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Nr. 73, 13.07.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Neuen Medikamenten auf der Spur

Zur Bekämpfung der Tuberkulose werden dringend neue Wirkstoffe benötigt. Die Arbeitsgruppe des Kieler Professors Stefan Ehlers nutzt dafür eine neu entwickelte Teststation.


Tuberkulose-Granulom (knotenartige Gewebeneubildung) unterm Mikroskop. Rot angefärbt sind die Mykobakterien, die von Fresszellen (Makrophagen) aufgenommen wurden Foto: CAU

Weltweit erkranken jährlich etwa neun Millionen Menschen an Tuberkulose, für 1,4 Millionen endet sie tödlich. In Deutschland kommt die bakterielle Infektionskrankheit ver glichen mit Ländern wie Indien oder Südafrika vergleichsweise selten vor. 2010 erkrankten 4330 Deutsche, 136 starben daran. Die Betroffenen sind schwer krank, eine Therapie ist langwierig und schwierig. Erkrankte müssen min­destens sechs Monate mit einer Kombination aus zunächst vier und später zwei speziellen Antibiotika behandelt werden.

Ein zunehmendes Problem bei der Bekämpfung der Tuberkulose sind Resistenzen gegen Antibiotika. Diese können entstehen, wenn Erkrankte die Therapie vorzeitig abbrechen oder nicht alle Antibiotika nehmen. Stefan Ehlers, Professor für Molekulare Entzündungsmedizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Leiter des Bereichs »Mikrobielle Entzündungsmedizin« am Forschungszentrum Borstel, will diese resis­tenten Erreger bekämpfen, denn sie erschweren die Behandlung erheblich. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe hat Ehlers eine Teststation entwickelt, mit der sie neue Wirkstoffe erproben können. »Wir haben das Mausmodell so optimiert, dass es der Realität der Erkrankung im Menschen möglichst nahe kommt«, sagt der Wissenschaftler.

Der Erreger der Tuberkulose, Mycobakterium tuberculosis, Aufnahme mit dem Rasterelektronenmikroskop.
Foto: DocCheck Pictures, Georg Graf von Westphalen

Im November 2009 erhielt Ehlers, der auch Mitglied im Exzellenzcluster Entzündungsforschung ist, den ersten Hamburger Wissenschaftspreis. Das Preis­geld von 100.000 Euro benutzte er für die Etablierung der Antibiotika-Teststation. Diese arbeitet mit gen­technisch veränderten Tuberkulosebakterien. Das Besondere an diesen Erregern: Bei Anregung mit Licht einer ganz bestimmten Wellenlänge leuchten sie. Wenn sich die Bakterien in den Lungen infizierter Mäuse angereichert haben, können sie mit einem Messgerät beobachtet werden. Da, wo es leuchtet, sind lebende Erreger. Ob die Behandlung mit einem zu testenden Antibiotikum anschlägt, lässt sich nach der Behandlung der Tiere so leichter überprüfen. Wenn das Leuchtsignal in der Lunge der Mäuse schwächer wird, hat die Testsubstanz gegen die Bakterien gewirkt.

»Die gute Nachricht ist: Das System funktioniert. Wir können die Tuberkulosebakterien in der Lunge der kranken Maus im Verlauf beobachten«, erklärt Ehlers, der seine Arbeiten gemeinsam mit Professor Ulrich Schaib le, Direktor am Forschungszentrum Borstel, durchführt. Ein Problem sei allerdings nach wie vor zu beheben: »Die Bakterien leuchten zwar, sind aber erst gut zu sehen, wenn die Keimzahl sehr hoch ist.« Für die praktische Anwendung müsse die Methode deshalb noch verfeinert werden. In einem weiteren Schritt wollen die Forscherinnen und Forscher verschiedene Substanzen auf ihre Wirkung gegen multiresistente Erreger testen. Dafür arbeiten sie eng mit dem Helmholtz- Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig zusammen, das über eine große Bibliothek von Naturstoffen verfügt.

In ersten Versuchen im Reagenzglas hemmen einige dieser Substanzen das Wachstum von Tuberkuloseerregern. »Es handelt sich dabei um neue Wirkmechanismen, die jetzt weiter aufgeklärt werden müssen«, so Ehlers.

Gerade gab das Bundesministerium für Bildung und Forschung bekannt, dass die Finanzierung des Projektes für die nächsten zwei Jahre gesichert ist. Die von Professor Ehlers koordinierte Tuberkuloseforschung erhält damit zirka zwei Millionen Euro. Die Suche nach einem Wirkstoff gegen multiresistente Erreger der Tuberkulose kann also weitergehen!

Ann-Kathrin Wenke
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