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Nr. 73, 13.07.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Geheimnisse an der Oberfläche

Humboldt-Stipendiat Dr. Yaw-Chia Yang braucht für seine Arbeit viel Neugier. Und noch mehr Geduld.


Yaw-Chia Yang setzt eine Probe ein, um sie mikroskopisch zu scannen. Foto: mag

Wie Dr. Yang von seiner Heimat Taiwan nach Kiel kam, beweist einmal mehr: Die Welt der Wissenschaft ist ein Dorf. Aufmerksam auf das für ihn bis dahin völlig fremde Deutschland wurde der Chemiker durch Veröffentlichungen des Kieler Phy­sikers Professor Olaf Magnussen, der wie er selbst Moleküle auf Metallen in Flüssigkeiten erforscht. Frisch promoviert sagte sich Yang: »Da könnte ich etwas dazulernen.«

Also wandte er sich an Magnussen, der seinerseits beein­druckt auf die quantitativ wie qualitativ beachtliche Publika­tionsliste des Nachwuchsforschers reagierte und ihn im Dezem­ber 2009 ins Physikzentrum der Uni Kiel lotste. Zunächst geschah das noch ohne Humboldt-Stipendium, son­dern finanziert durch ein Projekt der Deutschen Forschungs­gemeinschaft, denn es passte fachlich zu gut, was der heute 31-Jährige an seiner neuen Wirkungsstätte einbringen konnte.

Vor allem die Arbeit mit dem Rastertunnelmikroskop erwies und erweist sich als asiatisch-deutsche Brücke. Beide Wissenschaftler untersuchen mithilfe dieses Geräts, was genau passiert, wenn wässrige Lösungen auf Metalloberflächen treffen. Ergebnisse seiner Arbeit in Kiel hat der Humboldt-Stipendiat mit Unterstützung seines Professors zu Jahresbeginn in einem Beitrag für die Zeitschrift »Angewandte Chemie« veröffentlicht. Mit organischen Schwefel­verbindungen, die in der Fachwelt Thiole genannt werden, trieb Yang dazu jede Menge aufwendige Laborarbeit – samt mindestens ebenso zeitraubender statistischer Nachbereitung. Diese Thiole brachte er in Kontakt mit einer Kupferoberfläche und stellte fest, dass sich bei Zimmertemperatur immer wieder zwei Moleküle über ein Kupferatom verbinden, um sich Sekundenbruchteile später wieder voneinander zu lösen.

»Das klingt etwas abstrakt, ist aber sehr interessant«, erläutert Yang und verweist darauf, dass solche Schwefelverbindungen zum Beispiel in der Halbleiterindustrie bei der Herstellung haarfeiner Leiterbahnen aus Kupfer verwendet werden. Hier macht man sich den Effekt zunutze, dass diese Substanzen die Beschichtungsprozesse wie ein Katalysator beschleunigen. Yang und Magnussen gelang es nun, dieses Phänomen zu erklären. Sie führten es auf die im Labor beobachtete und mit hochauflösenden Videos dokumentierte kurzzeitige Stabilisierung von Kupferatomen auf der Oberfläche zurück. Und dieses Verständnis, so hofft das Duo, bedeutet womöglich den ersten Schritt zu einer Optimierung des Prozesses.

Weil die Oberflächenforschung eine ganze Fülle ähnlicher Fragen und Herausforderungen bietet, blickt Yaw-Chia Yang einem erfüllten Forscherleben entgegen. Wohl wissend, dass einem Chemiker mit seiner Qualifikation in der Industrie viele Türen offenstünden, will er doch weiterhin an der Wissenschaft festhalten. Bis November dieses Jahres macht er das noch in Kiel als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung, danach wird er noch einige Monate als Projektmit arbeiter am Lehrstuhl von Olaf Magnussen beschäftigt sein.

»Ich mag mein Leben in Kiel und habe wirklich viel gelernt«, bedauert er schon heute, dass er trotz aller ihm widerfahrenen Wertschätzung nicht dauerhaft an der Förde bleiben kann. Die Perspektive jedenfalls lautet Taiwan. Und auch wenn es dort nach Yangs Einschätzung ebenfalls nicht leicht wird, in der wissenschaftlichen Forschung unterzukommen, wird er eisern an seinem Ziel festhalten. Neugierig genug ist er schließlich. Und geduldig genug erst recht.

Martin Geist
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