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unizeit Nr. 71 vom 07.04.2012, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Wenn das Herz nicht mitspielt

Unerkannte Herzkrankheiten sind für junge Sportlerinnen und Sportler lebens­gefährlich. Wie können sie sich vor dem »plötzlichen Herztod« schützen?


Foto: Digital Stock

Ein Fußballer bricht auf dem Spielfeld zusammen und stirbt wenig später. Die Diagnose: plötzlicher Herz­tod. Immer wieder sorgen solche unerwarteten Todesfälle für Schlagzeilen. Häufig geht es um junge, sportliche Männer, die scheinbar kerngesund und fit waren. Dr. Christoph Langer, Kardiologe und Sport­mediziner in der Klinik für Innere Medizin III (Direktor: Professor Norbert Frey) am UKSH in Kiel und Privatdozent an der CAU, hat dieses Phänomen näher untersucht.

»Um es gleich vorwegzuschicken: Sport ist gesund«,

sagt der Mediziner. »Ursache für den plötzlichen Herztod sind bestimmte unerkannte Herzerkrankungen, die meist erst unter körperlicher Belastung relevant werden.« Risikogruppe sind männliche Leistungssportler unter 35 Jahren. Seltener trifft es Frauen. Nicht nur Leistungssportlerinnen und -sportler, auch Untrainierte können bei Überlastung gefährdet sein. Im Alltag sind diese Erkrankungen nicht wahrnehmbar. Arbeitet der Kreislauf allerdings auf Hochtouren, können sie gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen, die in kürzester Zeit zum Tod führen. »Nach aktuellen Daten kommen auf 100.000 Sportlerinnen und Sportler etwa zwei solcher Fälle.

Andererseits sind Aktive im Leistungssport bis zu 2,5-mal häufiger betroffen als Menschen, die keinen Sport treiben«, erläutert Langer. Auch wenn der medizinische Fachbegriff »plötzlicher Herztod« es nicht vermuten lässt: Betroffene können überleben, wenn sofort geholfen wird. »Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt daher, Defibrillatoren in Sportarenen bereitzustellen – auch direkt am Spielfeld.«

Unterschiedliche Erkrankungen können zum plötzlichen Herztod führen. So spricht man von hypertropher Kardiomyopathie, wenn die Herzwände im Verhältnis zur Herzhöhle zu dick sind und auch unter dem Mikroskop typische Veränderungen aufweisen. Hypertrophieforschung ist ein wissenschaftlicher Schwerpunkt in der Kieler Kardiologie. Bei einer anderen Erkrankung, der Myokarditis, liegt eine Entzündung des Herzmuskels vor, was häufig mit einer eingeschränkten Pumpfunktion einhergeht. Ursache kann zum Beispiel ein verschleppter Infekt sein. Weiterhin kann die Blutversorgung des Herzens kritisch gestört sein, wenn seine Kranzgefäße ungewöhnlicherweise zwischen Körper- und Lungenschlagader verlaufen.

»Alle diese Erkrankungen und Anomalien sind, besonders in ihren milden Formen, schwer zu erkennen«, erklärt Langer. »Leitlinien empfehlen daher ein "Sportler-Screening", in dem nach entsprechenden Anzeichen gefahndet wird.« Dabei wird noch vor der körperlichen Untersuchung (Herz-Kreislauf etc.) erfragt, ob es Fälle von plötzlichem Herztod in der Familie gegeben hat, ob Nahrungsergänzungsstoffe oder gar Dopingmittel eingenommen werden. »Darüber hinaus fordern wir in Europa für Wettkampfsportler ein Zwölfkanal-EKG«, so Langer. »Das Elektrokardiogramm kann wichtige Hinweise auf Erkrankungen geben, die dann zum Beispiel mit Ultraschall- oder Magnetresonanztomografie des Herzens weiter abgeklärt werden sollten.« Langzeitstudien in Italien haben gezeigt, dass ein EKG und die daraus gezogenen Konsequenzen die Fälle von plötzlichem Herztod im Leis tungssport signifikant reduziert.

Christoph Langer rät jedem Sportfan, seine Gesundheit ernst zu nehmen. Falls eine relevante Herzerkrankung festgestellt wird, liegt es in ärztlicher Hand, wie es weitergehen soll. Sport nicht mehr leistungsorientiert treiben zu dürfen, kann für Betroffene von sozialer oder wirtschaftlicher Bedeutung sein. Aber ist es besser, beim Marathon plötzlich umzukippen?

Eva-Maria Karpf
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