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Nr. 77, 06.07.2013  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Missionieren für die Wissenschaft

Sie ist das landesweite Schaufenster der Uni und in ihrer Art einmalig in ganz Deutschland: die Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft (SHUG).


Die SHUG behandelt Themen von der Erde bis zum Himmel: Professor Joachim Buhrow bei einem Vortrag über große Astronomen an der Ostsee. Foto: SHUG / Karin Duhnke

Fällt uns der Himmel auf den Kopf? Gibt es Leben im All? Was hat die Geschichtswissenschaft zum Raumschiff Enterprise zu sagen? Und wie funktioniert die beste Therapie gegen Schlag­anfall? Antworten auf diese und noch viel mehr Fragen geben die Dozentinnen und Dozenten der SHUG. Wobei die Themen und Titel mehr als nur andeuten, wie das Vortragsprogramm gestrickt ist. Populär soll es sein, aber nicht flach, interessant sollen die Titel der Vorträge sein, aber auch mit dem Inhalt übereinstimmen.

Als wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft ist für solche Fragen letztlich Professor Ludwig Steindorff zuständig. Doch korrigierend eingreifen muss er praktisch nie. Die meisten der Wis­senschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihren Vorträgen eine der 49 Sektionen zwischen Geesthacht und Apenrade bereisen, wissen als routinierte Kräfte ganz genau, wie es läuft. Dass es läuft und jährlich bis zu 20.000 Interessierte zur SHUG strömen, hat viel mit der Struktur dieser Organisation zu tun. Zwar halten auch andernorts Universitätsangehörige Vorträge für die Allgemeinheit, doch in ihrer Struktur mit den ehrenamtlichen Sektionen und einer hauptamtlich besetzten Geschäftsstelle, die in Person des Historikers Steindorff und seines Stellvertreters, des Astrophysikers Professor Wolfgang Duschl, wiederum ehrenamtlich fachlichen Beistand erhält, ist die Universitäts-Gesellschaft in Deutschland die Ausnahme.

Ganz Ähnliches gilt für ihre Tradition, die bis ins Jahr 1918 zurückreicht und mit dem Einwerben von Spenden für die Wissenschaft als vornehmstem Vereinszweck begann. Schon in den 1920er Jahren kamen jedoch öffentliche Vorträge hinzu, und dieser Bereich entwickelte sich so gedeih­lich, dass er heute den eindeutigen Schwerpunkt ausmacht.

»Großes Glück« hatte der Verein laut Steindorff, dass er nach dem Krieg die Sympathie der englischen Besatzungsmacht weckte. Die SHUG galt nach seinen Worten als »hochinte­ressantes Modell für Demokratieerziehung« und durfte ihre Arbeit schon 1946 wieder aufnehmen. Bis heute gehalten haben sich aus dieser Zeit einige begriffliche Besonderheiten. Die einstigen Ortsgruppen heißen nach wie vor Sektionen, und Ulrich Ellerbek nennt sich nicht Vorsitzender, sondern Präsident der SHUG; Vizepräsident ist im Übrigen der Präsident der CAU, Professor Fouquet. Selbst der Umstand, dass sich allen Vorträgen eine Aussprache anschließt, geht, wie Steindorff erzählt, auf die Nachkriegszeit zurück: Die englischen Kulturoffiziere wünschten es so.

Gleichwohl hat die SHUG teils ähnliche Sorgen wie viele andere Vereine. Es ist nicht immer einfach, die Sektionsleitungen neu zu besetzen, und noch mehr professoraler Nachwuchs für das Vortragsprogramm wäre der SHUG willkommen. Oft sind die neu nach Kiel berufenen Profes­sorinen und Professoren anfangs etwas zurückhaltend, berichtet Ludwig Steindorff. Später sind viele dann so mit Aufgaben eingedeckt, dass sie keine Zeit mehr für diese Nebentätigkeit abzweigen möchten.

Ausdrücklich ermuntert der wissenschaftliche Leiter deshalb seine Kolleginnen und Kollegen, möglichst früh anzufangen. Der materielle Lohn ist mit Chauffierdienst, Imbiss und einem kleinen Honorar zwar gering, die Tätigkeit selbst hat nach Steindorffs Worten dafür »einen Suchtfaktor«. Wer erst einmal angefangen hat, bleibt jedenfalls meist für lange Zeit dabei, berichtet der Wissenschaftler und hat dafür eine einfache Erklärung: »Man fühlt sich ja immer auch ein Stück als Missionar seine Faches«.

Martin Geist
Fakten über die SHUG
Der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft e. V. (SHUG) gehören derzeit etwa 4.650 Mitglieder in 49 Sektionen an. Übers Jahr gerechnet bieten diese Sektionen zusammen ungefähr 400 Vorträge an und erreichen damit zwischen 18.000 und 20.000 Interessierte. Immer wichtiger wird neben den klassischen Angeboten für Erwachsene das Programm »Uni kommt zur Schule«, das im vergangenen Jahr mit 36 Veranstaltungen fast 3.500 junge Leute erreichte. Akzente setzt die SHUG außerdem mit dem Professor Miethke-Förderpreis, der meist an Schulen vergeben wird und dieses Jahr für Projekte zur Astrologie und Meteorologie ausgeschrieben ist. Der Fakultätenpreis hingegen belohnt herausragende Dissertationen und berücksichtigt im jährlichen Wechsel eine der acht Fakultäten. (mag)

► www.shug.uni-kiel.de
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