Suchen Sitemap Kontakt Impressum

Studierende | Studieninteressierte | Presse | Fördern
Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte | Alumni | Wirtschaft | Intranet

Zur Startseite

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 69 vom 10.12.2011, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Splitter: Atomkraft und Internet

Wenn doch bloß die Welt nicht so kompliziert wäre. Wer denkt schon daran, welche Schäden dem Weltklima durch eine völlig belanglose Suchanfrage bei Google und Co. zugefügt werden? Sollte die Rechnung des amerikanischen Physikers Alex Wissner- Gross stimmen, dann verbraucht jede einzelne Recherche so viel Strom wie zum Erhitzen eines halben Wasserkessels nötig ist. Und das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung setzt jede Web-Suche mit einer Stunde Licht aus einer Energiesparlampe gleich. Im großen Maßstab nehmen sich derlei Betrachtungen noch schauderlicher aus. Allein in den USA, so vermeldete jüngst die Süddeutsche Zeitung, arbeiten rechnerisch acht Atomkraftwerke ausschließlich fürs Internet.

Das scheint zunächst verblüffend, gestaltet sich aber einigermaßen einleuchtend, wenn man berücksichtigt, dass ein Großteil des Stroms nicht von den häuslichen Rechnern verschlungen wird, sondern auf das Konto der gewaltigen Server der Betreiber von Suchmaschinen, Auktionshäusern und Online-Shops geht.

Besonders wenn sie sich in die Zukunft richten, sind Prognosen freilich auch in diesem Fall eine schwierige Sache. Der Energieverbrauch des Internets ist, jedenfalls nach Zahlen des kalifornischen Experten Jonathan Kooney, zwischen 2005 und 2010 nur um 56 Prozent gestiegen und hat sich beileibe nicht – wie von ihm selbst und anderen erwartet – verdoppelt.

Zudem kommen solche Betrachtungen ohnehin einseitig daher, weil die Gegenrechnung fehlt. Kein Mensch würde jedenfalls behaupten, dass der Bahnverkehr in horrendem Ausmaß Ressourcen verschlingt und dabei ignorieren, wie groß auf der anderen Seite die Spareffekte durch entsprechend weniger Individualverkehr sind. So ähnlich ist es auch mit den Suchmaschinen, die mutmaßlich nicht selten aufwendige Autofahrten in Bibliotheken entbehrlich machen.

Das läppert sich, rechnet zumindest Suchmaschinist Google unter Berufung auf Daten der Europäischen Union vor. Ein einziger Kilometer Fahrt per Kleinwagen zieht demnach so viel Energie wie tausend Suchanfragen.

Martin Geist
Zum Seitenanfang  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung



Zuständig für die Pflege dieser Seite: Pressestelle der Universität, presse@uv.uni-kiel.de