CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 81Seite 3
Nr. 81, 12.07.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Geprüft und für gut befunden

Geht es ums Jura-Studium, so ist die Uni Kiel sehr beliebt. Aus guten Gründen.


Foto: panthermedia

Jedes Wintersemester nimmt die Rechtswissenschaftliche Fakultät 300 bis 350 Anfängerinnen und Anfänger auf. Den Bewerbungen nach könnten es noch mehr sein, doch die 20 Professuren begrenzen die Kapazitäten der Fakultät auf aktuell insgesamt 1.800 Studierende.

Professor Rudolf Meyer-Pritzl, der seit 2012 und bis Anfang Juli dieses Jahres als Dekan der Gründungsfakultät der CAU vorsteht, nennt vor allem einen Grund für die große Nachfrage: »Wir vermitteln eine sehr gründliche und umfassende Ausbildung und bieten zugleich zahlreiche Spezialisierungen an.« Für Kompetenz im Internationalen Recht samt Osteuropäischen Recht und Seerecht ist Kiel weithin bekannt. Und auch die Grundlagen, die von Rechtsphilosophie über Rechtsgeschichte bis zum Römischen Recht reichen, sind ungewöhnlich breit gefächert. Im fünften und sechsten Semester können die Studierenden unter zwölf Schwerpunkten wählen, die es so nur an wenigen anderen Hochschulen gibt.

So strömt der Nachwuchs wie eh und je in großer Zahl zur Juristerei. Wie Meyer-Pritzl vermutet, auch wegen der schon seit längerer Zeit für alle Absolventinnen und Absolventen guten Arbeitsmarktlage. Kaum Sorgen machen muss sich, wer ein Prädikatsexamen vorweisen kann. Mindestens neun von 18 Punkten braucht es dazu im Staatsexamen, die Türen zum Richterstuhl oder zur Staatsanwaltschaft stehen dann weit offen. In den Kreis dieser Glücklichen gehören 10 bis 15 Prozent aller Prüflinge. Etwa ein Drittel fällt durch, die Übrigen finden oft ihren Platz in Anwaltskanzleien, Wirtschaftsunternehmen, Verwaltungen oder im Politikbetrieb.

»Je nach Examensnote und Region müssen dabei aber mehr oder weniger große Abstriche beim Gehalt gemacht werden«, sagt Rudolf Meyer-Pritzl. Alt ist indes die Diskussion, ob beim Staatsexamen, bei dem oft ganze Jahrgänge nicht in die Nähe der Höchstnoten kommen, die Anforderungen zu hoch oder die Leistungen zu schwach sind. Die Anforderungen zu senken, ist nach Ansicht des Dekans weder sinnvoll noch möglich, schließlich werden die Prüfungsaufgaben vom autonom arbeitenden Justizprüfungsamt in Schleswig vorgegeben.

Die Prüfungsvorbereitung zu optimieren und so auf bessere Ergebnisse hinzuwirken, daran hat Meyer-Pritzl in seiner zweijährigen Amtszeit aber sehr wohl gearbeitet. Ein neu strukturierter neunmonatiger Wiederholungs- und Vertiefungskurs, schriftliche Probeexamina mit Originalklausuren aus früheren Prüfungsdurchgängen sowie simulierte mündliche Prüfungen, die die tatsächliche Examenssituation realistisch nachbilden, sollen Hürden abbauen.

Voraussetzung für ein gutes Studium sind aber auch einige grundlegende Tugenden. Dem auf Rechtsgeschichte und Bürgerliches Recht spezialisierten Professor Meyer-Pritzl kommt es besonders auf Sprachkompetenz, strukturiertes und logisches Denken sowie Selbstdisziplin an. Eigenschaften, die Frauen heutzutage möglicherweise eher mitbringen als Männer. Gab es vor zehn Jahren noch genauso viele Anfängerinnen wie Anfänger, sind seither Frauen immer ein bisschen in der Überzahl. Und auch bei den Examensnoten liegen die Frauen vorn. So ist es nicht verwunderlich, dass mit Sibylle Kessal-Wulf und Doris König, der ehemaligen Präsidentin der Bucerius Law School, gleich zwei Absolventinnen der Fakultät aktuell Richterinnen am Bundesverfassungsgericht sind, berichtet Meyer-Pritzl.

Martin Geist
Top  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 


Zuständig für die Pflege dieser Seite: unizeit-Redaktion   ► unizeit@uni-kiel.de