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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 74 vom 20.10.2012, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Überflüssig und überteuert

Um sich gesund zu ernähren, brauchen Menschen mit Diabetes keine spezi­ellen Lebensmittel. Das hat auch die Gesetzgebung eingesehen und die Pro­dukte verboten. Restbestände werden jedoch noch verkauft.


Foto: Picture Alliance

Das Aus für spezielle Diätprodukte wie Kekse, Schokolade, Eis, Joghurt und Co kommt nicht überr­aschend. Bereits vor zwei Jahren trat eine ent­spre­chende Änderung der Diätverordnung in Kraft, nach­dem Fachleute schon lange gefordert hatten, den Vermerk »zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus« abzuschaffen. Am 9. Oktober 2012 lief nun die Übergangsfrist aus. Die Ware in den Verkaufs­regalen darf aber noch bis zu ihrem Mindesthalt­barkeitsdatum abverkauft werden.

Der Grund ist denkbar einfach: Sie sind unnötig und zumeist teurer als übliche Lebensmittel. Oder wie es das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz formuliert: »Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnis­stand benötigen Personen mit Diabetes mellitus keine speziellen diätetischen Lebensmittel, da für sie inzwischen die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung gelten wie für die Allgemeinbevölkerung.«

Die Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Diabetes wurden schon lange dem neuen Kennt­nisstand angepasst. Zucker gilt nicht mehr als grundsätzlich tabu. Sowohl Gesunde als auch Menschen mit Diabetes sollten Süßigkeiten nur in Maßen essen. »Wir würden bei jedem sagen, dass sie sich kein Glas Marmelade aufs Brot schmieren sollen, sondern nur einen Löffel voll. Und dann ist es egal, ob es Diät- Marmelade oder normale Marmelade ist«, erklärt der Kieler Diabetologe Professor Matthias Laudes. Betroffene sollten außerdem generell Lebensmittel mit hohem Fettgehalt wie Schokolade, Chips, Wurst und Käse meiden und stattdessen eine betont pflanzliche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten bevorzugen. Das lernen sie auch in speziellen Diabetes-Schulungen.

Dennoch wird die Veränderung im Lebensmittelangebot auch zu Verunsicherung führen. »Viele Patientinnen und Patienten haben den Eindruck, dass ihnen etwas sehr Positives genommen wird«, hat Laudes bei seinen Diabetes-Vorträgen im Kieler CITTI-Park festgestellt, wenn er die Änderung der Diätverordnung anspricht. »Das ist aber nicht so. Spezielle Diabetes-Lebensmittel haben keinen Zusatznutzen.« Vielmehr gebe es sogar Hinweise darauf, dass sie gegenüber normalen Lebensmitteln eher nachteilig seien.

Zwar wird in den Diabetes-Produkten der Traubenzucker, also die Glukose, die den Blut­zuckerspiegel erhöht, durch Fruchtzucker oder Zuckeraustauschstoffe ersetzt, Fett oder Kalorien werden aber dadurch nicht eingespart. »Diät-Schokolade hat manchmal sogar mehr Kalorien als die „normale“ Schokolade«, sagt der Ernährungsmediziner, der an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums die Adipositas- Ambulanz leitet. Der Hinweis »für Dia­betiker geeignet« suggeriere den meist übergewichtigen Betroffenen vielmehr, diese Schokolade kann ich ruhig essen. Ebenfalls nachteilig sei der häufig etwas erhöhte Eiweißanteil. Das sei ungünstig für Diabetikerinnen und Diabetiker, die eine geschädigte Niere haben und sich eigentlich proteinarm ernähren sollten.

Denn Diabetes ist keine reine Zuckerkrankheit, sondern geht auch mit Eiweiß- und Fettstoff­wechselstörungen einher. Hauptziel der Behandlung ist ein möglichst normaler Insulin- und Blutglukosespiegel. Das ist mit einer normalen Ernährung nicht schwerer zu erreichen als mit zusätzlichen zuckerfreien Produkten. Statt des Hinweises »für Diabetiker geeignet« sollten sich auf Lebensmitteln lieber ausführliche und einheitliche Nährwertkennzeichnungen befinden, fordert etwa die Deutsche Diabetes Gesellschaft. Angaben zum Brennwert, zum Anteil an Eiweiß, Zucker, Fetten, gesättigten Fettsäuren, Salzen und Ballaststoffen würden Betroffenen die Auswahl erleichtern. Nur so sei es Menschen mit Diabetes möglich, ihr Insulin korrekt zu dosieren und ihre Ernährung zuverlässig zu planen.

Kerstin Nees
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