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Nr. 77, 06.07.2013  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Besser gerüstet in die Schule

Mit Zertifikatskursen und Workshops unterstützt das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) angehende Lehrkräfte bei der Entwick­lung ihrer Kompetenzen für den Schulalltag – und für nicht Alltägliches.


Ein Stimmtraining kann Lehramtstudierenden helfen, sich vor lauten Klassen zu behaupten. Foto: iStockphoto

Wie soll ein junger Lehrer reagieren, den ein wütender Schüler schubst? Was kann eine Refe­rendarin tun, deren Stimme zu schwach ausgeprägt ist, um sich gegen laute Klassen durch­zusetzen? Lösungen für solche und viele weitere Situationen bietet seit dem vergangenen Wintersemester das ZfL in Zertifikatskursen und kompakten Workshops.

»Diese Veranstaltungen sind auf relativ spezielle Bedürfnisse mancher Lehramtsstudierender zugeschnitten und deshalb nicht Teil des regulären Studienverlaufs«, erklärt Professorin Birgit Brouër, Leiterin des ZfL. Doch obwohl es dafür keine Leistungspunkte gibt, sind die Kursplätze heiß begehrt. »Eigentlich hatten wir ein Zertifikat und etwa fünf Workshops pro Semester geplant. Nun bieten wir mehr als doppelt so viele an und trotzdem gibt es noch Wartelisten«, freut sich Koordinatorin Melanie Korn vom ZfL über die gute Resonanz auf das noch junge Angebot.

Auch bundesweit muss sich die CAU mit diesem Programm nicht verstecken: »Andere Unis haben zwar ähnliche Kurse, aber nicht in der Breite und Ausführlichkeit wie wir«, sagt Korn und ergänzt: »Wir hatten sogar schon Meldungen von Studierenden anderer Hochschulen, die gern an einem unserer Workshops oder Zertifikatskurse teilnehmen wollten – das Angebot richtet sich aber ausschließlich an Lehramtsanwärter der Uni Kiel.«

»Zu den Rennern gehört das Stimmtraining, das wir allein in diesem Sommersemester an dreimal zehn Terminen veranstalten«, berichtet Birgit Brouër. »Manche Studierende merken bei ihren Schulpraktika, dass ihre Stimme leidet und heiser wird, oder dass sie sich gegen den Lärm im Klassenzimmer akustisch nicht behaupten können.« Mit Atem- und Sprechübungen sowie Einheiten zu Körpersprache und Artikulation wird in kleinen Gruppen intensiv an diesen Problemen gearbeitet.

Sehr gut angenommen wird auch der Workshop zu Unterrichtsstörungen und Deeskalation. »Er ist nach Geschlechtern getrennt organisiert, weil Männer andere Strategien haben als Frauen, wenn Schülerinnen oder Schüler in ihren persönlichen Distanzbereich eindringen. Daher ist dies teils ein sehr körperlicher Kurs«, erläutert Melanie Korn. In Rollenspielen proben die Studierenden, wie sich Eskalationskreisläufe zum richtigen Zeitpunkt unterbrechen lassen und wie sie ihr eigenes Verhalten in solchen Situationen kontrollieren und steuern können. »Dabei geht es auch um Selbstbehauptung der Lehrkraft und darum, Rechtfertigungsstrategien zu durchschauen«, sagt Korn.

Bei vielen Veranstaltungen, etwa dem Zertifikat »Inklusive Schule« oder einer Reihe zum Inter­kulturellen Dialog, arbeitet das ZfL mit Institutionen wie der Nordkirche, dem Bildungsministerium und der AWO zusammen. Sie helfen, den sozialen Aspekt, das Miteinander in der Schule, zu stärken. Besonders freuen sich Birgit Brouër und Melanie Korn über die erlebnispädagogische Kooperation mit der Friedrich-Junge-Gemeinschaftsschule in Großhansdorf: »Herausforderung, Bewährung, Erprobung, Orientierung« heißt das Projekt für die achte Jahrgangsstufe. Jede Schülerin und jeder Schüler bewirbt sich für eine sogenannte Challenge. Zur Auswahl stehen beispielsweise eine Wanderung über die Alpen, ein Triathlon-Trainingslager oder zwölf Tage Arbeitseinsatz auf einem Bauernhof fern der Heimat – ganz ohne Handy, was allein schon eine Herausforderung für viele Heranwachsende sein dürfte.

Fünf Studierende der Uni Kiel unterstützen als Tandem die Lehrerinnen und Lehrer beim Vor­bereiten der Challenges und begleiten die Gruppen später auch bei der Umsetzung. »Diese Zusammenarbeit sehen wir als Pilotprojekt an, dem wir gern weitere folgen lassen wollen«, erklärt Birgit Brouër. »Über Vorschläge von anderen Schulen würden wir uns sehr freuen«, ergänzt Melanie Korn. In Großhansdorf kommt die Kooperation so gut an, dass sich Eltern, Schülerinnen und Schüler, Schulleitung und Uni gleichermaßen eine Fortsetzung wünschen.

Jirka Niklas Menke

► www.zfl.uni-kiel.de
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