Bunt ist Beautiful
Die Uni Kiel möchte sich weiter öffnen und internationaler werden. Für CAU-Vizepräsident Thomas Bosch gehört dazu auch, mehr Lehrveranstaltungen auf Englisch abzuhalten.

Prof. Thomas Bosch
Bosch: Internationalisierung ist für unsere Universität immer ein Qualitätsaspekt. Wir empfinden es als unsere Aufgabe, die besten Köpfe für Forschung und Lehre nach Kiel zu bekommen. Und da sich Intelligenz weltweit gleich verteilt, müssen wir diese intelligenten Menschen auch im Ausland ausfindig machen. Dazu bedarf es einer Strategie, eines CAUspezifischen Konzepts.
Und das sieht wie aus?
Wenn wir uns als Gesamtinstitution weiterentwickeln wollen, kann das nicht auf der Beliebigkeit persönlicher Kontakte einzelner Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen beruhen. Konkret heißt das, dass wir uns nach Partnerinnen und Partnern umsehen, die in unseren Forschungsschwerpunkten ähnlich aufgestellt sind wie wir. Das sind: Meeres- und Geowissenschaften, Angewandte Lebenswissenschaften, Nanowissenschaften und Gesellschaft, Umwelt, Kultur im Wandel.

251 Partnerschaften der CAU
Was soll die kreativen Köpfe denn nach Kiel locken?
Die CAU macht bereits jetzt weltweit von sich reden. Im Shanghai-Ranking 2011 konnten wir uns in den Top 200 der weltweit führenden Hochschulen platzieren. Das heißt, im Ausland sind wir sichtbar und mögliche Kooperationspartner treten aktiv mit uns in Kontakt. Immer mehr Humboldt- Stipendiatinnen und -Stipendiaten kommen zu uns. Für Graduierte bieten wir eine exzellente Betreuung. Gerade mit der Integrated School of Ocean Science oder dem Graduiertenzentrum haben wir ausgezeichnete Bedingungen geschaffen, wo der wissenschaftliche Nachwuchs sehr direkt mit Forschungsinhalten, mit interdisziplinärem Arbeiten in einer flachen Hierarchie konfrontiert wird.
Das klingt bereits nach einem erfolgreichen Modell. Warum dann also noch so viel Lärm um Internationalität?
Bei der Werbung ausländischer Studierender ist noch viel Luft nach oben. Das liegt vornehmlich an Sprachbarrieren. In der modernen Wissenschaft ist Englisch aber die Verkehrssprache geworden. Nicht nur in den Naturwissenschaften streben wir deshalb an, dass vermehrt Lehrveranstaltungen auf Englisch gehalten werden. Fachbereiche, die das bereits heute anbieten, sind keineswegs abschreckend, sondern im Gegenteil außerordentlich attraktiv für junge Menschen. Studierende merken sehr wohl, wo der Zugang zu den Kontakten und erfolgreichen Karrierewegen liegt. Das zweisprachige »Aufwachsen« gehört dazu. Dafür ist auch ein zweisprachiger Campus nötig, mit englischen Informationen und Hinweisschildern. Das sind Maßnahmen, mit denen wir teilweise schon begonnen haben.
Wie wirken sich kulturelle Unterschiede auf Forschung und Lehre aus?
Das lässt sich gut an GAME illustrieren, einem bei GEOMAR angesiedelten, internationalen Trainingsprogramm. Hierbei bearbeiten Teams an unterschiedlichen Standorten auf der Nord- und Südhalbkugel zeitgleich dieselbe ökologische Fragestellung. Die Ergebnisse sind jedoch nicht identisch. Für die Wissenschaft ist dieser Umstand generell sehr gut, denn in der Mischung liegt die Wahrheit. Er spiegelt außerdem wider, dass man in unterschiedlichen Kulturkreisen verschiedenen Herangehensweisen und Wertmaßstäben ausgesetzt ist. Wenn dann eine Kommunikationskultur geschaffen wird, in der das aufgearbeitet und aufbereitet wird, kommt man sicherlich tiefer an den Kern eines Problems heran, als wenn es einseitig betrachtet wird. Bunt ist in dieser Hinsicht »beautiful«.
Wo liegen die Grenzen der Internationalisierung?
Sobald Internationalisierung zum Selbst zweck mutiert und die Qualität von Forschung und Lehre nicht mehr verbessert, hat sie ihren Sinn verloren. Ich muss nicht Kontakte mit Gott und der Welt herstellen, nur um sichtbar zu sein. Studierende brauchen eine exzellente Lehre. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen ein exzellentes Umfeld, um ihre Themen möglichst tief zu verstehen. Allein das zählt.
Sind Sie denn als Vizepräsident für Internationales selbst ein Modell für gewinnbringenden kulturellen Austausch?
Ich bin stark beeinflusst von einem langen Forschungsaufenthalt in Japan und einem Betreuer, der mir ein glasklares analytisches und interdisziplinäres Vorgehen vorgelebt hat. Das hatte ich in Deutschland so noch nicht gesehen. Auch die Zeit nach meiner Promotion in Los Angeles hat mich sehr geprägt. Dort hat mich die amerikanische Art mit Vielfalt umzugehen beeindruckt. Ich versuche, diese Unkompliziertheit im Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen im täglichen Leben rüberzubringen. In meiner Arbeitsgruppe habe ich jetzt junge Forschende aus China, Kolumbien, Russland, Japan und den USA. Und die Arbeitssprache ist Englisch. Das schließt auch das technische Personal mit ein. Die Vielfalt macht Spaß und bereichert. Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, ich liebe und lebe Internationalität.
Das Interview führte Denis Schimmelpfennig.

Zahl der auslänsdischen Studierenden von1982 bis 2011
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