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Nr. 68, 22.10.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Riskantes Leberfett

Die Verfettung der Leber schädigt nicht nur die Organfunktion, sie ist auch Anzeichen für ein erhöhtes Diabetes- und Herzinfarkt-Risiko. Der Fetuin-A-Spie­gel im Blut scheint ein Marker dafür zu sein.


Mittels Bauch-Ultraschall lässt sich eine Verfettung der Leber erkennen. Foto: iStock

Lange Zeit interessierte sich die medizinische Fachwelt nicht sonderlich für die Fettleber. Sie galt als Randproblem und relativ harmlos. Eine Fehleinschätzung, wie man erkannt hat, nachdem in Studien ein Zusammenhang zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt wurde. Die Ansammlung von Fett in der Leber steht im Zusammenhang mit Diabetes mellitus Typ 2 (Alterszucker). »Die Fettleber und vor allem die nicht alkoholische Fettleber scheint einen zentralen Punkt einzunehmen auf dem Weg vom Übergewicht zu chronischen Erkrankungen«, erklärt Professorin Ute Nöthlings, die am Institut für Experimentelle Medizin die Sektion Epidemiologie leitet.

Diese Entwicklung ließe sich aufhalten. Dazu müssten Betroffene frühzeitig erkannt und zu einer Verhaltensänderung motiviert werden. Manja Koch aus Nöthlings’ Team untersucht in ihrer Doktorarbeit, die sie im Exzellenzcluster Entzündungsforschung erstellt, wie ein spezieller Blutwert, das Fetuin-A, mit einer Fettleber zusammenhängt und ob dieser damit zur Vorhersage der Leberverfettung genutzt werden könnte. Das Protein Fetuin- A wird in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben. Aus früheren Studien ist bekannt, dass hohe Werte des Proteins im Blut auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes hinweisen.

»Unsere Hypothese ist, dass mit zunehmender Leberverfettung mehr von dem Protein gebildet wird«, erklärt Koch. Um dies zu prüfen, wertete sie die Daten von 724 Personen aus einer Kontroll­gruppe der Biobank »popgen« aus. Das sind über Einwohnermelde­ämter zufällig ausgewählte Personen des Untersuchungsgebietes Kiels, die sich zur Teilnahme bereit erklärt haben. Diese Freiwilligen wurden mittels Ultraschall hinsichtlich einer Fettlebererkrankung untersucht. Der Fetuin- A-Spiegel im Blut wurde bestimmt. Die statistische Auswertung ergab laut Koch: »Personen mit den höchsten Fetuin-A-Spiegeln hatten doppelt so häufig eine Fettleber im Vergleich zu Probanden mit den niedrigsten Fetuin-A-Blutwerten.«

Ob der Blutwert des Proteins auch ein Maß für das Stadium der Leberverfettung ist, ob also mit zunehmender Leberverfettung mehr Fetuin-A ins Blut abgegeben wird, will die Wissen­schaftlerin mit weiteren Untersuchungen herausfinden. Dazu muss allerdings das Leberfett genauer gemessen werden, als das mit dem Ultraschall möglich ist. »Das ist der nächste Schritt. Wir wollen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) den Fettgehalt der Leber messen und den Zusammenhang zum Fetuin-A-Spiegel ermitteln«, erklärt die Wissen­schaftlerin.

Kerstin Nees
Stichwort Fettleber
Übergewicht, übermäßige Fettzufuhr und hoher Alkoholkonsum führen dazu, dass der Körper Fett in der Leber einlagert. Ist dies bei der Hälfte aller Fettzellen geschehen, lautet die Diagnose Fettleber. In der Folge kann sich das Lebergewebe entzünden, Erkrankungen wie Leberzirrhose und Leberkrebs drohen.

Millionen Menschen in Deutschland haben eine Fettleber, oft ohne es zu wissen. Allein an einer nicht-alkoholbedingten Fettlebererkrankung leiden 30 Prozent der Bevölkerung westlicher Länder, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

Die gute Nachricht: Eine Leberverfettung und auch eine Fettleberentzündung können sich zurückbilden. Wichtige Maßnahmen sind der Abbau von Übergewicht, gesunde Ernährung und körperliche Bewegung sowie Alkoholverzicht bei alkoholischer Fettleber. (ne)
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