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Nr. 80, 12.04.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Allgemeinmedizin soll strahlen

Der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät ist wieder besetzt. Professorin Hanna Kaduszkiewicz will die Begeisterung für ihr Fach­gebiet bei Studierenden neu entfachen.


Langes Warten in der Praxis: Hausärztinnen und Hausärzte sind Mangelware, besonders auf dem Land. Foto: Picture Alliance

Der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin hat nach fast zehn Jahren wieder ein Gesicht: Professorin Hanna Kaduszkiewicz. Ihr Vorgänger, Professor Ferdinand Gerlach, wechselte 2004 nach Frank­furt. Seitdem blieb die Professur unbesetzt, bis zum 15. Januar 2014, dem ersten Arbeitstag von Kaduszkiewicz.

»Ich denke, mit der Neubesetzung des Lehrstuhls will die Universität Kiel die Attraktivität des hausärztlichen Berufes verbessern«, sagt die gebürtige Polin, die bereits als Grundschülerin nach Hamburg zog und dort ihre akademische Laufbahn begann. Hier war sie zwölf Jahre am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums zunächst als wissenschaftliche Mitar­beiterin, dann als Forschungskoordinatorin beschäftigt. Für Kaduszkiewicz ist die hausärztliche Tätigkeit eine »sehr anspruchsvolle«, wie sie sagt. »Bei akuten Erkrankungen ist die Heraus­forderung, die Spreu vom Weizen zu trennen, also die leichteren Verläufe von den schweren Erkrankungen. Die andere Herausforderung ist die Betreuung von chronisch kranken Menschen über viele Jahre hinweg.«

Dass der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin jetzt neu besetzt wurde, trägt der Tatsache Rechnung, dass die Anzahl an Hausärztinnen und Hausärzten, insbesondere auf dem Land, stark rückläufig ist. Nur rund 40 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind hausärztlich tätig, somit lässt sich die Mehrheit mit einer Fachpraxis nieder. Eigentlich sollte das Verhältnis umgekehrt sein. »Meiner Meinung nach hat das mit Prägung zu tun«, erläutert Kaduszkiewicz. »Während des Studiums lernen die Studierenden alle möglichen interessanten Spezialdisziplinen kennen – die Allgemeinmedizin spielte bisher eine Nebenrolle.« Das will die 42-Jährige ändern. »Mein Ziel ist es, die originär allgemeinmedizinische Lehre zu intensivieren sowie allgemeinmedizinische Vorgehensweisen auch in den anderen Fächern deutlich zu machen.«

Dafür plant sie Kooperationen mit anderen Fächern – aktuell steht sie mit den Querschnitts­bereichen »Medizin des Alterns« und »Prävention und Gesundheitsförderung « im Gespräch. Auch sollen nach der neuen Approbationsordnung Studierende der Humanmedizin künftig zwei Blockpraktikumswochen in der Allgemeinmedizin absolvieren, bisher war es nur eine Woche.

Professorin Hanna Kaduszkiewicz will die Sichtbarkeit der Allgemeinmedizin an der CAU erhöhen. Foto: pur.pur

Neben der Lehre ist die Forschung wichtig. »Ich möchte das Ansehen der Allgemeinmedizin mit fundierter For­schung steigern und damit ihre Sichtbarkeit erhöhen«, betont die Hamburgerin. Dabei denkt sie beispielsweise an Interventionsstudien. So würde sie gern in einer Stu­die prüfen, ob Angehörige von Demenzkranken weniger belastet sind, wenn sie im Umgang mit der Krankheit strukturiert geschult werden.

Als drittes Aufgabengebiet stellt sich Kaduszkiewicz die Zusammenarbeit mit Institutionen und anderen Organi­sationen, also dem Ministerium, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärzte kammer, dem Haus ärzteverband und bei spiels weise auch mit Praxisnetzen vor. »In Schleswig-Holstein gibt es bereits eine gute Zusam­menarbeit«, betont Kaduszkiewicz. »Aber da ist Potenzial für innovative Projekte, die wir wissenschaftlich begleiten könnten.«

Die Sensibilisierung des Nachwuchses ist zwar noch kein Patentrezept gegen den Mangel an Landärztinnen und Landärzten. Klar ist für die Professorin aber, dass etwa die Finanzierung der Praxen auf dem Land anders geregelt werden müsse als in der Stadt. Denn diese hätten oft größeren Bedarf an medizinischen Geräten, die normalerweise nicht in einer Hausarztpraxis stünden. Zudem hätten sie auch ein viel größeres Aufgabengebiet. »Um Ärzte aufs Land zu holen, muss gewährleistet sein, dass sie ausreichend verdienen und trotzdem genügend Freizeit haben.« Gegebenenfalls könnten sich zwei die Arbeit teilen. Dafür bräuchte es finanzielle Unterstützung von dritter Seite. An Ideen mangelt es Kaduszkiewicz nicht. Die Allgemeinmedizin an der Universität Kiel befindet sich im Aufwind.

Ann-Christin Wimber
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