Einwurf: UNESCO als Label für Kieler Meeresforschung

Wolf-Christian Dullo. Foto: GEOMAR
unizeit: Wie kommt es, dass Sie einen UNESCO-Lehrstuhl haben?
Dullo: Kurz nach meiner Berufung 1991 ans GEOMAR haben wir uns um die Einrichtung, also das Markenzeichen »UNESCO-Chair«, beworben – und wurden angenommen. Bis heute ist das der einzige UNESCO-Lehrstuhl im Bereich der Meeresgeowissenschaften. Geld ist damit nicht verbunden, aber es vereinfacht die Zusammenarbeit mit anderen Ländern.
Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?
Viele Jahre lang haben wir an dem UNESCO-Programm »Training through Research« (Ausbildung durch Forschung) teilgenommen. Gemeinsam mit Universitäten in den Niederlanden, England, Italien, Spanien und Russland haben wir jedes Jahr ein russisches Forschungsschiff gechartert, auf dem Doktorandinnen und Doktoranden gemeinsam mit leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern forschen konnten. Dabei haben wir wichtige Entdeckungen gemacht, zum Beispiel die Kaltwasserkorallenriffe vor Irland oder die Schlammvulkane im östlichen Mittelmeer. Leider gibt es diese »schwimmende Universität« seit drei Jahren nicht mehr.
Ferner war und ist der UNESCO-Chair zusammen mit mehreren norddeutschen Hochschulen und der Staatlichen Universität St. Petersburg an dem deutsch-russischen Masterstudiengang »POMOR« für Polar- und Meereswissenschaften beteiligt. Deshalb unterrichte ich auch regelmäßig in St. Petersburg.
Wie sehen Sie die Zukunft des UNESCOLehrstuhls?
Ich wünsche mir, dass es weitere Programme wie die »schwimmende Universität« gibt. Außerdem möchte ich den UNESCO-Lehrstuhl gern auf den ganzen Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft« ausweiten, so dass auch Kolleginnen und Kollegen unter diesem Label im Ausland unterrichten können. Zum Beispiel könnten wir so als Gegenleistung für Forschungsgenehmigungen im Ausland Kurse vor Ort anbieten. Das ist eine Chance für Länder, in denen die Meereswissenschaft noch aufgebaut wird – UNESCO steht schließlich für ein faires Geben und Nehmen.
Eva-Maria Karpf
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