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Nr. 81, 12.07.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Lehramt eng verzahnen

Durch den Ausbau der Zusammenarbeit von Fach und Fachdidaktik will die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Qualität des Lehramtsstudiums weiter steigern.


»Wissen ist Macht.« Diese Weisheit, die auf den englischen Philosophen Francis Bacon zurückgeht, hat bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren. Deshalb ist es wichtig, dass allen Menschen Wissen zugänglich gemacht wird – und dafür braucht man gut gebildete Lehrerinnen und Lehrer. Sie sind es, die die Basis für das Wissen der Kinder legen und dieses in den höheren Jahrgangstufen weiter ausbauen. In ihrer Lehramtsausbildung setzt die Kieler Universität deshalb auf den Dreiklang von Fachwissenschaft, Fachdidaktik, also der Wissenschaft des Lehrens und Lernens, und der Pädagogik.

»In den jüngsten Forschungsergebnissen zeigt sich deutlich, dass gutes fachliches und fachdidaktisches Wissen notwendig sind, damit Unterricht erfolgreich wird. Lehrkräfte müssen Fachwissen anders nutzen als Fachstudierende. Sie müssen zum Beispiel Lernhürden erkennen und Ansätze zur Lernunterstützung und Motivierung kennen und auswählen. Dafür müssen fachliche und fachdidaktische Ausbildung sehr eng verzahnt sein«, sagt Professorin Ilka Parchmann, seit Juni Vizepräsidentin für die Lehramtsausbildung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Diese enge Verzahnung baut die Kieler Universität intensiv aus. Seit zwei Jahren sammeln die angehenden Lehrkräfte an der CAU zum Beispiel im Fach Chemie Erfahrungen, wie ein Modul aussehen könnte, das die beiden Welten Fach und Fachdidaktik miteinander verbindet. Das Modul »Unterrichtsversuche für Fortgeschrittene« greift fachliche Inhalte des Bachelorstudiums auf und zeigt, wie man sie schulexperimentell umsetzen kann. Dabei erörtern die angehenden Lehrerinnen und Lehrer auch, in welcher Jahrgangsstufe ein Thema mit welchen Schwerpunkten erarbeitet werden kann. Theorie und Praxis fließen schließlich in eine eigene konzeptionelle Ausarbeitung ein, die sie den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Abschluss präsentieren.

Um die Studierenden mit praktischen Bezügen zu Alltag und Forschung zu versorgen, wählen die Lehrenden passende Themen aus. Eins davon ist die Funktionsweise der Inhaltsstoffe von Wasserenthärtern in Waschmitteln. »Hieran lassen sich beispielsweise poröse Verbindungen erklären, die das Wasser weich machen«, sagt Dr. Norbert Stock, Professor am Institut für anorganische Chemie. Während das Waschmittel Natrium-Ionen ins Wasser abgibt, nimmt es Calcium- Ionen, die das Wasser hart machen, auf. »In einem ersten Schritt wiederholen wir hier die fachlichen Grundlagen, wie den chemischen Aufbau und die natürlichen Eigenschaften poröser Verbindungen. Im anschließenden praktischen Teil betrachten die Studierenden das Gelernte aus fachdidaktischer Sicht und erarbeiten mögliche Schulexperimente, die den Austausch der Ionen durch poröse Verbindungen zeigen. Abschließend können die Studierenden ihr Konzept vor dem Kurs präsentieren. So lernen sie das Lehren an unterrichtsrelevanten Beispielen und erwerben gleichzeitig fachliches Wissen und die Fähigkeit, dieses Wissen an Schülerinnen und Schüler zu vermitteln.«

»Dieses Modul aus dem Fach Chemie ist ein schöner Prototyp für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Fach und Fachdidaktik. Diesen Bedarf einer besseren Vernetzung bestätigen uns auch die Studierenden«, sagt Parchmann, die eine Professur für die Didaktik der Chemie am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der CAU innehat. Daher sei es so wichtig, dass die Universität Kiel in diesem Bereich intensiv weiterarbeitet.

Ein weiterer fester Baustein der Kieler Lehrerbildung soll die Kieler Forschungswerkstatt werden, die vor zwei Jahren im Botanischen Garten der CAU erstmals ihre Türen öffnete. Mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler kamen seither zu Besuch, um aktuelle Forschung hautnah zu erleben. In diesem Rahmen haben Studierende die Chance, erst einmal vor einer kleinen Gruppe aus drei bis fünf Personen ein vielleicht sogar selbst erarbeitetes Unterrichtskonzept zu testen – und zwar mehrfach mit verschiedenen Gruppen. »Für die Studierenden bietet sich hier die Möglichkeit, zu sehen, wie ihr "Unterricht" ankommt. Kleine Verbesserungen lassen sich so von Gruppe zu Gruppe einbringen, aber auch Unterschiede innerhalb einer Klasse lassen sich so beobachten und auswerten. So etwas wäre auch im Rahmen einer Schul-AG möglich«, sagt die Vizepräsidentin.

Parchmann möchte solch ein gestuftes Konzept für die Lehramtsausbildung weiter systematisch ausbauen. »Schon heute nutzen verschiedene Fächer insbesondere aus den Naturwissen­schaften die Kieler Forschungswerkstatt, mit Geographie, Wirtschaft/Politik und Germanistik haben schon weitere Planungen stattgefunden. Gern würden wir hier langfristig möglichst alle Fächer mit einbeziehen. Das ist eines unserer Ziele«, betont Parchmann.

So könnte es bald in jedem Fach Module geben, in denen Fach und Fachdidaktik inein­andergreifen. In diesen sollen die Studierenden auch lernen, wie sie Schülerinnen und Schülern erklären, was Forschung überhaupt ist und wie sie funktioniert. Durch eine erfolgreiche Vermittlung dieses Wissens können die Lehramtsabsolventinnen und -absolventen der Kieler Universität junge Menschen für die Forschung begeistern.

Ralf Johanning
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