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Nr. 75, 15.12.2012  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Himmlische Symbolik

Der Stern von Bethlehem gehört zu Weihnachten wie Stollen und Tannenbaum. Doch was hat es wirklich auf sich mit diesem sagenhaften Himmelskörper?


Foto: pur.pur

Professor Holger Kersten ist eigentlich Plasmaphysiker und beschäftigt sich unter anderem mit intelligenten Beschichtungen von Oberflächen. Aufgrund seines Vorlebens ist er aber auch ein bisschen Astronom, denn ehe er vor sechs Jahren nach Kiel kam, leitete der Naturwissenschaftler die Sternwarte der Uni Greifswald und war dort auch für die Astronomie-Ausbildung zuständig. Nebenbei pflegt Kersten die Himmelskunde nach wie vor, besonders für die Schleswig-Holsteinische Universitäts- Gesellschaft (SHUG), deren Angebot er in dieser Saison mit fünf Vorträgen zum Weihnachtsstern bereichert. Und auch wenn es sich dabei um ein vielleicht nie existent gewesenes, auf jeden Fall sehr weit entferntes Himmelsphänomen handelt, ist dieses Thema fürs Publikum so greifbar, dass die Referate sich meist besten Zulaufs erfreuen.

Seinerseits erfreut packt Kersten dann die Gelegenheit beim Schopf und verwirklicht sein eigentliches Anliegen, »ein paar astronomische Kenntnisse unters Volk zu bringen«. Was gleich mit den Erklärungen beginnt, die der Physiker als am wenigsten wahrscheinlich betrachtet. »Da sie den Stern sahen, waren sie hoch erfreut«, schreibt der Evangelist Matthäus, der damit eine Supernova meinen könnte. Aber wohl eher nicht, denn belastbare Belege für einen solchen Stern, der sich zu Zeiten von Christi Geburt leuchtend-explosiv aus dem Kosmos verabschiedete, geben laut Kersten weder die Geschichtswissenschaft noch die Astronomie her.

Ähnlich verhält es sich mit der Kometen- Theorie. Die interplanetaren Himmelskörper setzen in Sonnennähe flüchtige Komponenten wie zum Beispiel Staubteilchen frei, die den charakteristischen Kometenschweif bilden. Gerade ob dieser ungewöhnlichen Optik galten sie jedoch den Menschen über Jahrtausende als Unheilsbringer. Und schon deshalb mag Kersten nicht glauben, dass ausgerechnet ein Komet die himmlische Symbolik für den Verkünder der frohen Botschaft begründen soll.

Wie so oft im Leben, scheint also die plausibelste Erklärung zugleich die komplizierteste zu sein. Während des jährlichen Umlaufs um die Sonne überholt die Erde einen Planeten, der genau zu diesem Zeitpunkt der Erde am nächsten und besonders gut zu sehen ist. In ganz seltenen Fällen kommt es sogar vor, dass gleich zwei Planeten überholt werden. Damit wäre es möglich, dass der Weihnachtsstern in Wahrheit die Widerspiegelung einer besonders engen Begegnung zwischen Saturn und Jupiter war.

Ebenso kann es aber sein, dass die ganze Geschichte pure Legende ist, schränkt Holger Kersten ein. Doch dem Professor, der seit wenigen Wochen auch neuer Vorsitzender der Kieler SHUG-Sektion ist, geht es wie gesagt in der Hauptsache ja ohnehin um astronomische Pädagogik durch die weihnachtliche Hintertür.

Mit astronomischen Spekulationen zum Weihnachtsstern wartet Holger Kersten am Montag, 17. Dezember, um 19:30 Uhr im Audimax, Hörsaal C, auf.

Martin Geist

► www.shug.uni-kiel.de
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