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Nr. 72, 26.05.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Weniger ins Meer

Mit der Düngung gelangen Stickstoff und Phosphor nicht nur auf die Felder, sondern auch in Flüsse, Seen und Meere. Eine Broschüre informiert über praxis­taugliche Maßnahmen, um diese Umweltbelastung zu reduzieren.


Braune Brühe fließt aus Rohren zur Entwässerung der Felder. Algen gedeihen prächtig in diesem nährstoffreichen Abfluss, dessen Inhalt nahezu ungefiltert in Oberflächengewässer gelangt.

Die in der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebene gute Gewässerqualität wird in Schleswig-Holstein vielerorts nicht erreicht. Nach wie vor belasten vor allem Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft den Zustand von Flüssen, Seen und Meeren. Alles, was zu viel an Dünger auf die Felder kommt, also nicht von den Pflanzen aufgenommen wird, bleibt im Boden und kann anschließend ins Grund- oder Oberflächenwasser übergehen.

Wie hoch dieser Anteil ist, hängt wesentlich von der Bodenbeschaffenheit ab. Besonders viel des überschüssigen Düngers gelangt in dränierten Flächen in die Gewässer. Dräniert heißt, dass der Wasserabfluss durch Gräben oder unterirdische Rohre gefördert wird. Während in einer größeren Bodenschicht Nährstoffe hängenbleiben können oder im Fall von Nitrat zu unschädlichem gasförmigem Stickstoff umgebaut werden, ist dieser Bodenfilter in dränierten Flächen praktisch nicht vorhanden. »Dadurch gibt es dort viel mehr Austräge«, erklärt Dr. Bettina Holsten vom Institut für Ökosystemforschung. Im Sinne des Gewässerschutzes sollte daher auf diese Flächen ein besonderer Fokus gelegt werden.

Mit welchen Maßnahmen unter welchen Bedingungen die Nährstoffausträge reduziert werden können, hat die Kieler Biologin in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt analysiert und in einem praxistauglichen Leitfaden aufgearbeitet. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

»Viele von den hier aufgeführten Maßnahmen sind bekannt. Zum Beispiel, dass man bei rechtzeitiger Aussaat von Raps und Wintergetreide nicht im Herbst, sondern erst im Frühjahr düngen soll. Dann hat man nicht noch mehrere Monate, in denen der Regen alles auswaschen kann.« Doch den meisten landwirtschaftlichen Betrieben sei nicht bewusst, wie groß das eigene Risiko für Nährstoffausträge ist. Denn je nach Wirschaftsweise oder Standort ist das Risiko unterschiedlich. »Wenn zum Beispiel der Betrieb in der Marsch liegt, ist der Stickstoff austrag geringer, im Hügelland ist er höher, einfach weil die Böden andere sind«, erklärt Holsten.

Wie der eigene Betrieb einzuschätzen ist, können Landwirte und Landwirtinnen anhand der Broschüre ermitteln. Wer den interaktiven Fragebogen auf der Internetseite von isip (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion der Landwirtschaftskammern in Deutschland) aus füllt, wird direkt auf Maß nah men verwiesen, die sich für den eigenen Betrieb lohnen. Die Auswahl richtet sich zum Beispiel danach, wie viel man düngt, welche Art von Dünger man verwendet, welchen Überschuss man produziert, zu welcher Zeit man düngt und wann man den Boden bearbeitet.

Aber auch die Lage des Betriebs ist von Bedeutung. Holsten: »Wenn man zum Beispiel Flächen hat, die sehr gewässernah sind, wird empfohlen, einen Schonstreifen anzulegen.« Auf diesem etwa zehn Meter breiten Grasstreifen zwischen Acker und angrenzendem Gewässer darf nicht gedüngt werden. In der Broschüre sind 26 landwirtschaftliche Maßnahmen aufgeführt sowie zusätzlich zehn weitere Maßnahmen, die zum Beispiel Wasser- und Bodenverbände umsetzen können. Hierzu zählt etwa das Anlegen von Dränteichen, die nährstoffbelastetes Wasser in Senken auffangen. Die einzelnen Maßnahmen sind so aufbereitet, dass auf einen Blick ersichtlich wird, was man damit an Nährstoffaustrag sparen kann, wann sie sinnvoll sind und wann nicht oder mit welchen Zusatzkosten zu rechnen ist. Kerstin Nees

Broschürenbestellung:
Sekretariat des Institutes für Ökosystemforschung
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Olshausenstr. 75, D-24118 Kiel

Broschüre und interaktive Risikoabschätzung zum Download:
www.naehrstoffaustrag.isip.info
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