kügelchen losgelassen, kann Selhuber-Unkel messen, wie es sich verformt. »Damit wollen wir herausfinden, ob wirklich allein biochemische Moleküle für das Abtöten der Zellen verantwortlich sind, oder ob auch mechanische Kräfte eine Rolle spielen.«

Eine in 40-facher Vergrößerung aufgenommene Amöbe. Foto: CAU
Und dann ist da noch die Frage, wie eine Amöbe erkennt, dass sie an einer für sie interessanten Zelle andockt. Hierbei spielen Größe und Struktur der Zieloberfläche eine Rolle. »Wir experimentieren mit verschiedenen Nanomaterialien, um hierauf Antworten zu erhalten«, sagt Christine Selhuber-Unkel und blickt in die Zukunft: »Wir setzen diese Techniken jetzt schon nicht nur an Amöben ein, sondern auch für die Untersuchung von Gewebezellen. Wenn es eines Tages gelingt, Oberflächen für Implantate zu entwickeln, an denen zwar Gewebezellen anhaften, aber zum Beispiel keine Bakterien, dann wäre das ein großer Fortschritt.«
Jirka Niklas Menke
Stimmiges Umfeld
Ganz allein könnte Christine Selhuber-Unkel ihre Forschungsvorhaben kaum umsetzen. Sie profitiert von zahlreichen Kooperationen an der Technischen Fakultät und mit anderen Bereichen der CAU. Im Sonderforschungsbereich 677 »Funktion durch Schalten« arbeitet sie zusammen mit Chemikern an einem gemeinsamen Projekt. Und wenn es mit dem Exzellenzcluster »Materialien für das Leben« klappt, den Selhuber-Unkel mit beantragt, können solche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit noch weiter intensiviert werden, etwa mit Kieler Medizinerinnen und Medizinern. Besonders zufrieden ist die Forscherin mit den Studierenden an der Technischen Fakultät: »Die sind sehr gut ausgebildet, motiviert und bringen die richtigen Voraussetzungen für interdisziplinäre Projekte mit.« (jnm)
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