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Nr. 68, 22.10.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Museen am Meer – Acht unter einem Dach

Wie an einer Perlenkette aufgereiht, präsentieren sich acht Museen an der Kieler Förde. Verbunden sind sie künftig über das Projekt »museen am meer«.


Es zahlt sich aus, wenn Museen ihre Ausstellungen aufeinander abstimmen – das erlebten auch das Kieler Schifffahrtsmuseum und das Zoologische Museum der Universität im Frühjahr 2010. Für die kulturhistorische Aufarbeitung »Walfang im Eismeer« und die naturkundliche Sichtweise »Wale in Schleswig-Holstein« tauschten beide Häuser Exponate wie einen 23 Meter langen Wal. Das Konzept ging auf und lockte zehn Monate lang doppelt so viele Besucherinnen und Besucher wie erwartet in die zwei Museen.

Dies war ein erster Vorbote für das Verbundprojekt »museen am meer«, für das im März der Start­schuss fiel. Am Sonntag, 23. Oktober, können sich Kulturfreunde auf dem ersten »museen am meer-Tag« von seinen Vorzügen überzeugen.

»Begonnen hat alles vor zwei Jahren«, erinnert sich Dr. Wolfgang Dreyer, Leiter des Zoologischen Mu­seums. »Unsere Museen sind wie geschaffen für ein gemeinsames Konzept. Deshalb waren alle sofort dabei, sammelten Ideen und Fördermittel konnten schnell beantragt werden.« Von Konkurrenz unter­einander war dabei nichts zu spüren. »Ganz im Gegenteil. Die Antwort auf unsere Vielfalt ist die Nischen­bildung. Jedes der acht Museen hat eine eigene Spezialisierung. So bespielen wir das gesamte kulturelle Feld – besser kann man nicht aufgestellt sein«, so Dreyer weiter.

Die Fächerbreite des Verbunds von Stadt, Universität und Leibniz-Institut für Meeres­wissenschaften reicht von Antike und Historie über Schifffahrtsgeschichte, stadt- und politische Geschichte sowie Zoologie bis hin zu Medizinhistorie und moderner Kunst. Gemeinsam bringen die kulturellen Einrich­tungen über 350.000 Euro für die gemeinsame Vermarktung auf. Den gleichen Betrag steuert die EU für die Finanzierung des Projekts bei. Auf den ersten Blick viel Geld für die drei Projektpartner, aber: »Den größten Teil leisten wir in Form von Personal und Arbeitsstunden «, erklärt Anne Waller, Projektmanagerin an der CAU. »Je nach Größe leiht jedes Haus durchschnittlich drei bis vier Personen an "museen am meer" aus.« Sie arbeiten in kleinen Gruppen zusammen und entwickeln Design- oder Marketingideen und überlegen sich neue museumspädagogische Konzepte. »Die kurzen Wege und die breite Beteiligung kleiner und großer Häuser hat sich als sehr fruchtbar für die kreative Entwicklung des Projekts herausgestellt«, sagt Waller.

Dabei setzt »museen am meer« auch Ziele der Landeshauptstadt Kiel um. »Familien- und Kinderfreundlichkeit und die Entwicklung als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort legt den Brückenschlag zur Universität und zu den Museen Kiels nahe«, erläutert Dr. Michael Reiter vom Amt für Kultur und Weiterbildung. »Jedes Haus behält dabei seine Eigenständigkeit, während gemeinsame Projekte den Tourismus ankurbeln und Einheimischen Abwechslung bieten.«

In der ersten Projektphase, die über drei Jahre läuft, wird es 2013 eine gemeinsame Ausstellung aller acht Museen aus acht Perspektiven geben. Darüber hinaus bieten die Häuser in Halbjahresprogrammen künftig abwechslungsreiche Zusatzangebote für jedermann. Nach den drei Jahren ist aber kein Ende in Sicht: Viele andere Kieler Einrichtungen haben schon ihr Interesse bekundet, in einer möglichen Folgerunde mit an Bord zu sein. Claudia Eulitz

www.museen-am-meer.de

»Der Antike ganz nah: in Schleswig-Holstein einzigartige Sammlung antiker Kleinkunst und von Abgüssen bedeutender römischer und griechischer Skulpturen.«
Dr. Joachim Raeder, Custos der Antikensammlung
Anette Hüsch »Die Kunsthalle zeigt Werke von der Dürerzeit bis zur Gegenwart. Die thematischen Führungen werden diese Vielfalt im Kontext der anderen Kieler Museen präsentieren und das Angebot unseres Hauses bereichern.«
Dr. Anette Hüsch, Kunsthalle zu Kiel
Wolfgang Zeigerer »Der Verbund "museen am meer" bringt unser vielfältiges Programm zur aktuellen Kunst, geschaffen von regionalen, skandinavischen und internationalen Künstlern, den Bürgerinnen und Bürgern und den Gästen unserer Stadt noch näher.«
Wolfgang Zeigerer, Stadtgalerie Kiel
Michael Gruber »Wir wollen speziell Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene für die Natur unter Wasser und für die Umwelt begeistern. So wecken wir Interesse und Einsatzbereitschaft für Leben und Lebensräume.«
Michael Gruber, Aquarium Kiel
Doris Tillmann »Kiel ist ein Museumsstandort mit Tradition und reichen Sammlungen. Dieser Tradition fühlen wir uns verpflichtet und wollen die musealen Schätze für das Kieler und auch für das touristische Publikum erlebbar machen.«
Dr. Doris Tillmann, Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum
Wolfgang Dreyer »Die modernen Erkenntnisse der Evolutionsforschung und der Kieler Meereswissenschaften spannend zu vermitteln ist unser Ziel – an dem historischen Ort, wo die Meeresforschung begann.«
Dr. Wolfgang Dreyer, Zoologisches Museum
Eva Fuhry »Im Verbund lassen sich hohe Qualitätsansprüche besser umsetzen, weil wir unsere Kompetenzen aus unterschiedlichen Bereichen bündeln können.«
Eva Fuhry, Medizin- und Pharmazie - historische Sammlung
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