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Nr. 81, 12.07.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Den Blick über den Tellerrand fördern

Eigentlich hat Ernst Georg Jarchow sein Lebenswerk längst vollbracht. Doch er tut immer noch Gutes. Die von ihm und seiner Frau gegründete Brunswiker Stiftung unterstützt das Deutschlandstipendium an der Uni Kiel seit Beginn.


Begegnung zwischen Förderer und Gefördertem: Ernst Georg Jarchow zeigt Fabian Wolff »seine« Kieler Altstadt. Foto: Martin Geist

»Eine Grundabsicherung wie das BAFöG ist gut, aber gewiss nicht immer ausreichend«, meint Georg Jarchow, der in Kiel als erfolgreicher Buchhändler arbeitete und auf Wissenschaft spezialisiert war. Seine Brunswiker Stiftung war aus diesem Grund sofort dabei, als die CAU 2011 die ersten Deutschlandstipendien vergab. Vorgaben zu Fächern oder anderen Auswahl­kriterien macht Jarchow dabei nicht, verbindet aber eine Hoffnung mit seinem Engagement: »Die Idee des Studium Generale sollte nicht in Vergessenheit geraten. Wir wollen einfach den Blick über den Tellerrand fördern.«

Im ersten Jahr sponserte das Brunswiker Ehepaar ein Stipendium, im zweiten zwei, im dritten drei. Weniger der numerischen Logik folgend, als aufgrund durchweg guter Erfahrungen. Deshalb werden es im nächsten Durchgang auch vier Stipendien: »Enttäuscht worden sind wir noch nie«, betont der 83-jährige Stifter.

Mit Anerkennung blickt er dabei auf seinen aktuellen Stipendiaten Fabian Wolff, der in vielerlei Hinsicht ein Beispiel dafür ist, wie sinnvoll Stipendien wirken können. Sein Abitur machte Wolff mit einer glatten Eins und handelte sich damit an der Uni prompt ein Problem ein. Wie so viele, die eigentlich alles können, hatte der 24-Jährige einige Mühe, herauszufinden, was er tatsächlich will. »Ich hatte mich ein bisschen verloren.« Er berichtet, wie er zunächst eher aus Ratlosigkeit Betriebswirtschaftslehre wählte und damit dann doch nicht warm wurde. Heute widmet sich der gebürtige Soltauer der Psychologie und in einem zweiten zusätzlichen Studiengang der Soziologie und den Wirtschaftswissenschaften.

»Ohne Stipendium wäre mein Weg viel schwieriger geworden«, sagt Fabian Wolff, dessen Eltern nicht wohlhabend, aber fürsorglich sind. Früh schlossen sie für ihren Sohn einen Sparvertrag ab, der den Anspruch auf BAFöG verhindert. So voll, dass es sein Studium finanziert, sei dieses Konto aber erstens nicht, und zweitens will er es jetzt noch nicht komplett aufbrauchen. Beruflich will Wolff später vielleicht als Therapeut oder Gerichtsgutachter arbeiten, und das erfordert teure private Zusatzausbildungen.

Jetzt lebt Wolff als Student von einer Kombination aus Stipendium und Rücklagen. Saus und Braus ist zwar nicht drin, wohl aber verschafft es ihm »Beinfreiheit«. Die nutzt der junge Mann durchaus im Sinne der Stiftung. Jüngst rettete er in den Semesterferien innerhalb eines Umweltprojekts in Sri Lanka seltene Schildkröten. »Sehr gut, sehr gut«, nickt dazu Ernst Georg Jarchow. Ins Ausland gehen, ein Ehrenamt übernehmen, auch mal Hörsäle anderer Disziplinen besuchen, solche Freiräume will die Brunswiker Stiftung schaffen helfen. Und mit ihrem Engagement steht sie nicht allein.

Zu den großen Unterstützerinnen des Deutschlandstipendiums an der Uni Kiel gehört die Professor-Petersen-Stiftung mit jährlich über 20 Stipendien. Unternehmen, Verbände und private Förderer wie die CITTI Handelsgesellschaft, der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein und Dr. Norbert Klause fördern jeweils fünf Studierende pro Jahr. Nahezu alle Stiftenden wie die Zöllner-Holding und die Vater-Holding sowie zahlreiche private Personen sind seit 2011 mit einer jährlichen Stiftung dabei.

Martin Geist
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