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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 70 vom 11.02.2012, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Proben im Gepäck

In einem deutsch-französischen Forschungsprojekt entwickelt Angela Holste eine neue Methode für die Proteinanalytik. Für ihre binationale Promotion pendelt die Chemikerin zwischen Kiel und Pau in Südfrankreich.


Im Kieler Labor werden Proteine einer Probe getrennt auf dieser Metallplatte gespeichert. Zur weiteren Analyse nimmt Angela Holste die Platte mit nach Südfrankreich.

Wenn Angela Holste ins Flugzeug steigt, um zu ihrem Zweit-Arbeitsplatz an der Universität Pau zu fliegen, hat sie immer eine kleine Metallplatte im Gepäck. Diese ist sozusagen die »Speicher­karte« ihrer Kieler Laborarbeit. Im »Laboratoire de Chimie Analytique Bio-Inorganique et Environ­nement« wird die Platte mit einer speziellen Analysetechnologie, der ICP-Massenspektrometrie, weiterbearbeitet. Das französische Institut nutzt diese Technik vor allem für die Umweltanalytik und ist dafür weltweit sehr bekannt. Holste hat auf ihrer Metallplatte Proteine fixiert. Ziel ihrer Doktorarbeit ist, die Analyse von komplexen Proteinmischungen zu verbessern. Dazu kombiniert sie die sich ergänzenden Technologien aus Kiel und Pau.

Um Proteine in einer Probe zu analysieren, braucht es spezielles Knowhow und ausgefeilte Technik. Professor Andreas Tholey vom Exzellenzcluster Entzündungsforschung ist Experte auf diesem Gebiet und hat am Institut für Experimentelle Medizin die Abteilung »Systematische Proteomics und Bioanalytik« aufgebaut. Tholey und sein Team, zu dem auch Angela Holste gehört, entwickeln Methoden und Techniken zur Proteinanalytik weiter und wenden diese auf konkrete Fragestellungen zum Beispiel aus dem Bereich der Entzündungsforschung an.

Für das Verständnis von Vorgängen in der Zelle ist es wichtig, die Proteine zu identifizieren, die in einem bestimmten biologischen Zustand in einer Zelle vorhanden sind. Wenn man weiß, dass in biologischen Proben 100.000 verschiedene Proteine vorkommen, kann man sich vorstellen, wie aufwändig diese Analytik ist. Zumal nicht nur die Art der Proteine von Bedeutung ist, sondern auch deren mengenmäßige Verteilung. Erschwert wird die Analyse zusätzlich durch die variable Struktur. »Ein Protein hat viele Möglichkeiten, chemische Reaktionen einzugehen und verändert damit seine Struktur. Mit der Struktur verändert sich auch die Funktion«, erklärt Tholey. »Wenn wir plötzlich erschrecken und rot werden, sind dieselben Proteine wie vorher vorhanden, die werden innerhalb unseres Körpers nur chemisch modifziert. Unsere Aufgabe ist herauszufinden, wie das Protein unmodifiziert und modifiziert aussieht.«

In kleinen Flaschen wartet das Ausgangsmaterial für Grundlagenforschung, die Proteine, auf einen Einsatz Foto: pur.pur

Dieser Aufgabe widmet sich auch Angela Holste in ihrem Forschungsprojekt, welches unter anderem vom DAAD mit Reisemitteln gefördert wird. Die Chemikerin strebt eine binationale Promotion an, eine so genannte Co-Tutelle; die administrativen Schritte zur Einrichtung dieser binationalen Promotion laufen derzeit an den Universitäten in Kiel und in Pau. Bereits seit einem Jahr pendelt sie zwischen beiden Standorten. In Frankreich besucht sie begleitend zur Laborarbeit eine »ecole doctorale«, eine Graduiertenschule. »Während der Doktorarbeit muss man in den drei Jahren insgesamt sechs Creditpoints (Leistungsnachweise) sammeln, also zwei Vorlesungen besuchen, an zwei Konferenzen teilnehmen und Vorträge halten, Poster beisteuern oder Paper schreiben«, berichtet die Wissenschaftlerin, die übrigens keine Probleme mit der Sprache hatte. Holste: »Im Labor sprechen wir primär englisch, weil hier viele Leute aus anderen Ländern arbeiten. Das hat mir den Einstieg sehr erleichert. Am Anfang gab es auch Sprachkurse. Und wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, ist es kein Problem, relativ schnell Französisch zu lernen.«

Vorteilhaft für die weitere Karriere ist diese Arbeit aber nicht nur der Sprache wegen, davon ist die Wissenschaftlerin überzeugt. »Dieses Labor ist einzigartig in Europa. Das heißt, die Kontakte sind sehr viel wert. Vielleicht bleibe ich auch in Frankreich. Mir gefällt es hier schon sehr gut.« Auch ihr deutscher Doktorvater, Andreas Tholey, sieht die Berufsaussichten seines Schützlings optimistisch: »Sie lernt perfekt Französisch und eröffnet sich damit den französischen Arbeitsmarkt. Das sollte man nicht unterschätzen. In Frankreich gibt es im Chemiebereich viele Möglichkeiten.«
Proteine im Körper
Proteine finden sich in allen Zellen, zum Beispiel als strukturbildene Proteine, als Transportmoleküle oder Signalstoffe. Die Gesamtheit aller zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter definierten Bedingungen vorhandenen Proteine in einer Zelle wird als Proteom bezeichnet. Die Zusammensetzung des Proteoms sowie die Wechselwirkungen der Proteine miteinander in einer Zelle sind fein austariert. Dadurch kann die Zelle sehr effizient auf unterschiedliche biologische Anforderungen und Umweltfaktoren reagieren. Die Feinregulation kann aber gestört sein, als Folge oder Ursache von Krankheiten. Daher ist die Kenntnis der Zusammensetzung von Proteomen ein wichtiger Schlüssel für die Aufklärung molekularer Ursachen vieler Krankheiten. (ne)
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