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Nr. 69, 10.12.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Mehr Freiheit für die Uni

Bis zur Zulassung eines neuen Studienganges muss das Konzept viele Hürden nehmen. Die CAU setzt sich für ein neues, einfacheres Verfahren ein, das mehr Eigenständigkeit erlaubt.


Immer wieder entstehen neue Studienmöglichkeiten an der Kieler Uni. Noch richtig jung sind beispielsweise internationale oder fachübergreifende Masterstudiengänge wie AgriGenomics oder Migration und Diversität. Bis sich hier die ersten Studierenden einschreiben konnten, mussten die Verantwortlichen einen weiten Weg durch die Instanzen beschreiten.

Bereits ein Grobkonzept zu bauen braucht einen monatelangen Vorlauf. Dann geht es weiter zum Studienausschuss und Konvent der Fakultäten und anschließend in den zentralen Studien­ausschuss. Bevor der geplante Studiengang zum Ministerium kommt, muss er noch durchs Präsidium, den Unisenat und den Unirat.

Bis dahin weiß noch niemand, ob die Professorinnen und Professoren eines Tages Studierende unterrichten werden. Dabei haben sie bis hierher schon viel Arbeit geleistet. »Jeder Antragsteller benötigt eine ausführliche Dokumentation. Darin sind Konzept, Aufbau, Ziele, Ressourcen, Qualitätssicherung, Prüfungsordnung und notwendiges Personal enthalten«, erklärt Professor Frank Kempken, Vizepräsident der CAU. Das komplette Werk geht dann an eine Akkredi­tierungsagentur. Sie entscheidet auch, ob der Studiengang in den Hörsaal kommt. Das geschieht in einem reglementierten Verfahren, das der Akkreditierungsrat auf Grundlage des Bologna-Prozesses festgelegt hat. Fast alle deutschen Universitäten bemühen bisher dieses aufwändige Prozedere.

Es gibt aber einen einfacheren Weg, neue Studienangebote zuzulassen oder zu verlängern: die Systemakkreditierung. Hierbei entscheiden die Universitäten selbst. Das baut Bürokratie ab und erhöht die Eigenständigkeit. »Bisher ist es nur der Mainzer Universität gelungen, eine System­akkreditierung zu erhalten«, sagt Julia Jetter, Leiterin der Stabsstelle Qualitätsmanagement an der Kieler Uni. Das mag auch damit zusammenhängen, dass diese Form der Qualitätssicherung erst seit vier Jahren möglich ist.

»Wer als Hochschule ein hohes Maß an Selbstständigkeit genießen möchte, sollte die System akkreditierung ins Auge fassen«, betont auch Kempken. In der Vergangenheit habe sich gerade bei der Reakkreditierung von Studiengängen gezeigt, dass die Agenturen immer größeren Wert auf ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem legen. Das hat die Kieler Hochschule dazu veranlasst, grundsätzlich über das System nachzudenken und Maßnahmen zur Qualitäts­kontrolle wie Umfragen und Evaluationen einzuführen. Der nächste logische Schritt sei der einer System akkreditierung, ergänzt der Vizepräsident. Bei diesem Verfahren besteht nicht so lange Unklarheit darüber, ob der Studiengang Chancen hat oder nicht.

Bei der Systemakkreditierung schreiten die Akkreditierungsagenturen nur noch alle sechs bis acht Jahre zur Tat und überprüfen, ob das System an der Uni funktioniert. Dabei steht die Qualität im Mittelpunkt. »Als Hochschule müssen wir nachweisen, dass wir Standards und Leitlinien für die Qualitätssicherung im europäischen Hochschulraum einhalten«, sagt Jetter. Das bedeute für die CAU in einem ersten Schritt genau zu definieren, was gute Lehre eigentlich heißt. Dafür muss geprüft werden, woran es beispielsweise liegt, wenn Studierende häufiger abbrechen oder die Absolventinnen oder Absolventen in die Arbeitslosigkeit studieren. »Sind die einzelnen Bausteine des Qualitätsregelkreises gut aufeinander abgestimmt und greifen ineinander, müssen beispielsweise bei steigenden Abbrecherzahlen die Alarmglocken klingeln«, betont Jetter. Doch dafür muss die CAU zuvor die Prüfungsorganisation definieren und auch Indikatoren wie die Bachelorumfrage nutzen, die solche Alarmsignale auslösen können.

Dafür ist die Hilfe der Fakultäten notwendig. »Nur wenn alle Beteiligten der Universität mitziehen, haben wir die Möglichkeit, ein funktionstüchtiges Qualitätsmanagement aufzubauen. Dazu benötigen wir konkrete Daten, aufeinander abgestimmte Prozesse und das Wichtigste: eine Verständigung über die Qualifikationsziele der Universität und der einzelnen Studiengänge«, betont Jetter. Wenn dem so ist, dann wird dem Antrag auf Zulassung zum Verfahren der Systemakkreditierung nichts mehr im Weg stehen.

Ralf Johanning
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