Karrierestrategien
Erfahrungen weitergeben und Vorbild sein: Mentoring hilft bei der Karriereplanung an der Hochschule. Seit 2010 gibt es in Kiel das Programm »via:mento« für promovierte Wissenschaftlerinnen.

Esther Marie Göllner und Nicola Fohrer Foto: pur.pur
»Ich kann mir sehr gut vorstellen, Professorin zu werden«, sagt die 29-Jährige. »In der Pharmazie gibt es zwar viele Studentinnen, aber der Frauenanteil nimmt nach oben hin ab – deshalb habe ich mir ganz gezielt eine Frau als Mentorin gesucht.« Die fand sie in Professorin Nicola Fohrer, Leiterin der Abteilung Hydrologie und Wasserwirtschaft am Institut für Natur- und Ressourcenschutz an der Fakultät für Agrar- und Ernährungswissenschaft. »Ich hätte mir früher selbst ein Mentoring gewünscht, deshalb möchte ich meine Erfahrungen gern weitergeben«, sagt Fohrer. »Wie man eine Karriere anpackt, darauf wird man im Studium kaum vorbereitet.«
Für Nicola Fohrer stützt sich wissenschaftlicher Erfolg auf mehrere Säulen. Dazu gehören Publikationen, Lehrerfahrung und das Einwerben von Drittmitteln, aber auch die Fähigkeit, Teams zu führen, Netzwerke zu bilden und sich auf das Wichtige zu fokussieren. Ein Punkt werde leider oft vergessen, sagt die 49-Jährige: »Auf keinen Fall sollte man die Freizeit vernachlässigen. Die Karriere ist ein Langstreckenlauf, man muss gesund und ausgeglichen bleiben.«
Esther Marie Göllner empfand dieses Säulenmodell als ausgesprochen hilfreich. »Ich sehe jetzt, wo ich noch etwas zu tun habe«, sagt sie. »Auch bei der Work-Life-Balance – man denkt ja gern, man müsse einfach nur viel Gas geben.« Die Gespräche mit Fohrer brachten sie dazu, bewusster Kontakte zu knüpfen und sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen. »Ich mache mehr Pläne und frage mich: Was bringt mich weiter?, statt nur eine Aufgabe nach der anderen abzuarbeiten«, sagt die Pharmazeutin.
Dass Göllner und Fohrer beide an der Kieler Universität arbeiten, ist für die via:mento- Paare eher ungewöhnlich. »Die Mentoring- Beziehung muss frei sein von Hierarchie«, sagt Ruth Kamm. Die meisten Mentees wählten wählten deshalb jemanden von einer anderen Hochschule oder einem Forschungsinstitut. »Dabei lassen sie sich von konkreten Kriterien leiten, zum Beispiel der Nähe zu eigenen Interessen und Zielen«, erklärt Kamm.
Begleitet wird das Mentoring von einem Rahmenprogramm aus Seminaren, Treffen und Weiterbildungen. »Bisher gab es beispielsweise Abende zur Drittmitteleinwerbung, zur Doppelkarriere oder zum Erfahrungsaustausch mit Professorinnen«, erzählt Ruth Kamm. Doch egal welches Thema ein Abend hat, ein Problemfeld taucht immer wieder auf: das Vereinbaren von Familie und Beruf. Esther Marie Göllner will sich davon nicht aufhalten lassen. »Ich sehe nicht ein, dass man sich zwischen Kind und Karriere entscheiden muss«, sagt sie. Als Mutter einer 19-jährigen Tochter hat Nicola Fohrer auch auf diesem Gebiet eine Menge Erfahrung, die sie an ihre Mentee weitergeben kann. »Man muss viel improvisieren«, ist Fohrers Fazit. »Aber es ändert nichts daran, dass ich gerne Professorin bin – ich mag es, mit jungen, enthusiastischen Menschen zu arbeiten und die Freiheit zu haben, Ideen zu entwickeln.«
Eva-Maria Karpf
Persönliche Betreuung
Das Programm via:mento an der Stabsstelle der Gleichstellungsbeauftragten unterstützt promovierte Wissenschaftlerinnen an der Kieler Universität, die eine weitere wissenschaftliche Laufbahn anstreben. Eine Programmrunde dauert 21 Monate. Im Mittelpunkt von via:mento steht die persönliche Beratung durch eine selbstgewählte Mentorin bzw. einen Mentor. Dabei handelt es sich um erfahrene und renommierte Professorinnen und Professoren, die in der Regel nicht an der CAU arbeiten. Weitere Bausteine sind begleitende Seminare, Treffen mit anderen Mentees und Qualifizierungsangebote.
Das Programm ist für alle Teilnehmenden kostenfrei, es wird bis 2014 vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Professorinnenprogramms gefördert. Die zweite Programmrunde beginnt im September 2012, Anmeldungen sind ab dem kommenden Sommersemester möglich.
Informationen bei Ruth Kamm
Stabsstelle Gleichstellungsbeauftragte
Tel. 0431/880-1833, rkamm@gb.uni-kiel.de
www.mentoring.uni-kiel.de
Das Programm ist für alle Teilnehmenden kostenfrei, es wird bis 2014 vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Professorinnenprogramms gefördert. Die zweite Programmrunde beginnt im September 2012, Anmeldungen sind ab dem kommenden Sommersemester möglich.
Informationen bei Ruth Kamm
Stabsstelle Gleichstellungsbeauftragte
Tel. 0431/880-1833, rkamm@gb.uni-kiel.de
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