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Nr. 77, 06.07.2013  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Campus 2.0

Denken und lernen muss der Mensch immer noch selbst. Doch der zentrale e-Learning-Service der Uni Kiel bietet den Studie­renden immer mehr virtuelle Unterstützung an.


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Wenn Volkswirt Professor Stefan Reitz eine Vorlesung hält und ein Studierender gleichzeitig einen Zahnarzttermin hat, ist das kein Problem. Reitz macht Filme von seinen Vorlesungen und stellt sie auf die Lernplattform OLAT (Online Learning And Training). Alle, die sich in eine seiner Lehrveranstaltungen eingeschrieben haben, können auf diese Plattform zugreifen. Und eben im Zweifel erst zum Zahnarzt gehen, um später, wenn der Schmerz nachgelassen hat, die versäumte Vorlesung im Internet zu besuchen.

»Die Studierenden nehmen das sehr gerne in Anspruch«, sagt Reitz und meint damit auch die zahlreichen weiteren Möglichkeiten des e-Learnings. Diese bekannt und zugänglich zu machen, ist der Job von Markus Alber und Marcel Austenfeld. Sie verkörpern den 2009 mit Fördermitteln vom Land aus der Taufe gehobenen zentralen e-Learning-Service der CAU, der mittlerweile eine feste Einrichtung an der Universität und Teil des »Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen« (PerLe) ist; ein in sechs Teilprojekte gegliedertes Konzept, mit dem die Betreuung und Förderung der CAU-Studierenden verbessert, die Studienzufriedenheit und damit die Zahl der Absolventinnen und Absolventen erhöht werden soll.

Deutlich zu machen, was e-Learning überhaupt bieten kann und dann die technischen Grundlagen dafür zu vermitteln, war zunächst die Hauptaufgabe der Service-Truppe. Dabei wurde ganze Arbeit geleistet. Mehr als 1.000 Lehrende haben nach Angaben von Markus Alber inzwischen an den meist etwa zweieinhalb Stunden umfassenden Einführungsseminaren zu OLAT teilgenommen. Registriert sind fast 26.000 Nutzerinnen und Nutzer, die auf insgesamt 2.700 Kurse zugreifen können und mit Zusatzangeboten wie Tests, Fragebögen oder Blogs sogar unter 4.500 Angeboten auswählen können.

Besonders eindrucksvoll ist für Alber, dass derzeit etwa 550 selbstgegründete Arbeitsgruppen am Werk sind. Studierende, die beispielsweise in ein und demselben Seminar teilnehmen, tun sich dabei wie eh und je zusammen, um den Stoff zu vertiefen oder auszuarbeiten. Nur, dass das nicht mehr in einem realen Raum, sondern in einer virtuellen Versammlungsstätte geschieht. Wie in allen anderen Ausprägungen des e-Learnings sind dabei Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Jura und Agrarwissenschaften gleichermaßen vertreten, berichtet Alber.

Zudem bietet OLAT Möglichkeiten, die früheren Generationen von Studierenden als pure Utopie erschienen wären. Medizinerinnen und Mediziner spielen über die Plattform Lehrfilme ein. Alle möglichen Fachrichtungen nutzen virtuelle Klassenräume, in denen Lehrende und Lernende online in Austausch treten können. Und nicht zuletzt bewährt sich e-Learning über Grenzen hinweg. Im Seerecht oder in der Humangenetik laufen derzeit internationale Projekte, deren Teilnehmende sich wegen der neuen digitalen Möglichkeiten kaum noch ins Flugzeug setzen müssen. »Das führt zu enormen Einsparungen bei den Reisekosten«, betont Markus Alber.

Didaktisch stecken ebenfalls Vorteile in dem System. Professor Reitz schaut gern ins Forum zu seinen Lehrveranstaltungen, weil dort über vielerlei inhaltliche Fragestellungen diskutiert wird. »So kann ich relativ gut sehen, was die Leute verstanden haben und was nicht«, fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Andererseits deutet manches darauf hin, dass die Idee vom selbstgesteuerten Lernen den Alltag auf dem Campus ein Stück weit verändert. Zwar sind die Vorlesungen von Reitz nach dessen Einschätzung trotz der Übertragung auf OLAT »nicht wesentlich leerer« geworden, es fällt aber auf, dass deutlich mehr Teilnehmende eingeschrieben sind als tatsächlich im Saal sitzen. »Einige kommen wahrscheinlich selten oder gar nicht und erscheinen dann nur zur Klausur«, vermutet Stefan Reitz, den das aber zumindest so lange nicht grämt, wie die Erfolgsquoten der e-Learner stimmen.

Damit das für die persönlich wie virtuell anwesenden Studierenden noch besser als bisher klappt, plant der Volkswirtschaftler, der sich vom e-Learning-Service der Uni »hervorragend unterstützt« fühlt, weitere Neuerungen. Demnächst will er seine Inhalte mit Kontrollfragen versehen, damit die Studierenden überprüfen können, ob sie den Stoff wirklich verstanden haben.

Martin Geist

► elearning.uni-kiel.de
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