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Nr. 75, 15.12.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Begehrtes Gesteinsglas

Natürliche Ressourcen sind seit jeher Anlass für Kriege und Land­schafts­zerstörung. Humboldt-Stipendiat Dr. Daniel Contreras erforscht, wie die Menschen in den Anden einst mit solchen Quellen umgingen.


Daniel Contreras analysiert ein Stück Obsidian. Das Gesteinsglas war bei peruanischen Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern beliebtes Material für Waffen und Werkzeuge. Foto: pur.pur

Im südlichen Hochland von Peru gibt es kaum Feuerstein. Deshalb war das Gesteinsglas Obsi­dian in der Zeit vor Ankunft der europäischen Eroberer wirtschaftlich und militärisch wichtig: Aus ihm stellten die Menschen Werkzeuge und Waffen her. Der Kalifornier Daniel Contreras, seit Ende 2011 mit einem zweijährigen Stipendium der Humboldt-Stiftung am Institut für Ökosys­temforschung, untersucht exemplarisch ein solches Obsidianvorkommen. »Mich interessiert besonders, wie sich der gesellschaftliche und politische Wandel auf Management und Aus­beutung natürlicher Ressourcen auswirkte«, erklärt der Geoarchäologe.

Das Feld befindet sich ziemlich abgelegen in 4.000 Metern Höhe auf einem Hochplateau, wie Contreras festgestellt hat. Im Sommer flog er mit seinem Kieler Gastgeber Professor Ingmar Unkel nach Peru, um vor Ort Daten zu sammeln. »Dass dort Obsidian abgebaut und zu Werk­zeugen weiterverarbeitet wurde, können wir anhand unserer Ausgrabungsresultate belegen«, berichtet Contreras. Etwa hundert Gruben mit ringförmig ringförmig aufgeworfenen Wällen zeugen vom Abbau. »Das Areal sieht ein bisschen so aus, als hätte jemand einen Haufen Donuts dort verteilt«, sagt der 38-Jährige und lacht. »Wobei die Donuts einen Durchmesser von zwei bis 75 Metern haben.«

Es gilt aber noch zu klären, ob diese Nutzung stetig intensiver wurde, als aus Jägern und Sammlern über die Jahrtausende immer größere Gesellschaften und politische Einheiten wurden, die überregional miteinander Beziehungen unterhielten. Um das herauszufinden, lässt Daniel Contreras das Alter von Holzkohleresten bestimmen, die er auf dem Hochplateau gesammelt hat. Außerdem analysiert er den Wassergehalt des Obsidians und Veränderungen in der Bearbeitungstechnik, mit der aus dem Gesteinsglas Werkzeuge hergestellt wurden. Zusammen will er daraus eine Art Nutzungschronik erstellen.

»Denkbar ist, dass ein in der Region beheimateter Stamm nach und nach das Obsidianfeld unter seine Kontrolle brachte und gegen Ansprüche aus der Nachbarschaft verteidigte«, erläutert Contreras eine auf früheren Forschungen basierende Arbeitshypothese. Allerdings war das etwa 500 Hektar umfassende Feld zu groß, um es mit einer Mauer oder ähnlichen Baumaßnahmen zu befestigen. Deshalb sucht der Amerikaner nach anderen Hinweisen auf eine mögliche Vorherrschaft einer bestimmten Gruppe. Erste Auswertungen der im Sommer vorgenommenen Begehungen, Kartierungen und Ausgrabungen weisen jedenfalls auf kleine Gebäude hin, die einst zwischen den Gruben standen. Contreras lockten wissenschaftliche Kooperationen von der Stanford University an die CAU: Mit mehreren Kieler Professorinnen und Professoren arbeitet er in Projekten zu Landnutzung und Mensch-Umwelt-Beziehungen zusammen. Auch die Stadt gefällt ihm: »Die Lage am Wasser ist toll. Zwar regnet es in Kiel etwas mehr als in meiner kalifornischen Heimat, aber das geistige Klima ist genauso gut.«

Jirka Niklas Menke
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