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Nr. 72, 26.05.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Splitter: Die letzte Konsequenz

Die »unizeit« rettet Leben – allein durch Worte! Denn sie macht in ihren Texten konsequent darauf aufmerksam, dass es neben ihren männlichen Pendants auch Wissenschaftlerinnen, Mitarbeiterinnen und Leserinnen gibt. Geschlechtergerechte Sprache also.

Die Österreicherinnen und Österreicher sind da anders: Nach langem Ringen ehren sie nun neben den großen Söhnen zwar auch die großen Töchter des Landes in ihrer Nationalhymne. Auf die Änderung des Wortes »Vaterland« in »Heimatland« wollten sie sich dann aber doch nicht verständigen. Auch wenn die Deutschen da nicht besser sind – nur die Hälfte zu ändern, ist inkonsequent.

Genauso gibt es vielerorts Stimmen, die Nennung beider Geschlechter in Texten gehe auf Kosten der Lesbarkeit, zu viel Platz nehme das ein und das koste Geld. Konsequent wäre also beim Benutzen des generischen Maskulinums und somit beim Entfernen der Frauen aus dem Bewusstsein der Lesenden, eben diese auch aus der Gesellschaft zu entfernen. Die nehmen ja auch einen gewissen Raum ein und kosten die Arbeitgebenden vor allem auch Geld. Wie praktisch. Doch was fängt man(n) mit dem freigewordenen Platz an? Fortpflanzung fällt da schon mal weg. Das hieße dann, dass wir zwar das Atomzeitalter und Computerviren überlebt haben, unsere Spezies aber mit ungerechter Sprache ausgerottet hätten. Peinlich. Tatsächlich gingen wir dann als Einzeller in die Geschichte ein, die sich durch Zellteilung reproduzierten. Das zumindest würden Finderinnen und Finder der Überreste unserer Zivilisation vermuten. Schließ­lich gäbe es keine Aufzeichnungen, die die prähistorische Präsenz von Menschinnen bewiesen.

Die Nennung beider Geschlechter kann dabei durchaus Vorteile für Vertreter des Patriarchats haben: Die großen Katastrophen der Menschheitsgeschichte würden nicht mehr nur mit XY-Chromosomierten assoziiert. Plötzlich tauchen da Hitlers Helferinnen auf, beim Musikantinnenstadl käme niemand sofort auf den Gedanken, dass der Moderator männlichen Geschlechts ist.

Geschlechtersensible Sprache sichert somit das Fortbestehen der Menschheit und ist sogar gerechter für Männer. Unsere Professorinnen, Studentinnen und Mitarbeiterinnen dürfen also bleiben. Das sorgt jetzt sicher für erleichtertes Aufatmen in den Laboren und Hörsälen. Vielleicht streben wir dann auch bald »geschwisterlich« nach Einigkeit und Recht und Freiheit.

Denis Schimmelpfennig
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