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Nr. 77, 06.07.2013  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Perspektiven für Postdocs

Nach der Promotion geht es für den wissenschaftlichen Nach­wuchs oft nicht richtig voran. Wer weiter forschen möchte, hat eine unsichere Zukunft vor sich. Eine Initiative an der Kieler Universität geht dieses Problem strategisch an.


Die Promotion ist keineswegs ein Garant für eine steile Karriere. Gerade in der Forschung führt diese Qualifikation oft in eine Sackgasse, da es zu wenig adäquate Stellen gibt. Foto: iStockphoto

Klassischen Muster: Promotion, Habilitation und Professur ist nicht das Maß aller Dinge. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Uni wollen einfach nur forschen – und dafür natürlich auch bezahlt werden. Doch die begehrten Stellen in Forschungsprojekten sind zwar erreichbar, aber meist auf wenige Jahre befristet. Nach Ablauf des Vertrags geht der Wettbewerb um ein Anschlussprojekt wieder von vorne los. Vor dieser Situation stand auch Barbara Neumann schon etliche Male. Die Geografin arbeitet seit ihrer Promotion, die sie 1997 an der Universität Saarbrücken begann und 2002 abschloss, mit befristeten Verträgen. Seit drei Jahren ist sie in Kiel, und im November 2012 hat sie eine von 20 Postdoc-Stellen angetreten, die der Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft« in der zweiten Förderphase neu geschaffen hat. Der Vertrag läuft fünf Jahre. »Das ist natürlich eine fantastische Gelegenheit, um sein eigenes Profil aufzubauen, viel besser als bei Zweijahresverträgen«, sagt Neumann.

»Mit meinem Wechsel nach Kiel habe ich mir ein neues Forschungsfeld erarbeitet. Dafür werde mir jetzt auch neue Methoden aneignen und das braucht einfach auch Zeit.«


So wie Neumann geht es vielen Forscherinnen und Forschern nach der Promotion. Im güns­tigs­ten Fall hangeln sie sich von einer befristeten Stelle zur nächsten und nehmen in Kauf, dass die Inhalte der Forschung stark variieren. Häufiger tun sich jedoch große Lücken im Lebenslauf auf, weil nach Ablauf eines Projekts keine neue Stelle in Sicht ist.

Das ist eine sehr unbefriedigende Situation. Zunächst einmal für die betroffenen Personen, da sie keine Perspektive haben, weder beruflich noch finanziell. Aber »auch die Universitäten sind von der Problematik betroffen, weil Wissen und Kontinuität verloren gehen und weil den Professo­rinnen und Professoren die notwendige personelle Unterstützung fehlt«, befindet CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet. Denn Postdocs sind wichtige Akteure im deutschen Wissenschafts­system. »Sie forschen, lehren, betreuen Jüngere, werben Gelder ein und koordinieren Projekte. Sie machen einen Großteil der Arbeit, die früher der deutsche Mittelbau gemacht hat«, sagt auch Dr. Gesche Braker vom Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft«. Die Biologin unterstützt junge Forschende bei ihrer Karriereplanung. Gleichzeitig versucht sie, langfristig neue Strukturen für besser planbare wissenschaftliche Karrierewege an der CAU zu etablieren.

Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen haben mittlerweile erkannt, dass man dem wissenschaftlichen Nachwuchs unter die Arme greifen und nach Alternativen für den sogenannten »Mittelbau« suchen muss. Doch kaum eine Institution geht so weit wie die Universität Kiel, und hier speziell der Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft«, und leistet sich eine Stelle, um strategisch etwas zu unternehmen. Gesche Braker hat diese Aufgabe übernommen und koordiniert seit September 2012 das Integrated-Marine Postdoc-Netzwerk (IMAP). Etwas, das bundesweit einzigartig ist und bisher gefehlt hat. »Das Netzwerk ist eine ganz wunderbare Sache. Ich bin nicht umsonst Co-Sprecherin geworden«, sagt Geografin Barbara Neumann. »Ich finde es ist höchste Zeit, dass wir auch für Postdocs eine Struktur bekommen, in der man sich austauschen kann, nicht nur fachlich, sondern auch über die berufliche Entwicklung. Das hat mir in der Vergangenheit gefehlt. Es hätte mich sehr unterstützt, zu sehen, wie es bei anderen läuft.«

Das Netzwerk ist von anfänglich 15 auf mittlerweile 60 Mitglieder angewachsen, das sind alle promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit befristeter Stelle im Ozeancluster. Abgesehen von der Vernetzung der Postdocs gehören auch Maßnahmen zur Karriereförderung dazu wie Fortbildungen, ein Mentoring-Programm speziell für Frauen sowie ein Individualcoaching. Daneben gibt es auch finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Reisen zu Konferenzen oder Austausch zwischen Laboren. »Wenn zum Beispiel jemand in einem anderen Labor im Ausland eine besondere Technik erlernen will, unterstützen wir das finanziell«, erklärt Braker.

Über diese Maßnahmen zur Personalentwicklung hinaus geht es auch darum, alternative Wege für wissenschaftliche Karrieren jenseits von Professuren zu entwickeln, also Strukturen zu schaffen, die etwas mehr Sicherheit bieten. Braker: »Ich versuche, mich bundesweit zu vernetzen und zu schauen, was andere Universitäten machen.« Die Unterstützung des CAU-Präsidiums ist ihr gewiss. »Es ist notwendig, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und ihm Wege mit Berufszielen alternativ zur Professur zu ebnen. Die bundesweite Vernetzung ähnlicher Initiativen, die der Exzellenzcluster anstrebt, begrüßen wir sehr, weil die CAU keine Einzel lösungen möchte«, erklärt Fouquet.

Kerstin Nees

Der erste Career Day am 2. Oktober 2013 informiert über Fördermöglichkeiten und Stipendien für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Europäische Union. In speziellen Workshops werden ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen berichten. Außerdem wird es die Möglichkeit zu einer persönlichen Beratung geben. Kontakt und Information: Dr. Gesche Braker, gbraker@uv.uni-kiel.de
Stellen für den Nachwuchs
Neue Chancen für Postdocs bieten auch die weiteren Exzellenzinitiativen an der CAU: Sowohl die Graduiertenschule »Human Development in Landscapes« als auch der Exzellenzcluster »Entzündungsforschung« haben in der zweiten Förderphase fünf Stellen für Postdocs oder als Junior-Gruppenleitung geschaffen.

»Ziel ist, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Beginn der Doktorarbeit bis in die Postdoc-Phase zu fördern, wobei besonders letztere durch ihren Übergangscharakter ein besonders empfindlicher Abschnitt in wissenschaftlichen Karrieren ist, der weitreichende Entscheidungen und hohe Mobilität verlangt«, erklärt Jirka Niklas Menke, der Ansprechpartner für die Öffentlichkeitsarbeit der Graduiertenschule. »Es gibt viele Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative, deren ›Produkte‹ fertige Doktoren sind. Diesen hoch qualifi­zierten Spezialistinnen und Spezialisten möchten wir Optionen bieten – und damit die Mensch-Umwelt-Forschung vorantreiben. Deswegen hat die Graduiertenschule neben der Promo­vierendenausbildung die Möglichkeiten für Postdocs gestärkt und mit den neuen Stellen Expertise aus ganz Europa nach Kiel geholt.« (ne)
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