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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 70 vom 11.02.2012, Seite 4  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Nigerianische Verhältnisse

Mit Methoden aus Europa erforscht Agrarökonom Dr. Kolawole Ogundari Probleme in Afrika. Ein Fall von Humboldt-Stipendiatentum, wie er im Buche steht.


Kolawole Ogundari (36) will sein Wissen als Agrar­ökonom bald wieder in Nigeria einsetzen. Foto: mag

Eine bereichernde Wirkung für die Herkunftsländer der Geförderten wie für die Länder, in denen sie sich als Gäste aufhalten: Das ist im Idealfall der Effekt eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung. Genau so läuft es bei Kolawole Ogundari, der am Lehrstuhl für Ernährungsökonomie (Leitung: Professor Awudu Abdulai) mitarbeitet. Der 36-Jährige, der in seiner Heimat Agrarökonomie studierte und 2010 an der Universität Göttingen seine Promotion abschloss, verfügt unter anderem dank Statiswtiken der Vereinten Nationen sowie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über eine üppige Datenmenge zu den Einkommensverhältnissen und der Ernährungssituation der Haushalte in Nigeria. »Wie man diese Daten auswertet, das habe ich in Deutschland gelernt«, beschreibt er die befruchtende Wechselwirkung seiner Arbeit über zwei Kontinente.

Speziell interessiert sich der afrikanische Forscher dafür, in welcher Weise sich in Nigeria das Haushaltseinkommen auf das Ernährungsverhalten und andere Faktoren wie Bildung oder Gesundheit auswirkt. Obwohl der 150-Millionen-Einwohner-Staat vornehmlich seines Erdöls wegen zu den boomenden Volkswirtschaften in Afrika gehört, tun sich gewaltige Unterschiede zu den Verhältnissen in Deutschland auf. 35 Prozent ihres Budgets – mithin das Dreifache dessen, was vergleichbare Schichten hierzulande aufwenden müssen – geben in Nigeria wohlhabende Familien fürs Essen aus. Bei den armen Familien in Nigeria ist diese Quote mit 60 Prozent fast doppelt so hoch.

Das zeigt sich auch daran, was auf den Tisch kommt. Die Armen müssen sich laut Ogundari überwiegend mit günstigen Lebensmitteln wie dem nach Kartoffel schmeckenden Wurzelgemüse Kassava begnügen. Wo das Geld lockerer sitzt, wird dagegen viel mehr Fleisch gegessen. Die Mengen sind im Vergleich zu Europa immer noch gering, so dass die Reicheren sich nach Einschätzung des Agrarökonomen eindeutig gesünder, weil eiweißreicher ernähren.

Nicht alles hängt bei der Gesundheit jedoch vom Geld ab. So konnte Ogundari nachweisen, dass dort, wo Aufklärungs- und damit Bildungsarbeit geleistet wird, der Anteil an Rauchenden unter den dafür überdurchschnittlich anfälligen Armen erheblich geringer ist als andernorts.

»Sehr, sehr interessant« stellen sich für den Wissenschaftler, dessen anderthalbjähriger Aufenthalt an der Uni Kiel noch bis April dauert, unter diesem Aspekt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern dar. Unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten sind die Ausgaben für Bildung und Gesundheit regelmäßig dann höher, wenn der Haushaltsvorstand eine Frau ist. Das kommt allerdings nur nach Todes- oder Scheidungsfällen vor, ansonsten gilt nach Ogundaris Worten: »Sobald ein Mann im Haus ist, hat er das Sagen.«

»Die Regierung muss die Frauen unterstützen, denn sie werden eingeengt, obwohl sie oft die besseren Ideen haben«,

schlussfolgert der Wissenschaftler, der bald seinen persönlichen Beitrag leisten will, damit sich in seiner Heimat etwas zum Positiven entwickelt. Nach Ablauf seines Humboldt-Stipendiums wird er zurück nach Nigeria fliegen, um sein Wissen an andere weiterzugeben: »Ich muss mithelfen, mein Land zu verändern.«

Martin Geist
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