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Nr. 75, 15.12.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Einwurf: Dominoeffekt

Handwerker gehen einfach pleite, schwächelnde Banken werden gerettet. Ob und wann das sinnvoll ist, darüber haben sich Matthias Lengnick und Sebastian Krug von der Abteilung Makroökonomik am Institut für Volkswirtschaftslehre Gedanken gemacht.


Matthias Lengnick (28) arbeitet zusammen mit Sebastian Krug an neuen Modellen zum Ver­ständnis des wirtschaftlichen Geschehens. Statt auf den idealen Markt setzen die beiden Doktoranden dabei auf die Nichtoptimalität als Normalfall. Foto: Martin Geist

unizeit: Warum rettet der Staat überhaupt Banken?

Matthias Lengnick: Also grundsätzlich muss man nicht jede Bank unter allen Umständen retten. Dass Unternehmen, die schlecht arbeiten, vom Markt verschwinden, gehört zu unserer Wirtschaftsordnung. In einer guten konjunkturellen Lage kann man eine nicht allzu große Bank ohne gravierende Folgen für die Allgemeinwirtschaft gegen die Wand fahren lassen. Das ist auch schon passiert.

Trotzdem ist in der jüngeren Vergangenheit ja eine Bank nach der anderen gerettet worden.

Das stimmt, trifft aber nicht ganz das Problem. Die Bankenkrise in den USA ist genau genommen die Folge einer Immobilienkrise gewesen. Sicherheiten waren plötzlich nichts mehr wert, die Eigenkapitalquoten der Geldhäuser schrumpften, es breitete sich gegenseitiges Misstrauen aus, das die ganze Wirtschaft nieder­zureißen drohte. Vertrauen in unser Geldsystem ist deshalb so elementar, weil ungleich mehr Zahlungsansprüche als wirkliche Geldscheine im Umlauf sind und sich Banken untereinander sehr viel Geld leihen. Wenn dieses System nicht mehr funktioniert, weil das Vertrauen weg ist, dann ist die Ansteckungsgefahr in der Tat enorm. Fällt eine Bank, dann werden auch die anderen mitgerissen.

Was wäre nötig, um in Zukunft weniger Banken retten zu müssen?

Die aktuell diskutierte Trennung von Investment- und Geschäftsbanken würde wohl eher wenig bringen. Lehman war eine reine Investmentbank und brachte trotzdem die ganze Weltwirtschaft ins Wanken. Sinnvoller scheint mir, die Differenz zwischen Ansprüchen und Geldumlaufmenge zu verringern und dazu noch die Pflicht, Kredite stärker mit Eigenkapital zu hinterlegen. Bei Instituten wie der Deutschen Bank wird es trotzdem wahrscheinlich immer so sein: Sie dürfen nicht pleite gehen. (mag)

Zum Thema »Warum wir Banken retten müssen« hielt Matthias Lengnick einen Vortrag während der Night of the Profs. Der Vortrag ist online zu sehen unter ► www.uni-kiel.de/night
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