CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 70Seite 8
unizeit Nr. 70 vom 11.02.2012, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Ein Ja ist kein Ja

»Chinakenner« sind Ausländerinnen und Ausländer, die die chinesische Kultur verstehen und leben. Zwei Expertinnen dieser Art bereiten reisewillige Kieler Studierende auf ihren Aufenthalt im Land des Lächelns vor.


Angelika Messner, Seminar für Orientalistik

Ein Ja ist kein Ja und ein Nein wird nicht geäußert. An solche ungewöhnlichen Lektionen muss man sich in den Seminaren von Petra Stützer erst einmal gewöhnen. Die Sinologin unterrichtet »Interkulturelle Kompetenz China« im Bereich Fachergänzung des Zentrums für Schlüsselqualifikationen (ZfS). »Die Deutschen lieben die direkte Kommunikation«, sagt sie. »Chinesinnen und Chinesen sind dagegen viel vager.« Zirkuläre Kommunikationshaltung nennt das die Wissenschaft. Neben solchen Unterschieden lernen Studierende auch, sich eigenes, kulturgeleitetes Denken und Handeln bewusst zu machen. »Um die Sichtweise des Anderen zu verstehen, fragen wir uns: Was macht mich als Deutschen aus?«, erklärt Stützer. So seien Deutsche eher sachorientiert und erwarteten, dass Aufträge ohne Weiteres ausgeführt werden. In China lege man hingegen Wert darauf, dass zunächst Beziehungen aufgebaut werden.

»Zhongguótong« – Chinakenner

Rollenspiele helfen dabei, sich im chinesischen Alltag angemessen zu verhalten. Stützer geht es vor allem um eine wertfreie Vermittlung des China-Bildes. Allenthalben seien Stereotype noch weit verbreitet. »Die Leute haben entweder sehr positive oder sehr negative Assoziationen mit dem fernen Osten – und das beruht oft auf mangelnden Kennt­nissen«, sagt sie. Das meint auch Dr. Angelika Messner, die Chinesisch-Sprachkurse an der Uni Kiel gibt und über Geschichte und Kultur doziert.

»Vor einhundert Jahren begannen die Chinesinnen und Chinesen akribisch über den Westen zu lernen. Wie wir funktionieren, wissen sie nun. Wir wissen vielleicht zwei Prozent über ihre Lebensweise«, sagt die habilitierte Sinologin. Für sie gelingt der Zugang zur Kultur am besten über die Sprache. »In ihr ist das Denkmuster enthalten. Wer sich länger mit ihr beschäftigt, hat schon sehr viel begriffen.«

Über zwei Semester laufen ihre Vorbereitungskurse für den Auslandsaufenthalt. Aber auch direkt in Hangzhou berät und betreut Messner deutsche Studierende der Zhejiang Universität, wo sie Gastprofessorin ist. Zwar haben sie durch die Vorbereitung an der CAU weniger Probleme in der neuen Umgebung, eine »Bezugsperson, die gewisse Dinge in Bewegung setzt«, können sie dennoch gut gebrauchen. Auf intensive wissenschaftliche Verbindungen und persönliche Freundschaften, die sich bis nach Peking erstrecken, kann Messner dabei bauen. »Ich begreife mich als Vermittlerin«, sagt sie, »schließlich ist China mein zweites Leben.«

Das Interesse an den Sprachkursen und Übungen ist mittlerweile so groß, dass Messner sich beim Chinesischen Bildungsministerium um eine Sprachassistentin bewarb. Mit Erfolg: Seit dem Wintersemester 2011/12 wird sie von Zhang Dan am ZfS unterstützt. Das Angebot konnte so erweitert werden.

Denis Schimmelpfennig

Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZFS), Leibnizstraße 10
www.zfs.uni-kiel.de
Zum Seitenanfang  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung



Zuständig für die Pflege dieser Seite: Pressestelle der Universität   ► presse@uv.uni-kiel.de