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Nr. 72, 26.05.2012  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Frauenbilder

Schönes Geschlecht – starkes Geschlecht. Dieser Mann-Frau-Gegensatz mag altbacken daherkommen, wirkt aber offenbar immer noch in vielen Köpfen.


Typisch männlich, typisch weiblich: Jana Leugers, ehemalige Holstein Kiel-Fußballerin, posierte für eine Kieler Studie. Foto: Stefanie Straubel

Wer bei Google das Stichwort Frauenfußball eingibt, findet in der Bilder-Rubrik ganz oben ein Foto mit Kickerinnen in durchsichtigen Trikots. Zufall ist das nicht, denn vorn auf den Listen der Suchmaschinen landet meist, was am häufigsten geklickt wird. Sportwissenschaftler Professor Andreas Wilhelm und seine Studentin Stefanie Straubel gingen dem Thema auf den Grund und untersuchten, wie verschiedenartige fotografische Darstellungen von Sportlerinnen bei denen ankommen, die sie betrachten.

346 Frauen und Männer zwischen 18 und 70 Jahren wurden in dieser von Stefanie Straubel als Magisterarbeit angefertigten angefertigten Untersuchung mit Bildern von ein und derselben Fußballerin konfrontiert. Es handelt sich um Jana Leugers, die bis zu ihrem Karriereende im vergangenen Jahr für Holstein Kiel in der Zweiten Bundesliga gegen das Leder trat. Zwei Abbildungen zeigten sie in als typisch männlich geltenden Posen, die beiden anderen in eher weiblichen. Tatsächlich zeigte sich, dass diese unterschiedlichen Darstellungen auch unterschiedliche Bewertungen nach sich ziehen. Die Probandinnen und Probanden, die jeweils nur ein Motiv zu sehen bekamen, trauten Jana Leugers mehr Talent zu, wenn sie typisch männlich jubelte oder rannte. Auch erwecken männliche Posen verstärkt den Eindruck, dass die gezeigte Person quasi wie ein echter Kerl selbstsicher ist und gut mit Druck umgehen kann. Andererseits ruft besonders die Siegerinnenpose oft die Zuschreibung negativer männlicher Eigenschaften wie Überheblichkeit und Egoismus hervor. Interessant dabei: Wer Frauen tendenziell lieber mit ihren Kleinen auf dem Kinderspielplatz als auf dem Fußballplatz sieht und auch sonst tradierten Rollenbildern anhängt, hebt diese negativen männlichen Eigenschaften besonders hervor. Und das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen.

Umgekehrt wird die Sportlerin in der typisch weiblichen Darstellung verstärkt mit positiven Eigenschaften ihres Geschlechts in Verbindung gebracht. Wenn sie eine Medaille küsst oder im Porträt gezeigt wird, gilt sie als sanft, verständnisvoll und hilfsbereit, aber auch als eher weinerlich, nervös und unterwürfig.

Etwas überrascht war Stefanie Straubel darüber, dass Männer und Frauen die Fotos oft ganz ähnlich bewerteten und dass in Sachen Sexismus bei Frauen und Männern kein Unterschied nachzuweisen ist. Differenzen traten dennoch zutage. So bewerten Frauen das Talent der Sportlerin unabhängig von der Darstellung generell höher als Männer. Männer hingegen fühlen sich eher angeregt, einen dazugehörigen Zeitungsartikel zu lesen, wenn die Fußballerin jubelnd oder mit Medaille gezeigt wird.

Dass Sportlerinnen in den Medien tatsächlich auffallend häufig als anmutige Wesen präsentiert werden, dürfte mit einer Erkenntnis zu tun haben, bei der sich die Geschlechter kaum unterscheiden: Männer ebenso wie Frauen empfinden ein Bild als ansprechender, wenn die Sportlerin typisch weiblich erscheint.

Martin Geist
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