Ein Herz für Hautkranke
Ursprünglich wollte Regina Fölster-Holst Kinderärztin werden. Heute ist sie gefragte Expertin für Hauterkrankungen bei Kindern. Sie hat die besondere Gabe, Kompliziertes einfach darzustellen.

Regina Fölster-Holst erklärt an einem Modell die Hauterkrankung Neurodermitis. Foto: pur.pur
Schwierige Fälle gehören zur Tagesordnung an einer Universitätsklinik. Diese zu lösen, verschafft Erfolgserlebnisse. Die Fachärztin für Dermatologie und Allergologie schildert exemplarisch den Fall einer Patientin, die nach dreijähriger Odyssee durch die Arztpraxen in ihrer Ambulanz gelandet war. Der Grund waren stark juckende Hautveränderungen, ähnlich denen von Mückenstichen, die, wenn sie an einer Stelle weg waren, an anderen wieder auftauchten. Die bisher erfolglose Suche nach der Ursache weckte den Ehrgeiz der Professorin, zumal die Patientin sehr verzweifelt gewesen sei.
Um herauszufinden, ob Parasiten die Beschwerden machten, bat sie die Patientin, zu Hause gründlich nach kleinen Tierchen zu suchen und ihr diese zu schicken. »Dann hat sie mir tatsächlich ein Schächtelchen geschickt. Das war aber eine Bücherlaus, und die macht ganz andere Beschwerden.« Hartnäckiges Nachfragen bei der Patientin habe letztlich zur Lösung des Rätsels geführt. So sei herausgekommen, dass bis vor kurzem Mäuse in der Wohnung gehalten worden waren. In dem Zimmer, wo der Käfig gestanden hatte, fand die Patientin erneut kleine Tierchen: tropische Rattenmilben, wie sich später herausstellte. »Das war die Ursache.« Ein Kammerjäger befreite die Wohnung von den Milben und seitdem ist die Frau beschwerdefrei.
»Auch das ist es, weswegen ich Ärztin geworden bin. Ich muss der Sache auf den Grund gehen«, so Fölster-Holst. Das funktionierte allerdings kaum, »wenn man morgens um acht in die Praxis oder Klinik geht und um vier oder fünf Schluss macht. Das erfordert schon etwas mehr Zeit, die dann außerhalb der Klinikroutine zu nehmen ist.« Mit detektivischem Spürsinn, Geduld und Hartnäckigkeit allein lassen sich allerdings nicht alle Hauterkrankungen diagnostizieren und heilen. Es braucht natürlich auch Sachverstand und den Mut, eingefahrene Wege zu verlassen. »Man sollte sich selbst immer wieder in Frage stellen und Erkrankungen nicht nach Schema F behandeln, sondern einfach mal etwas anderes probieren als das, was in den Leitlinien empfohlen wird.« Dabei suchte sie auch den Erfahrungsaustauch mit Kolleginnen und Kollegen. »Ich habe ein ausgezeichnetes Netzwerk.«
Die Expertin für Kinderdermatologie, Neurodermitis und Parasitosen gehört diversen Verbänden und Arbeitsgemeinschaften an und mischt dort auch an vorderster Front mit. So ist sie erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Vorstandsmitglied der European Society of Pediatric Dermatology und Regionalleiterin Norddeutschlands des Ärzteverbands Deutscher Allergologen. An der CAU engagiert sich Fölster-Holst in der Ethik-Kommission der medizinischen Fakultät und im Exzellenzcluster Entzündungsforschung.
Neben der klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit setzt sie sich auch dafür ein, die Bevölkerung und vor allem Kinder über ihr Arbeitsgebiet aufzuklären. Sie hat Vorträge an den Kinderunis in Kiel, Hamburg und Berlin gehalten und misst Patientenschulungen große Bedeutung bei. »Ich will, dass jeder gut über seine eigene Erkrankung, über seine Situation Bescheid weiß, denn dann ist er in der Lage, das auch zu managen.« Für ihre Fähigkeit, komplizierte Dinge in einfache Worte zu fassen und anschaulich darzustellen, wurde Fölster-Holst mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. 2003 erhielt sie den Lehrpreis der medizinischen Fakultät, 2004 den Preis für den besten freien Vortrag anlässlich des Allergiekongresses in Aachen. In diesem Jahr hat sie mit ihrer Arbeitsgruppe den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis beim Wettbewerb »Wissenschaft interaktiv« gewonnen (siehe Kasten).
Dass sie Ärztin geworden ist, habe sich so ergeben. In die Wiege gelegt worden sei ihr der Beruf zumindest nicht. »Ich stamme von einem Bauernhof in Aukrug und hätte mich zum Beispiel auch der Pferdezucht widmen können.« Es kam anders. Nach einer Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin und Berufspraxis in der Kieler Universitäts- Hautklinik (UKSH) schloss sie ein Medizinstudium an. Anderthalb Jahre arbeitete sie auf Amrum in der Kinderfachklinik Satteldüne, bevor sie 1985 als Assistenzärztin zurück an die Kieler Universitäts-Hautklinik kam. Dass sie dort blieb und ihr Ziel, Kinderärztin zu werden, nicht weiter verfolgte, dafür setzte sich der frühere Klinikchef, Professor Enno Christophers ein. Fölster-Holst: »Als ich eine Stelle in der Kinderklinik angeboten bekam, sagte er: „Kinder mit Hauterkrankungen können Sie auch hier behandeln. Sie kriegen, was Sie wollen. Richten Sie eine Kindersprechstunde oder so etwas ein.“« Diese Chance nutzte sie und blieb – bis heute.
Kerstin Nees
Begehbare Hautmodelle
Unter dem Motto »Die Haut – mein heiliges Häuschen« hat das Team um Professorin Regina Fölster-Holst von der Universitäts-Hautklinik Kiel eine interaktive Wanderausstellung konzipiert und dafür den mit 10.000 Euro dotierten Preis »Wissenschaft interaktiv 2011« gewonnen. Die Exponate, acht kleine Holzhäuschen, bieten Einblick in Funktionsweise und Aufbau der Haut. Neben den Grundfunktionen der Haut werden damit auch Erkrankungen wie Neurodermitis oder Verletzungen etwa durch Tattoos oder Piercings erklärt. Der Publikumspreis »Wissenschaft interaktiv« wird von der Initiative Wissenschaft im Dialog und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgeschrieben und durch die Schering Stiftung gefördert. www.wissenschaft-im-dialog.de (ne)
Zuständig für die Pflege dieser Seite:
Pressestelle der Universität,
presse@uv.uni-kiel.de





