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Nr. 77, 06.07.2013  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Training für den OP

Operieren kann man nicht am lebenden Menschen lernen. An der »Kieler Schule für gynäkologische Endoskopie« trainieren Ärztinnen und Ärzte aus der ganzen Welt die Handgriffe für minimal-invasive Operationen.


Thoralf Schollmeyer und Liselotte Mettler an einem Trainingsgerät für minimal-invasive Operationen. Foto: Endoskopieschule

Endoskope sind Geräte, mit denen man das Innere des menschlichen Körpers untersuchen kann. Ursprünglich wurden sie nur für die Diagnose angewendet, etwa bei Bauch- und Darm­spiegelungen. »Heute sind fast alle Operationen auch endoskopisch möglich«, sagt Oberarzt Dr. Thoralf Schollmeyer von der Uni-Frauenklinik. Durch kleine Schnitte werden Kamera und Instrumente in den Körper eingeführt. Die Kamera überträgt ihre Bilder auf einen Monitor, an dem die Verantwortlichen im OP sehen können, was sie tun.

»Für die Patientinnen und Patienten heißt das kleinere Narben und weniger Schmerzen«,


erklärt Schollmeyer. Allerdings sei für diese Art des Operierens auch eine besondere Ausbildung für Chirurginnen und Chirurgen notwendig. Dafür gibt es die »Kieler Schule für gynäkologische Endoskopie«, die Schollmeyer seit 2007 leitet. Gegründet wurde sie von Professor Kurt Semm (1927–2003) und Professorin Liselotte Mettler (siehe Interview).

»Semm war in den 1970ern ein Pionier des endoskopischen Operierens«, sagt Schollmeyer. 1980 entfernte er erstmals einen Blinddarm auf diese Weise. Damals revolutionär, sind minimal- invasive Verfahren inzwischen Standard. Anders als bei der herkömmlichen, offenen Operation können sie jedoch nicht durch Assistieren erlernt werden. »In der Endoskopie kann man nur assistieren, wenn man den Ablauf der Operation schon kennt«, erläutert Schollmeyer. Zu den grundlegenden Schritten gehöre etwa das Einführen von Kamera und Geräten. Das könne man nicht am lebenden Menschen üben, dafür brauche man Trainingsgeräte.

Ein OP-Team beim minimal-invasiven Operieren. Eine Kamera überträgt Bilder aus dem Körperinneren. Foto: Endoskopieschule

Und solche Geräte stehen in den Räumen der Endoskopieschule. Kameras und Opera­tionswerkzeuge werden durch Löcher in weichen Gummidecken geführt, um bunte Plastikringe zwischen Holzklötzen zu bewegen. Üben muss man dabei auch, nicht auf die eigenen Hände, sondern auf den Bildschirm zu sehen. »Das Nähen trainieren wir an Hähnchenschenkeln«, sagt Schollmeyer.

Die Kieler Endoskopieschule ist eines von 14 zertifizierten Ausbildungszentren der Arbeits­gemeinschaft gynäkologische und geburtshilfliche Endoskopie in Deutschland und das einzige in Schleswig-Holstein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt, es gibt beispielsweise auch deutsch-indische und deutsch-südafrikanische Sonderkurse. Zielgruppe sind nicht nur Ärztinnen und Ärzte aus Gynäkologie und Urologie, sondern auch Studierende der Medizin, Operationstechnische As sistentinnen und Assistenten sowie Studierende aus dem Bereich »Medical Design« der Muthesius-Kunsthochschule.

Eva-Maria Karpf

► www.endo-kiel.de
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