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Nr. 76, 13.04.2013  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Gelb und gut

Kurkuma wird in Indien und China schon lange als Gewürz und Heilmittel verwendet. Für den darin enthaltenen intensiv gelben Farbstoff Curcumin interessiert sich auch die Wissenschaft.


Foto: Digital Stock

»Wir wollen wissen, wie ein Würz oder Färbemittel, das in Lebensmitteln vorkommt, über die klassischen Eigenschaften hinaus auf molekularer Ebene wirkt.« So erklärt Professor Gerald Rimbach vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde das Interesse seiner Arbeitsgruppe an Curcumin. Der Pflanzenfarbstoff wird aus dem Wurzelstock der Gelbwurz (Curcuma longa) gewonnen, ist Bestandteil von Curry-Würzmischungen und kommt als »E 100« im Bereich der Kosmetik, Textil und Lebensmittelindustrie zum Einsatz. Mit Curcumin werden zum Beispiel Senf, Backwaren oder Konservenfisch gefärbt.

Das wissenschaftliche Interesse an der Substanz beruht aber vor allem auf ihren möglichen gesundheitsfördernden Eigenschaften. Kurkuma ist in der traditionellen indischen Medizin (Ayur­veda) ein wichtiges Heilmittel. Ihm werden antioxidative, antibakterielle, entzündungshemmende und verdauungsfördernde Wirkungen zugesprochen. Außerdem wird diskutiert, ob Curcumin möglicherweise das Tumorwachstum hemmen und Nervenzellen vor der Zerstörung bewahren kann.

In Zellkulturstudien haben Rimbach und seine Kolleginnen, Professorin Anika Wagner und Dr. Tuba Esatbeyoglu, vor allem die antioxidativen, genregulatorischen und antientzündlichen Wir­kungen der Substanz unter die Lupe genommen. Die Arbeiten sind Teil des vom Bundes­ministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekts: »Innovative Strategien zur Steigerung der biologischen Aktivität von sekundären Pflanzenstoffen mit geringer oraler Bioverfügbarkeit und deren Anwendung in funktionellen Lebensmitteln zum optimalen Schutz des Gehirns während des Alterns«.

Beteiligt sind die Universitäten Hohenheim, Jena, Frankfurt und Kiel. Auf Einladung des angesehenen Fachmagazins »Angewandte Chemie International Edition English« hat die Kieler Arbeitsgruppe eine Übersichtsarbeit über »Curcumin – vom Molekül zur biologischen Wirkung« veröffentlicht (Curcumin – from molecule to biological function, Angew. Chem. Int. Ed. Engl. 2012; 51(22):530832).

»Wir wollten wissen, über welche Mechanismen Curcumin die Reaktion auf oxidativen Stress und Entzündung im Organismus verbessert«, erklärt Rimbach. Dazu wurden weiße Blutzellen in einen entzündlichen Zustand gebracht und es wurde untersucht, wie sich die Konzentration von Entzündungsbotenstoffen und die Aktivität von Zellschutzenzymen durch die Testsubstanz veränderte. »Wir konnten zeigen, dass Curcumin seine zellulären Effekte maßgeblich über den Transkriptionsfaktor Nrf2 vermittelt«, berichtet Anika Wagner.

Transkriptionsfaktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulation der Genaktivität. Sie beeinflussen die »Übersetzung« von Genen, indem sie sich an bestimmte regulatorische Abschnitte der DNA binden. Nrf2 aktiviert dabei besonders Gene von Enzymen und Proteinen, die zellschützende Eigenschaften haben. »Curcumin ist von fast allen Naturstoffen, die wir kennen, einer der stärksten Induktoren dieses Transkriptionsfaktors«, ergänzt Rimbach. Der Pflanzenstoff kurbele körpereigene Schutzmechanismen an und wirke vermutlich so protektiv.

Auch wenn Curcumin in Zellkulturexperimenten positive Effekte zeige, ein direkter Rückschluss auf die Wirkung der Substanz im Körper sei nur begrenzt möglich. Die in den Studien eingesetzten CurcuminKonzentrationen waren meist sehr viel höher, als das mittels Nahrung erreicht werden kann. Denn die »Bioverfügbarkeit« ist eher gering; das heißt, nur wenig von dem, was im Essen enthalten ist, kommt auch im Körper an.

»Wir wissen bislang auch nicht, was passiert, wenn man Curcumin jenseits der normalen Essgewohnheiten zuführt.«


Der Körper habe effiziente Mechanismen entwickelt, um die Substanz in Darm und Leber zu entfernen. Bei Erhöhung der Bioverfügbarkeit oder einer Zufuhr von Curcumin über Nahrungs­ergänzungsmittel mit hohen Konzentrationen seien Nebenwirkungen nicht völlig auszuschließen. »Der von uns aufgeklärte Mechanismus spricht dafür, dass Curcumin über den so genannten HormesisEffekt wirkt. Der Organismus erkennt den Stoff eigentlich als fremd. In niedriger Dosierung schaden diese Xenobiotika (Fremdstoffe) aber nicht, sondern bewirken endogenen Schutz. Der Begriff Hormesis stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie »Anregung, Anstoß«. Er beschreibt die Theorie, dass geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können.

Kerstin Nees
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