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Nr. 75, 15.12.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Lehren lernen

Lehren will gelernt sein. An der Uni Kiel drücken Dozentinnen und Dozenten die Schulbank, um ihre didaktischen Fähigkeiten auszubauen.


Foto: iStock

Die Ansprüche der Studierenden an ihre Dozentinnen und Dozenten sind gewachsen. Sie wün­schen sich nicht nur kenntnisreiche Lehrkräfte, sondern auch solche, die ihr Wissen ansprechend vermitteln können. Innerhalb des Bund-Länder- Kommissionsmodells CoP (Coaching for Professionals) führte die Christian- Albrechts-Universität deshalb Anfang 2009 ein Programm ein, das sich speziell an Professorinnen und Professoren sowie die Dozentenschaft richtet. Mehr noch: Wer neu zur Hochschule kommt und aus Landesmitteln bezahlt wird, muss inzwischen das sogenannte Basisprogramm Hochschuldidaktik absolvieren.

Dieses Pflichtelement unterstreicht den Stellenwert, den das Präsidium der Universität der didak­tischen Weiterbildung beimisst. Wichtiger noch scheint aber, dass die Beteiligung an den sonst durchweg freiwilligen Angeboten enorm ist. 42 Prozent des wissenschaftlichen Personals belegt laut Annekatrin Mordhorst, Leiterin der Wissenschaftlichen Weiterbildung, inzwischen jedes Jahr mindestens ein Seminar oder eine andere Qualifizierungsveranstaltung. Bei aktuell 414 Professorinnen und Professoren und 1.630 wissenschaftlichen Angestellten entspricht dies etwa 900 bildungswilligen Lehrenden.

»Eine sehr hohe Zahl«, freut sich Mordhorst, die noch ganz andere Zeiten kennt. Nachdem 1997 die Wissenschaftliche Weiterbildung in Kiel eingeführt wurde, dümpelte die Zahl der Teilnehmenden etliche Jahre bei etwa 50. Das lag daran, dass die dafür zuständige Abteilung anfangs personell äußerst knapp ausgestattet war und entsprechend wenig anbieten konnte. Mittlerweile hat es sich in der Zielgruppe offensichtlich herumgesprochen, wie hilfreich und kurzweilig die Teilnahme an den Angeboten der Abteilung sein kann. Mordhorst: »Das ist eine Frage der Langfristigkeit und der Qualität.«

Das Basisprogramm Hochschuldidaktik bietet einen guten Einstieg. Der Kurs erstreckt sich über zwölf Stunden und widmet sich Themen wie Kommunikation in der Lehre, Planung von Lehre und Gruppenprozessen. Im dritten Bereich geht es darum, was zu tun ist, wenn Studierende zum Beispiel ständig zu spät kommen, stören oder provozierende Kommentare abgeben. Wichtig ist der Abteilung Weiterbildung außerdem das Thema aktivierende Lehre. Frontalunterricht war gestern, angesagt sind Methoden wie Projekt- oder Gruppenarbeit.

Häufig nehmen die Lehrenden die Möglichkeit eines Coachings an, das in einer Eins-zu-eins-Konstellation angeboten wird und sich individuell den Bedürfnissen der Betroffenen widmet. So wie bei Professorin Birgit Brouër, die dank Vermittlung der Uni Kiel eine hochschuldidaktische Zusatzausbildung absolvierte und außerdem an einem Coaching teilnahm, das sich über sechs Termine zu jeweils etwa zwei Stunden erstreckte. »Das war sehr hilfreich«, sagt die 49-jährige Bildungsforscherin, die Ende 2007 nach Kiel kam und beim Coaching ihre Funktion als Führungskraft, das Thema methodische Vielfalt sowie Zeitmanagement in den Mittelpunkt rückte.

Das »Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen« (PerLe) erlaubt der Uni Kiel einen weiteren Ausbau des Angebots speziell für Professorinnen und Professoren. Ein vierköpfiges Team, darunter zwei Psychologinnen, erstellt zum Beispiel Potenzialanalysen nach der Leitfrage »Wo stehe ich, wo will ich hin?«. Ebenso gibt es Unterstützung in Sachen Lern- und Prüfungsmethoden, Fachdidaktik sowie zu vielen weiteren Aspekten der Lehre. Außerdem im PerLe-Angebot sind Maßnahmen für Studierende. Das bis 2016 geförderte Projekt soll einerseits die Qualität der Lehre an der Uni verbessern helfen und andererseits Studierenden zu einem für sie passenden Studium verhelfen. Sie darin so zu begleiten und zu betreuen, dass sie es zügig und erfolgreich abschließen können, ist ein wesentliches Ziel von PerLe.

Weil die Verantwortlichen der Uni durch regelmäßige Befragungen wissen, wo bei der Weiter­bildung der Schuh drückt, haben sie neuerdings eine weitere Zielgruppe ins Visier genommen. Immer wieder wurde geäußert, dass auch den Tutorinnen und Tutoren etwas didaktischer Schliff gut zu Gesicht stünde, so dass für sie jetzt eine entsprechende Grundausbildung im Programm steht. (Martin Geist)

► www.weiterbildung.uni-kiel.de
► www.perle.uni-kiel.de
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