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Nr. 71, 07.04.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Technik wie für 007

Nano-Technologie ist ein Schlüsselbereich der Hightech-Strategie des Bundes. Auch an der Technischen Fakultät tüfteln Nano-Designerinnen und -Designer an der Zukunft.


Philipp Metz justiert die optische Messvorrichtung im Laserlabor. Foto: CAU

»Pffffff« macht der Arbeitstisch im Laserlabor, wenn man sich anlehnt, und plötzlich drückt die metallic-schwarze Tischplatte wie von Geisterhand bewegt gegen das eigene Gewicht. Der Tisch ist pneumatisch auf breiten, flexiblen Säulen gelagert und gleicht automatisch jede Störung durch eine Gegenbewegung aus. Denn schon eine Verschiebung der darauf montierten Messapparaturen um einen zehntausendstel Millimeter – also 100 Nanometer – könnte ganze Versuchsserien wertlos machen. Hier arbeitet Philipp Metz. Er ist Doktorand der Arbeitsgruppe »Integrierte Systeme & Photonik« unter Leitung von Professorin Martina Gerken am Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik.

In Philipp Metz’ Promotion geht es um aktive Mikrooptik, das heißt sehr kleine, steuerbare optische Systeme – winzige Konstruktionen, wie sie der Tüftler Q für eine Minikamera in James Bonds Sonnenbrille verwenden könnte. Der 29-jährige Metz nutzt dafür nicht die in der klassischen Optik üblichen starren Linsen aus Glas oder Plastik, sondern flexibles Silikon. Hauchdünn auf Glas aufgebracht und mit einer wenige Nanometer dicken Silberschicht bedampft, lässt sich das Silikon ausdehnen oder komprimieren und verändert dadurch seine optischen Eigenschaften. Im Laserlabor fand der junge Forscher heraus, dass Druck auf das Silikon den Laserstrahlengang zwar kaum verändert, Erhitzen – und damit Ausdehnen des Silikons – allerdings schon. Seine Forschungsergebnisse könnten in Zukunft für einen preiswerteren optischen Zoom in Handykameras oder für medizinische Messlabore im Kitteltaschenformat genutzt werden.

»Ich bin vom Typ her der Bastler«, erklärt der gebürtige Frankfurter auf die Frage, wie er zur Nano-Optik kam. Schon als Grundschüler beeindruckte er seine Verwandten mit einer Kaffeerührmaschine aus dem Lego-Technic- Baukasten. Später, als Werkstudent während des Studiums an der Fachhochschule Darmstadt, richtete er im Auftrag der Firma Wella ein Messlabor für Haarvolumina ein. Auch beim Aufbau des Laserlabors, in dem er jetzt seine Experimente durchführt, hat Philipp Metz seine Betreuerin Gerken tatkräftig unterstützt.

»Das Labor auszustatten auszustatten kostete einiges an Zeit, aber ich habe dabei auch viel gelernt, vom Recherchieren der richtigen Instrumente bis zum Einbau der Geräte«, sagt der Diplom-Optotechniker. Besondere Kompetenzen erlangte er im Umgang mit einer Computersoftware, die den Weg des Lichtes durch unterschiedliche Materialien bereits vor den eigentlichen Experimenten simulieren kann. Er lernte, das Programm auch auf kniffelige Ansätze anzuwenden und mit selbst programmierten Skripten zu erweitern. Als Dank für seine kompetente Unterstützung lud ein Kollege ihn im letzten Jahr sogar zu einem Gastaufenthalt an der University of California Los Angeles ein.

Inzwischen steckt Philipp Metz im Endspurt der Dissertation. Nach der Doktorarbeit möchte er »mal wieder Industrieluft schnuppern«. Als promovierter Nano-Optik-Entwickler muss er sich keine Sorgen um einen Job machen, allerdings sitzen die meisten für ihn interessanten Firmen in Süddeutschland. Dennoch sei Kiel persönlich und fachlich genau die richtige Wahl für die Doktorarbeit gewesen. »Die Atmosphäre auf dem Ostufer-Campus ist sehr offen«, lobt er die Technische Fakultät (TF). »Der Austausch mit den Kollegen der anderen Fachrichtungen bringt mich oft weiter.«

Die seiner Einschätzung nach sehr gute Zusammenarbeit und der Gründergeist an der TF eröffnen Metz möglicherweise auch eine Option für die berufliche Zukunft in Schleswig-Holstein: den Einstieg in eine Firmenausgründung aus der Nano Science der CAU. Nano Science ist ein Forschungsschwerpunkt der CAU, in dem innovative Lösungen für technische und medizinische Herausforderungen mithilfe von Nano-Technologie gefunden werden. Dabei arbeiten Forscherinnen und Forscher aus Materialwissenschaften, Physik, Chemie, Bionik, Elektrotechnik, Informatik und verschiedenen medizinischen Fächern zusammen.

Rückblickend auf die Promotionszeit betont Metz, dass er die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten nicht bereut: »Ohne meine praktischen Erfahrungen würde ich mir beim Berufsstart wahrscheinlich viel weniger zutrauen.«

Stefanie Maack

www.isp.tf.uni-kiel.de
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