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unizeit Nr. 74 vom 20.10.2012, Seite 8  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Vorteil für Kiel

Auf einer Rangliste von 1 bis 50 steht Kiel deutschlandweit in punkto Nach­haltigkeit auf Platz 9.


Saubere Luft, viel Grün, eine niedrige Verkehrsdichte und ein gut ausgebautes Radwegenetz – das klingt nach Nachhaltigkeit, ist aber längst nicht alles. Ob eine Stadt nachhaltig wirtschaftet, hängt nicht allein von ihrem ökologischen Zustand ab, sondern auch von sozialen Faktoren, Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten und der ökonomischen Zukunftsfähigkeit.

»In erster Linie geht es darum, begrenzte Ressourcen nur in dem Maße zu nutzen, dass sie auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben«, so definiert Professor Martin Quaas vom Institut für Volkswirtschaftslehre den Begriff Nachhaltigkeit. Im Auftrag der Zeitschrift Wirtschafts­Woche hat der Kieler Wirtschaftswissenschaftler den »WirtschaftsWoche Sustainable City Indikator« als Maß für die »nachhaltige Wohlfahrt« von Städten entwickelt und zusammen mit Kollegen vom Institut für Weltwirtschaft für die hundert größten kreisfreien Städte in Deutschland ermittelt.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie effizient die Städte mit ihren Ressourcen umgehen. Maß­geblich waren dabei die Kategorien Umwelt, Energie, Soziales und Wirtschaft sowie Humankapital. Insgesamt 49 verschiedene Einzelindikatoren wurden berücksichtigt. Dazu zählen Umweltdaten wie Feinstaubbelastung, Hausmüllaufkommen und Recyclingquote. Im Bereich Energie fließt zum Beispiel der Stromverbrauch als negativer Wert ein, im Bereich Humankapital werden unter anderem Arbeitsmarktdaten wie Beschäftigungsquote oder Jugendarbeitslosigkeit sowie Bildungs- und Kinderbetreuungsangebote erfasst.

Weitere Größen, die zur Berechnung der nachhaltigen Wohlfahrt eingehen, sind die Kranken­hausversorgung, Lebenserwartung, Erholungsflächen und Sportstätten. Unter dem Punkt Wirtschaftskapital gehen Wirtschaftskraft, Einkommen und Produktivität, aber auch öffentliche Schulden und Gewerbegründungen in die Berechnung ein. »Das sind zunächst einmal nur Zahlen, die bestimmte Aspekte beschreiben, die wir aus Nachhaltigkeitssicht für relevant halten«, erklärt Quaas. Die Hauptarbeit habe darin bestanden, die erfassten Daten zu gewichten und sinnvoll miteinander zu verknüpfen, so dass ein aussagekräftiger Gesamtindikator herauskomme, der dem Nachhaltigkeitsgedanken gerecht wird. Denn »es kann ja nicht sein, dass man durch eine sehr gute Wirtschaftskraft Defizite im Naturbereich beliebig ausgleichen kann.«

Kiel steht mit Rang 9 insgesamt recht gut da. Das liege vor allem daran, dass die Stadt in keinem der fünf Bereiche so richtig schlecht abschneide, sondern überall im oberen Drittel vertreten ist. »Das ist besser, als wenn eine Stadt in einem Bereich Spitze ist, aber sonst hinterherhängt.« (Kerstin Nees)

Zum Weiterlesen: Jonas Dovern, Wilfried Rickels, Martin F. Quaas: Nachhaltigkeitspotenzial deutscher Städte. Kiel Policy Brief, Nr. 50, Juni 2012. ► www.ifw-kiel.de
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