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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 74 vom 20.10.2012, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Eindrücke aus Mittelamerika

Nach zwei Wochen Panama kehren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer geowissenschaftlichen Exkursion mit Fossilien, Gesteinsproben und unver­gesslichen Eindrücken zurück.


Henrik Sadatzki untersucht eine »vulkanische Bombe«, die sich allmählich aus dem umgebenden Gestein heraus­wittert. Foto: Henrik Sadatzki / Uni Kiel

Aus dem winterlichen Kiel machten wir uns am 4. März für zwei Wochen auf ins über 9.000 Kilo­meter entfernte Panama in die mittelamerikanischen Tropen. An diesem Abenteuer nahmen 14 Studierende aus geowissenschaftlichen Bachelor- und Masterstudiengängen der Universität Kiel unter der Leitung von Professorin Priska Schäfer und Dr. Helena Fortunato von der Arbeitsgruppe Paläontologie – Historische Geologie teil.

Die erste Woche verbrachten wir bei tropischen 30° Celsius in Panama City sowie auf der Azuero Halbinsel auf der pazifischen Seite des Landes. Hier besuchten wir Stationen des in Panama ansässigen Forschungsinstituts STRI (Smithsonian Tropical Research Institute), wo uns einige mehrere Millionen Jahre alte Prachtexemplare aus der Fossiliensammlung gezeigt wurden. Darunter ein versteinerter, zwei Meter langer Fisch sowie Überreste der Titanoboa, einer 15 Meter langen ausgestorbenen Riesenschlange. Außerdem bekamen wir auf unseren Erkundungs­märschen durch die Natur einen Einblick in die aktuelle exotische Tierwelt. Auf Bäumen direkt neben den Wegen trafen wir zum Beispiel Faultiere, Leguane und Kolibris an.

Hauptsächlich aber suchten wir jederzeit nach Aufschlüssen, das heißt nach Orten in der Land­schaft, zum Beispiel Steinbrüchen, wo man das anstehende Gestein möglichst unverändert von äußeren Einflüssen antrifft. Das ist in den Tropen nicht einfach, da die Gesteinsoberflächen meist tiefgründig verwittert und von einer dichten Vegetation bedeckt sind. Da hieß es dann oft mitten auf der Panamericana: »Anhalten, Aussteigen – ich glaub’, da war was!« Immer mit dabei waren Notizbuch, Hammer und Lupe.

Das vulkanische Gestein, das wir fanden, bildet einen Großteil von Panama und vor allem die Gebirgskette im Landesinneren. Es ist Zeuge einer aktiven Grenze zwischen den Erdplatten. Auf der Halbinsel Azuero besuchten wir den Nationalpark Sarigua bei Chitré, wo archäologische Ausgrabungsstätten Überreste von mehreren 600 bis 11.000 Jahre alten Kulturen offenlegen.

Des Weiteren entdeckten wir hier sogenannte vulkanische Bomben: metergroße, rundliche und aus dem umgebenden vulkanischen Gestein herausgewitterte Gesteine, die wie riesige steinerne Ostereier in der Gegend herumstanden. Vermutlich wurden diese in teilweise noch ge­schmolzenem Zustand bei Vulkanausbrüchen herausgeschleudert und erstarrten erst während des Flugs endgültig.

Weiter im Süden der Halbinsel sahen wir abseits der Straße einen Felssturz, von dem wir Pro­ben nahmen. Bei dem schwarzen, basaltischen Gestein handelte es sich um sogenannte Kissenlava, wie die genauere Betrachtung durch die Lupe ergab. Es ist vermutlich Teil einer alten, aus der Galapagos-Region stammenden ozeanischen Kruste, die durch Plattenbewegung an Panama angegliedert wurde. Wir erkundeten außerdem die Küste und fanden bei Búcaro fossilreiche Sedimente aus der Frühzeit der Bildung der Landbrücke von Panama.

In der zweiten Woche war die STRIStation in Galeta, östlich der Stadt Colón, an der Karibik unser Zuhause. Hier widmeten wir uns hauptsächlich dem Korallenriff vor der Haustür, dessen Riffdach man bei Ebbe betreten konnte. Beim Schnorcheln in der Lagune beäugten wir die zahlreichen Korallen sowie Seeanemonen, Seeigel und Fische. In mehreren Steinbrüchen unter­suchten wir die Sedimentgesteine der sogenannten Gatun Formation und der Chagres Forma­tion. Sie enthalten unzählige, exzellent erhaltene, mehrere Millionen Jahre alte Muscheln und Schnecken, die teils sogar noch mit ursprünglicher Farbe aussehen wie ihre Verwandten heute an den Küsten.

Die fossilreichen Sedimentgesteine erzählen die Geschichte von der Schließung der Panama-Landbrücke. Ein Erlebnis war auch der Ausflug auf die Insel Barro Colorado Island, die mitten im riesigen Gatun See liegt und auf der sich die älteste ökologische Forschungsstation der Erde befindet. Dort wanderten wir bei erschlagenden 30 Grad Celsius und etwa 99 Prozent Luft­feuchtigkeit durch den Regenwald. Die visuellen und vor allem die akustischen Eindrücke waren überwältigend. Unter dem Geschrei der Brüllaffen, vielfältigen Vogelstimmen und umschwirrt von riesigen, bunten Schmetterlingen versuchten wir angestrengt, irgendwelche Tiere im dichten Grün zu entdecken. Ein unvergessliches Erlebnis, an das ich im herbstlichen Kiel gerne denke.

Henrik Sadatzki
Panamas Erdgeschichte

(1) Panama City (2) Nationalpark Sarigua bei Chitré (3) Kissenlava nahe Ave María (4) Búcaro (5) STRI-Station in Galeta (6) Colón (7) Barro Colorado Island

Panama liegt an einer Erdplattengrenze und ist dadurch seit seiner Entstehung stark vom Vulkanismus geprägt. Auf pazifischer Seite schiebt sich die Nazca-Platte Richtung Norden unter die Karibische Platte. Vor 13 Mil­lionen Jahren gab es noch keine Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Stattdessen war dort der Atlantik mit dem Pazifik durch eine Seestraße verbunden. Seit etwa 10 Millionen Jahren hebt sich der Untergrund durch tektonische Prozesse. Das führte dazu, dass sich die Landbrücke vor ungefähr 2 Millionen Jahren schloss.

Die Entstehung der Panama-Landbrücke ist geologisch betrachtet eines der interessan testen Ereignisse der jüngeren Erdgeschichte. Aus paläontologischer Sicht ist der Artenaustausch zwischen Nord- und Südamerika sowie die unterschiedliche Entwicklung der Lebewesen auf pazifischer und karibischer Seite aufschlussreich. Für die Paläoklimatologie ist die Trennung von Pazifik und Karibik durch die Bildung des heutigen Panamas eines der Schlüsselereignisse, die zur Verstärkung des Golfstroms und zur Grönland-Vereisung geführt haben. (sad)
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