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Nr. 73, 13.07.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Tradition von Brot und Wein

Eucharistie, Abendmahl oder Herrenmahl, heilige Kommunion, Brotbrechen oder göttliche Liturgie – das gemeinsame rituelle Mahl im Gottesdienst christlicher Kirchen hat viele Namen. Unterschiedlich ist auch, was genau damit in der jeweiligen Kirche gemeint ist und wer teil­nehmen darf. Mit Ursprung und Hintergrund dieser Feier beschäftigt sich vom 6. bis 10. August ein internationales Symposium an der CAU, an dem Fachleute aus verschiedenen Disziplinen teilnehmen.

Vertreten sind nicht nur die Theologie und die Religionswissenschaften, sondern auch die Altertums- und Kulturwissenschaften, die Archäologie und die Kunstgeschichte. Die von der Volkswagenstiftung geförderte Veranstaltung des Instituts für Neutestamentliche Wissenschaft und Judaistik steht unter der Leitung der Kieler Theologieprofessoren Dieter Sänger und Enno Edzard Popkes. Über 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, den USA und Australien sind beteiligt.

Gemeinschaftliche Mähler sind aus den unterschiedlichen Kulturen der Antike nicht wegzudenken. Man verspeiste gemeinsam das Fleisch von Opfertieren oder lag mit Freunden oder Geschäftspartnern zu Tische. Juden versammelten sich zu religiösen Mahlzeiten in der Synagoge. Speisen und Ablauf des Pessach-Mahls riefen die Geschichte des Exodus aus Ägypten in Erinnerung. Mahlgemeinschaften stellten so beides her: Gemeinschaft nach innen und Abgrenzung einer Gruppe nach außen. In diesem Kontext wird bei dem Kieler Symposium das Herrenmahl der frühen Christen analysiert.

Dabei gibt es zahlreiche offene Forschungsfragen. Umstritten ist etwa, ob es von Beginn an mehrere Typen von Mahlfeiern im Christentum gegeben hat. Aus den von Apostel Paulus gegründeten Gemeinden ist bekannt, dass Essen und Trinken Anlass von Diskussionen war: Durfte ein Christ das – vielfach einzig erschwingliche – Fleisch von Opfertieren der heidnischen Kulte essen? Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, inwieweit die frühen Gemeinden sich bei ihren Mählern an die Vorbilder ihrer Umwelt anlehnten.

Die Veranstaltung im neuen Hörsaalgebäude, Leibnizstraße 1, ist öffentlich. (ne)

► www.uni-kiel.de/herrenmahl
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