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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 70 vom 11.02.2012, Seite 2  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Aus Freude am Fremden

Das International Center ist praktisch das Außenministerium der Uni Kiel – ihr Tor zur akademischen Welt.


Gästehaus der Kieler Universität an der Kiellinie. Foto: Arne Biederbeck © Uni Kiel

China, Kanada, Dänemark: Dr. Martina Schmode kommt viel herum, »aber nicht so viel, wie man denkt«, sagt die Leiterin des International Centers. Anders als eine wirkliche Außenministerin kann sie nicht auf einen unerschöpflichen Stab an Kräften zurückgreifen, sondern auf ein Team von zwölf Voll- und Teilzeitbeschäftigten. Und so heißt es für die Chefin zumeist Schreibtisch statt weite Welt.

Andererseits ist die weite Welt stets zu Gast an ihrem Arbeitsplatz in der alten Uni-Bibliothek am Westring. Etwa 1800 Studierende aus mehr als 100 Ländern sind derzeit in Kiel immatrikuliert. Und die haben, besonders in der ersten Zeit, »eine Menge Fragen«, berichtet Martina Schmode. Visum, Arbeitsrecht, Wohnungssuche, Organisation des Studiums und unendlich viele alltägliche Anliegen definieren den Beratungsbedarf der Neuen.

Dass sich die Angestellten vom International Center dabei nicht den Mund fusselig reden müssen, liegt an einem anderen Angebot dieses Hauses. Immer zu Semesterbeginn gibt es für die weitgereisten Neuen Orientierungstage, die mit Exkursionen und Theaterbesuchen angereichert sind. Dank Tipps von wissenschaftlichen Hilfskräften oder auch von ausländischen Tutorinnen und Tutoren klärt sich in diesen Tagen vieles quasi nebenbei. Und wenn nicht, dann hilft eben die Beratung im International Center weiter oder es stehen hilfsbereite Menschen im Studentenwerk und im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) bereit. Immer wieder begleiten Menschen mit intimeren Kiel-Kenntnissen die Neuankömmlinge auch direkt bei Behördengängen oder zu anderen Stellen, mit denen sich die Neuen schwertun.

Genauso gern wie Studierende begrüßt das International Center Forschende und Lehrende aus dem Ausland. Verschiedene Programme und zahlreiche Partnerhochschulen bieten ent­sprechende Möglichkeiten, drei universitätseigene Gästehäuser erweisen sich laut Schmode als »große Erleichterung«, wenn es um die Unterbringung von jährlich etwa 350 Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaftlern geht.

Martina Schmode, International Center. Foto: Uni Kiel

Nicht zuletzt fühlt sich die »Abteilung Welt« der Uni Kiel auch der Internationalisierung im eigenen Haus verpflichtet. Mehr englischsprachige Studiengänge könnten dazu beitragen, die Umsetzung sei aber nur mit Unterstützung der jeweiligen Fakultäten möglich. Bedarf besteht aus Sicht von Schmode auf jeden Fall. Eine alternde Gesellschaft in einer globalisierten Wirtschafts- und Wissenschaftslandschaft komme nicht darum herum, im Wettbewerb um die hellsten Köpfe nach Möglichkeit schon den studentischen Nachwuchs an sich zu binden. Und das gelingt nach aller Erfahrung zumindest in bestimmten, oft technisch ausgerichteten Fachbereichen, dann wirklich gut, wenn die Lehrsprache Englisch ist. Zwar gibt es in diesem Bereich nach Einschätzung von Martina Schmode noch viel zu tun, doch das Bewusstsein für den Stellenwert des Themas wachse quer durch die Uni.

Gleichwohl darf das hiesige Bildungssystem nicht alle aufnehmen, die sich aus dem Ausland bewerben. Entscheidend ist ihre Qualifikation, die im Grundsatz ebenfalls vom International Center geprüft werden muss. Vereinfacht wird dieses mühselige Geschäft seit einigen Jahren von einer bundesweiten Stelle namens »uni-assist«, die nach den Vorgaben der CAU alle Bachelor- und Master-Bewerbungen bewertet und dabei auf die Gleichwertigkeit der Bildungsabschlüsse achtet.

Durchaus penibel kann es dabei in den Masterstudiengängen hergehen, wo Studierende aus dem Ausland – übrigens ebenso wie solche von anderen deutschen Unis – recht konkrete Qualifikationen aus dem Bachelor-Studium mitbringen müssen. Das International Center findet dann gemeinsam mit den zuständigen Fachbereichen heraus, ob die Kompetenzen zu dem gewünschten Studienfach passen und beispielsweise speziell geforderte Sprachkenntnisse vorliegen. Für Promotionszulassungen liegt allerdings die alleinige Verantwortung beim International Center.

Martin Geist

www.international.uni-kiel.de
Zahlen
11 Internationale Studiengänge, 331 Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler, 178 davon aus Europa, 3 Gästehäuser mit 120 Betten. 33 Deutschkurse vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen, 279 Teilnehmende an den Deutschkursen, 86 Teilnehmende am internationalen Sommerkurs des International Center, davon 30 aus Osteuropa, 23 aus Russland, 21 aus Asien, 4 aus Westeuropa, 3 aus Südamerika, 2 aus Afrika, 2 aus Skandinavien und 1 aus den USA.
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