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Nr. 68, 22.10.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

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Mathematikunterricht auf Englisch verbessert die Fremdsprachen­kennt­nisse. Wie aber beeinflusst diese Lehrmethode die Rechenkompetenz?


Rechnen auf Englisch: Klassenlehrerin Constanze Bense beim Mathematikunterricht mit der Klasse 3c an der Claus-Rixen-Schule. Foto:  pur.pur

Das Ende der Badesaison hat auf die Kinder der Claus-Rixen-Schule keinen Einfluss. Baden können die Erst- bis Viertklässler der Altenholzer Grundschule nämlich das ganze Jahr über – in der englischen Sprache. »Immersion« heißt das Zauberwort, das übersetzt so viel wie »Sprach­bad« bedeutet und den Kindern die Kenntnis der Fremdsprache vermittelt, indem Englisch nicht nur als Lehrgegenstand vermittelt wird, sondern auch in anderen Fächern wie Mathematik oder Religion als Unterrichtssprache dient. Die Claus- Rixen-Schule ist eine von fünf Grundschulen, die von Dr. Anna Chr. M. Zaunbauer und Diplom-Psychologin Sandra Kristina Gebauer im Zuge des Projekts »Immersives Lernen: Die Bedeutsamkeit von Schülervariablen« unter Leitung von Professor Jens Möller untersucht werden. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) gefördert.

Zaunbauer und Gebauer interessieren sich vor allem dafür, ob und wie sich immersiver Unterricht auf die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in den sprachlichen und nichtsprachlichen Fächern auswirkt und wie die Erfolge von Variablen wie Motivation oder Selbstkonzept abhängen. Sie haben in der fünfjährigen Laufzeit des Projekts die Leistungen der Kinder in Deutsch, Englisch und Mathematik überprüft. Begleitet werden die Untersuchungen jeweils durch psychologische Tests, die etwa die kognitiven Grundfähigkeiten oder die Konzentrationsfähigkeit erfassen. Hinzu kommen Schülerfragebögen, mit denen unter anderem Daten zum Interesse am jeweiligen Fach erhoben werden. Schließlich helfen Elternfragebögen den familiären und sozialen Hintergrund der Kinder zu erfassen.

Eindeutig nachgewiesen haben die Wissenschaftlerinnen, dass die immersiv unterrichteten Kinder grundsätzlich nicht schlechter abschneiden als monolingual Lernende. Im Hinblick auf ihre Lernfähigkeit und ihre Mathematikkenntnisse liefern sie sogar bessere Ergebnisse ab als die auf Deutsch unterrichteten Parallelklassen: »Wir haben hier Vorteile festgestellt, die sich nicht durch Unterschiede in den kognitiven Grundfähigkeiten oder der sozialen Herkunft erklären lassen«, sagt Zaunbauer. Sie vermutet, dass das ständige Wechseln zwischen Erst- und Zweitsprache auch kognitive Prozesse fördert, die zur Bewältigung mathematischer Aufgaben notwendig sind. Ein Folgeprojekt soll dies genauer klären.

Die in den fünf Schulen realisierte Sprachimmersion muss klar von anderen Formen von Zweisprachigkeit im Unterricht abgegrenzt werden. »Oft wird gesagt, türkische Schüler haben ja auch Immersionsunterricht«, so Zaunbauer. Das sei aber nicht das Gleiche. Der Unterschied liege in der Vermittlung: Während Kinder mit Migrationshintergrund beim Erlernen der deutschen Sprache in Unterricht und im Alltag meist auf sich allein gestellt sind, gehen die Lehrkräfte im Immersionsunterricht gezielt auf fehlende Sprachkenntnisse der Schülerinnen und Schüler ein. Obwohl der vermittelte Stoff in den nichtsprachlichen Fächern der gleiche ist wie im monolingualen Unterricht, muss gerade am Anfang zunächst das nötige Fachvokabular erarbeitet werden, was zahlreiche Wiederholungen erfordert. Den zeitlichen Abstand hole man im Laufe der Grundschulzeit aber wieder auf, versichert die Schulleiterin der Claus-Rixen-Schule Uta Fischer.

Dass die Kinder die englische Sprache leichter erlernen, wenn sie sie ähnlich der Muttersprache im Gebrauch erwerben, haben zahlreiche Untersuchungen bestätigt. Bei allen Vorteilen ist immersives Lernen momentan noch stark auf Kindergärten und Grundschulen begrenzt. »Das Problem ist, dass es kaum Anschlussprogramme gibt«, meint Gebauer. »Dadurch sind die Schülerinnen und Schüler beim Übergang in die fünfte Klasse damit konfrontiert, dass Englisch nun nur noch als Unterrichtsfach vorkommt.« Wie sich die Englischkenntnisse in der Sekundarstufe entwickeln, lasse sich deshalb noch nicht abschließend beurteilen. Uta Fischer weist darauf hin, dass auch Standortfaktoren eine Rolle spielen können.

Kristin Eichhorn

Weitere Informationen zum Immersivunterricht und zu den beteiligten Schulen und Kindergärten gibt es unter: www.fmks-online.de
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