Rubens oder nicht Rubens?
Im Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung werden auch Kunstwerke auf ihre Echtheit untersucht. Die naturwissenschaftliche Analyse ersetzt jedoch nicht den Kennerblick der Kunstgeschichte.

Links: Ausschnitt des im Leibniz-Labor untersuchten Gemäldes »Kybelefest«, signiert »P.P.R.« (in Privatbesitz). Der Vergleich mit dem entsprechenden Ausschnitt des Gemäldes »Venusfest« von Rubens (rechts) aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien zeigt, wie sehr sich die Bilder ähneln. Die Farbunterschiede sind durch die unterschiedliche Fotoqualität der Aufnahmen bedingt. Die deutlich helleren, gelblichen Farben im rechten Bild sind eher untypisch für Rubens. Foto: Gerrit Schulz-Bennewitz
Professor Klaus Gereon Beuckers vom Kunsthistorischen Institut erklärt, wo die besonderen Schwierigkeiten bei diesem Maler liegen. »Im 17. Jahrhundert war die Malerei weitgehend handwerklich organisiert, und Rubens hatte eine sehr große Werkstatt«, sagt Beuckers. »Die Käufer konnten bei der Bestellung festlegen, welchen Anteil der Meister selbst malen sollte – entsprechend teurer wurde das Gemälde.« Schon zu Lebzeiten war Rubens so berühmt, dass viele ihn nachahmten, von späteren Kopien und Fälschungen ganz zu schweigen.
Das Leibniz-Labor sollte daher klären, aus welcher Zeit die Materialien des Gemäldes stammen. »Dafür haben wir von der Rückseite an drei verschiedenen Stellen Leinwandproben entnommen«, erklärt Hüls. »Leinen und Flachs sind kurzlebige pflanzliche Stoffe, bei ihnen kann man das Alter recht gut eingrenzen.« Mit der C14-Methode ließ sich ermitteln, dass der Flachs für die Leinwand in den Jahren 1528 bis 1651 gewachsen sein muss. »Das schließt nicht aus, dass das Gemälde in Rubens’ Zeit begonnen wurde«, sagt Matthias Hüls. »Ob er es wirklich gemalt hat, das können wir allein mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht klären.«
Hier greifen die Methoden der Kunstgeschichte. Sie beruhen vor allem auf dem Vergleich von Kunstwerken. »Man vergleicht dabei die einzelnen Formen innerhalb eines Bildes, zum Beispiel wie Hände oder Gesichter gemalt sind, welche Farben verwendet und wie sie aufgetragen wurden«, erklärt Klaus Gereon Beuckers. »Genauso wichtig ist aber auch die Gesamtkomposition eines Gemäldes.« Gerade bei Rubens stehen Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker dabei vor einer schwierigen Aufgabe. »Rubens hat ein sehr großes Werk hinterlassen«, sagt Beuckers. »Er war zu seiner Zeit hochangesehen, viele wollten ein Bild von ihm haben, sogar seine Skizzen wurden gehandelt.« Hinzu kommt, dass der Meister bewusst immer wieder unterschiedliche Ausdrucksformen und Stile benutzte.
Um zu klären, ob ein Werk von Rubens selbst, aus seiner Werkstatt oder von einem Nachahmenden stammt, brauche man daher ein immenses Bildgedächtnis, sagt Beuckers: »Man muss nicht nur das Gesamtwerk von Rubens kennen, sondern auch die Gemälde seiner Zeitgenossen und Vorbilder.« Auf die Hilfe der Naturwissenschaften möchte Beuckers dabei nicht verzichten. »Man kann zum Beispiel auch Pigmente und Bindemittel analysieren oder im UV-Licht Vorzeichnungen sichtbar machen«, sagt der Kunsthistoriker. »Das ergibt ein Detailwissen, mit dem man manches von vornherein ausschließen kann.«
Auch das Gemälde, das Matthias Hüls untersucht hat, wurde außer von ihm von weiteren Fachleuten aus Kunst- und Naturwissenschaften untersucht. Hüls: »Es ist schon faszinierend, sich vorzustellen, dass hier ein echter Rubens an der Wand stand!«
Eva-Maria Karpf
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