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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 69 vom 10.12.2011, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Zahnschmerzen, die keine sind

Bei der Diagnose von chronischen Entzündungskrankheiten des Körpers kann der Blick in die Mundhöhle helfen.


Foto: DigitalStock

Zahnschmerzen ohne Zahnschäden, Kieferentzündung ohne bakterielle Ursache und Zahnbakterien, die bei der Entstehung von Gelenkrheuma eine Rolle spielen sollen – für den Rheuma­tologen Professor Johann Oltmann Schröder gibt es viele Gründe, Zahnärztinnen und Zahn­ärzte in die allgemein­medi­zinische Versorgung einzu­binden. Die Zusammenhänge erläuterte der Leiter des Exzellenzzentrums Entzündungs­medizin am Universi­tätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, vor Kurzem bei einer zahnmedizinischen Fachtagung unter dem Titel »Die Mundhöhle als Spiegel rheumatischer Erkrankungen«.

Rheuma gilt gemeinhin als entzündliche Gelenk­erkrankung. Tatsächlich werden unter dem Begriff aber eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen geführt, die Knochen, Muskeln, Gefäße, Organe und Bindegewebe betreffen. Der Lupus erythematodes ist zum Beispiel eine systemische Autoimmunerkrankung, die Gelenke und alle Organe befallen kann. Auffälligstes Symptom ist häufig eine schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht. Anzeichen für diese Erkrankungen sind aber auch Geschwüre in oder an der Mundschleimhaut.

Ein anderes Beispiel für eine entzündliche Allgemeinerkrankung mit Symptomen im Mund ist der Morbus Behçet, eine Gefäßentzündung in zahlreichen Organen. Die Erkrankung ist vor allem in den Ländern entlang der ehemaligen Seidenstraße (vom Mittelmeer über die Türkei bis nach Japan) verbreitet. »Typisch sind hier Zungenrandgeschwüre«, so Schröder. Diese häufig wiederkehrenden, schmerzhaften offenen Stellen im Mund können auch die Erstmanifestation der Erkrankung sein. Als weiteres Beispiel führt er das Sjörgen-Syndrom an, bei dem Immunzellen die Speichel- und Tränendrüsen angreifen. »Die Erkrankung macht einen trockenen Mund, weil die Speicheldrüsen nicht mehr ausreichend Spucke produzieren können«, erklärt der Rheumatologe.

Diese und andere Veränderungen können bei der Zahnbehandlung auffallen und sollten angespro­chen werden. Wichtig zu wissen sei aber auch, dass Symptome einer Allgemeinerkrankung als Zahnschmerzen fehlgedeutet werden können. Zum Beispiel bei der Riesenzellarteriitis. Diese Entzündung größerer Blutgefäße tritt vornehmlich bei älteren Menschen auf. »Die Betroffenen haben häufig Schmerzen beim Kauen, weil kein Blut mehr im Kaumuskel ankommt. Das wird fast immer als Zahnschmerz gedeutet, dahinter verbirgt sich aber eine entzündliche System­erkrankung.« Auch eine Entzündung von Ober- oder Unterkiefer könne Symptom einer Rheuma­erkrankung sein. Eine antibiotische Behandlung wäre hier zwecklos, da die Entzündung nicht durch Bakterien verursacht wird. »Das ist kein zahnärztliches Problem.«

Umgekehrt könne sich aber auch mangelnde Mundhygiene auf den Allgemeinzustand auswirken. So steht das Zahnbakterium (Porphyromonas gingivalis) im Verdacht, zur Entwicklung von entzündlichem Gelenkrheuma beizutragen. Das Bakterium produziert einen Stoff (Citrullin), gegen den das Immunsystem von Rheumakranken Antikörper entwickelt und so Entzündungen verursacht. Schröder: »Die Bakterien sind besonders fleißig, wenn der Zahnstatus schlecht ist, und wenn die Person raucht.« Das alles sei zwar noch nicht abschließend bewiesen. »Aber es hält die Leute zu Recht an, eine ordentliche Mundhygiene zu betreiben, damit sie kein Rheuma kriegen.«

Kerstin Nees
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