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Nr. 72, 26.05.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Keine Angst, ich bin Ärztin

Im Kieler Teddybärkrankenhaus lernen Kinder spielerisch medizinische Behandlungen kennen.


Foto: Digital Stock

Der Teddy-Doc beugt sich über mich und tastet meine Tatze ab. Ihr weißer Kittel, die Spritzen und der Krankenhausgeruch machen mir Angst. Der Teddy-Doc streichelt meine Plüschohren, das beruhigt mich ein bisschen.

»Vielleicht ist die auch nur geprellt und nicht gebrochen«, sagt Julia Otto zu dem fünfjährigen Felix, der sich um seinen Teddy sorgt. Julia studiert im sechsten Semester Medizin. Sie ist eine von etwa 80 Kieler Medizinstudierenden, die sich als sogenannte Teddy-Docs vom 21. bis 23. Mai in vier Zelten auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel um den gesundheitlichen Zustand der Kuscheltiere kümmerten.

Dabei steht nicht in erster Linie das Wohlbefinden der Teddys, Igel, Puppen und Co. im Vordergrund: »Wir wollen Kindern zeigen, wie es in der Arztpraxis und in Krankenhäusern abläuft. Das soll ihnen die Angst vor Untersuchungen nehmen«, erklärt Julia Otto, die gemeinsam mit Luise Schäfer, Lisanne Mattuschka, Marcus Kruppa und Patricia Neugebauer das Projekt koordiniert. Dabei dürfen die besorgten Teddy-Eltern sogar bei der Behandlung helfen.

Die Medizinstudierenden nehmen ihre Aufgabe ernst: »Jeder Teddy-Doc muss einen Vor­bereitungskurs absolvieren. Einige der freiwilligen Helferinnen und Helfer waren im Herbst sogar in Berlin auf einem Teddybärkrankenhaus- Kongress. Dort stellten Studierende verschiedener Universitäten ihre Konzepte vor.«

Bevor Teddy-Doc Julia mein Leiden diagnostiziert hat, war ich bereits mit Felix im Wartebereich. Helferinnen haben mich gewogen, gemessen und meine Fellfarbe bestimmt und die Werte in meinen Anamnese-Bogen geschrieben. »Darin steht die Krankheitsgeschichte deines Teddys«, erklärt Julia. Die Behandlung beginnt mit einem Basis- Check: Felix hört meinen Herzschlag ab und leuchtet in Mund, Augen und Nase. Dann geht es weiter zum Röntgengerät, einem großen roten Karton mit einem Sichtfenster. Darin wird meine Tatze durchleuchtet.

»Das verheilt schnell wieder, es handelt sich nur um eine Prellung«, erklärt Julia uns. Felix verbindet meine Tatze und gibt mir eine Spritze gegen die Schmerzen. Währenddessen stellt Julia uns ein Rezept aus, das wir im Apothekenzelt nebenan einlösen sollen.

Überraschend werden wir Augenzeugen eines Notfalls: Ein bereits ausgewachsener Teddybär wird mit Krankenwagen und Sirenengeheul in das OP-Zelt eingeliefert. Felix darf bei der Operation assistieren, deshalb trägt er Mundschutz und Kittel. Dann wird der Reißverschluss auf dem Bauch des anatomischen Teddybären Paul-Jobst geöffnet: Zu sehen sind alle Organe, die auch ein Mensch in seinem Bauch hat. Ein Bein lässt sich aufklappen, so dass Knochen und Muskeln zu sehen sind.

Um Paul-Jobst kümmern sich die anderen Teddy-Docs, und auch Julia verlässt unsere kleine Gruppe: Sie muss jetzt weiter arbeiten, ein Delfin hat sich die Schwanzflosse gebrochen. Felix und ich lösen unser Rezept in der Apotheke ein, ein Malbuch. Das kleine Geschenk lenkt von den Schmerzen ab. Die »Arzneimittel«, zu denen neben den Malbüchern auch Bälle, Luftballons und Stifte gehören, werden gespendet. Wir erkunden noch kurz den Krankenwagen, den der Arbeiter-Samariter-Bund stellt. Dann gehen wir nach Hause. Schließlich soll ich meine Tatze noch schonen, hat der Teddy-Doc gesagt. »Vielleicht bis nächsten Frühling«, hat Julia zum Abschied zu Felix gesagt. »Dann hoffentlich mit einem anderen Kuscheltier«, denke ich.

Nele Rößler

Das Teddybärkrankenhaus ist eine Aktion der Bundesvertretung der deutschen Medizin­studierenden. Weitere Infos unter: www.fs-medizin.uni-kiel.de/arbeitsgruppen/tbk
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