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Nr. 73, 13.07.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Pädagogischer Dreiklang

Drei Säulen und ein Ziel. Auf diese Formel lässt sich die Ausbildung von Lehrkräften am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) bringen.


Die Tafel vollschreiben genügt nicht. Guter Unterricht braucht umfassende theoretische und fachliche Grundlagen. Foto: Jürgen Haacks

»Guter Unterricht ist keine Glaubenssache«, weiß der geschäftsführende IPN-Direktor Professor Olaf Köller. Diese Worte kommen aus berufenem Munde, denn ebenso wie zahlreiche seiner Kolleginnen und Kollegen ist Köller einerseits Hochschullehrer und andererseits Bildungs­forscher. Wenn es am IPN also darum geht, wie in Mathematik und den Naturwissenschaften am besten Wissen vermittelt werden kann, haben es die Studierenden regelmäßig mit einer Experten­schaft zu tun, die das, was sie zum Thema macht, selbst herausgefunden hat. »Das wirkt viel profunder als angelesene Erkenntnisse und gewährleistet außerdem, dass die Studierenden immer auf dem neuesten Stand sind«, meint Köller.

Vom »Kieler Modell« bei der Ausbildung von Gymnasial-Lehrkräften spricht der Direktor nicht nur aus diesem Grund. Wesentlich ist für ihn, dass das Konzept auf drei gleichberechtigten Säulen fußt: der Fachwissenschaft, der Didaktik und dem pädagogisch-psychologischen Rüstzeug.

»Das eine gegen das andere auszuspielen, wäre nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich«, betont der Erziehungswissenschaftler und untermauert das mit vielfach belegten Ergebnissen der Bildungsforschung. Unterricht bringt demnach in aller Regel dann Spaß und nachhaltige Erkenntnis, wenn jemand mit profundem Wissen über die zu vermittelnde Disziplin am Pult steht. Fehlt es am fachlichen Rüstzeug, so ist ein versierter Didaktiker mit noch so ausgefeilten Unterrichtsformen und -materialien wahrscheinlich ebenso begrenzt erfolgreich wie seine Kollegin, die dank optimaler pädagogisch-psychologischer Ausbildung souverän mit Störenfrieden und Hochbegabten umgehen kann.

Gleichwohl sind gerade in Mathematik und den Naturwissenschaften Fertigkeiten jenseits von Zahlen und Denkaufgaben von hoher Bedeutung. Wer diese Fächer lehrt, verfügt oft über eine entsprechende Begabung und kann sich möglicherweise nur unzureichend ins Denken derer hineinversetzen, die zwar nicht weniger intelligent sind, aber eine andere Herangehensweise haben. »Diagnostische Kompetenz ist ganz wichtig«, sagt Professor Köller.

»Lehrkräfte müssen erkennen, wo ihre Schüler stehen und an welchem Punkt sie Verständnisprobleme haben.«

Wie das herausgefunden werden kann und im zweiten Schritt Fehler sogar als didaktische Instrumente zu nutzen sind, lernen die Studierenden am IPN in Vorlesungen, Übungen und Seminaren. Auch dazu gehören Tests zur Feststellung von Hochbegabung und – mit zunehmender Bedeutung – die Diagnose von »abweichendem Verhalten« oder Lernstörungen.

Als »großen Vorteil des Standorts Kiel« wertet der IPN-Direktor die enge Verbindung zwischen fachwissenschaftlicher Forschung und Lehramtsstudium. Die Studierenden nutzen regelmäßig die Labore des Instituts und sammeln damit wertvolle Erfahrungen, um später in der Schule Versuche vorzunehmen, die ebenso spannend wie lehrreich sind.

Das IPN, das intensiv mit den Instituten für Pädagogik und Psychologie zusammenarbeitet, sieht dennoch in einzelnen Bereichen der Ausbildung Reformbedarf. Neu angeboten wird ab dem kommenden Wintersemester deshalb ein Einstiegsmodul, in dem die Studierenden gleich am Anfang einen Überblick über das wichtigste pädagogische Handwerkszeug erhalten. Dass für die Praxis wichtige Lehrangebote zu Themenbereichen wie Lernen und Motivation, pädagogische Diagnostik oder Grundzüge des Bildungssystems im Wahlpflichtbereich aufgeführt sind, stellt teils ebenfalls ein Problem dar. Zwar besucht der Pädagogennachwuchs in der großen Mehrheit die entsprechenden Seminare, doch wer es darauf anlegt, kommt auch weitgehend ohne aus. Um dem entgegenzuwirken, planen IPN und Universität, mehr verpflichtende Elemente einzuführen.

Gleichwohl dürfen aus Sicht von Olaf Köller die Ansprüche ans universitäre Lehramtsstudium nicht überstrapaziert werden. Trotz aller Praktika und alltagsnaher Lehrinhalte sei nach wie vor das abschließende Referendariat dazu da, dem Nachwuchs den erforderlichen Schliff für die erfolgreiche Arbeit im Klassenzimmer zu geben.

Martin Geist
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