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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 74 vom 20.10.2012, Seite 4  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Spielerisch statt babylonisch

Wenn der Jurist die Meeresbiologin verstehen soll, bedarf das einiger Anstrengung. Der Kieler Wissenschaftsnachwuchs probiert es mit innovativen Vortragstechniken.


Foto: iStock

Anfang Oktober haben sich innerhalb des Exzellenzclusters »Ozean der Zukunft« an der Förde knapp 100 junge Frauen und Männer zur »3rd Young Scientists Conference; Interdisciplinary Approaches to Global Change« getroffen. Dabei handelt es sich um eine Zusammenkunft von meist Mitte 20 bis Mitte 30 Jahre alten Forschenden aus den klima- und meereswissen­schaftlichen Exzellenzclustern der Universitäten Bremen, Hamburg und Kiel. Die Heraus­for­derung: einen effektiven Weg zu finden, wissenschaftliche Projekte zu kommunizieren. Vertreten sind nicht nur die Naturwissenschaften, sondern ebenso die Wirtschafts- und Sozialwissen­schaften sowie die Juristerei. »Das stellt einige Anforderungen an die Allgemeinverständlichkeit«, sagt Ute Kapaun, Doktorandin der Wirtschafts­wissenschaften und gemeinsam mit Meeres­wissenschaftlerin Dr. Lavinia Patara Hauptorganisatorin der Kieler Konferenz.

Gewisse babylonische Züge nahm die Kommunikation tatsächlich besonders bei der Premiere vor zwei Jahren in Hamburg an. Appelle an die Allgemeinverständlichkeit der Beiträge führten ein Jahr später dazu, dass es schon deutlich besser wurde. Trotzdem machte sich das ehrenamtliche Kieler Organisationsteam Gedanken darüber, wie wissenschaftliche Vorträge dank experimenteller Elemente noch verständlicher werden können.

Meereswissenschaftler Jörn Schmidt steuerte eine Idee bei, die vor knapp zehn Jahren erstmals in Japan aufkam und Pecha Kucha heißt. Pecha Kucha bedeutet so viel wie Stimmengewirr oder wirres Geplauder und bezieht seine Wirkung aus strikt vorgegebenen Regeln und Vortrags­techniken. 20 Folien beziehungsweise Powerpoint-Vorlagen müssen dabei gezeigt und dürfen jeweils nur 20 Sekunden erläutert werden. Der Wechsel geschieht automatisch, so dass nicht getrickst werden kann und jeder Vortrag exakt sechs Minuten und 40 Sekunden dauert.

Patara kam derweil auf eine Methode, die es bisher wahr­scheinlich noch gar nicht gab: den Twin Talk. Die Referentin Referentin oder der Referent sucht sich dazu gewisser­maßen einen Zwilling zum Rollentausch. Vorgestellt wird jeweils die Arbeit des Gegenparts. Selbst wenn sich dabei Angehörige gleicher oder ähnlicher Disziplinen zusammenfinden, muss der Verfasser oder die Verfasserin die Vortragenden wegen der meist sehr speziellen Themen zuvor so gut informieren, dass sie die Sache verstehen – und entsprechend verständlich weitergeben können.

Ursprünglich hatte das Kieler Organisationsteam den Plan, die gesamte Nachwuchskonferenz nach diesen Modellen abzuhalten. »Das war aber ein etwas zu ehrgeiziger Ansatz«, berichtet Ute Kapaun von zahlreichen Bedenken gegen derart geballte Neuerungen. Möglich wurden zur Premiere immerhin zwei Twin Talks und vier Pecha-Kucha-Vorträge. Ein Anfang, auf dem der Forschungsnachwuchs im kommenden Jahr aufbauen möchte. Neu in Kiel war auch eine akademische Schnitzeljagd. Anhand ausgelegter kurzer Informationsblätter gab es die Möglich­keit, das dazugehörige wissenschaftliche Poster zu finden und einen kleinen Preis als Belohnung zu erhalten. »Ein Spiel mit dem Spieltrieb«, erläutert Kapaun, die sich davon mehr Neugier auf fremde Disziplinen erhofft.

Martin Geist
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